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Modell-Liebhaber bastelt Traumwelt

Hobby Modell-Liebhaber bastelt Traumwelt

Bergbahn, Kirmes, Las Vegas: Christian Riedel hat Dutzende Mini-Modelle gebaut. Nun will er seine Glitzerwelt allen Marburgern zeigen - aber niemand gibt ihm einen Raum für eine Dauerausstellung.

Marburg. Schiffe kann der 51-Jährige basteln, Bauernhöfe und Züge ebenfalls. Hat er auch alles schon getan, zu Hunderten stehen sogenannte Dioramen im Haus des Ex-Hotelfachmanns in Wehrda. Manche Szenen, die auf Riedels Modellen dargestellt sind, messen vier Meter Länge, zwei Meter Breite. Andere passen in eine Handfläche. Doch was er auch baut - eines kann er nicht erschaffen: eine Heimat für seine Kunstwerke, wo jeder sie besichtigen kann.

Christian Riedel und sein Diorama.

Quelle: Nadine Weigel

„Ich will einen großen Ausstellungsraum finden, wo sich jeder die Sachen anschauen kann“, sagt er. Bislang lagern alle Dioramen im Wohnhaus - „bis unter die Decke sind die teilweise gestapelt“ - und in einer Halle in Frankfurt. Beim Anschauen und kleinen Informations-Tafeln an jedem Werk soll es nicht bleiben. Riedel will aus der Dioramen-Schau eine Kultur-Veranstaltung ersten Ranges machen. „Ich plane eine richtige Show, mit Musik, Düften, einer professionellen Lichtanlage, Themenabenden“, sagt er. Ihm schwebt eine PC-gesteuerte Kultur-Show vor, Tag- und Nachteffekte für einen 24-Minuten-Rundgang. Auch Lesungen könnten stattfinden, ein weiterer Bestandteil sollen regelmäßige Luxus-Dinner sein: Hochwertiges Speisen inmitten von Fantasiewelten. Eintritt will er nicht nehmen, hofft für fällige Stromkosten auf einen Sponsor.

Das Konzept (Riedel: „über Jahre ist das gewachsen“) steht - was fehlt sind die Räume. Der Marburger kalkuliert mit einer Bedarfsfläche von 140 Quadratmetern, am besten eine Galerie-Etage oder eine Vier-Zimmer-Wohnung. Problem: Der 51-Jährige sucht keine Scheune in Hermershausen oder einen verwaisten Stall in Schröck. Er will in der Kernstadt, mindestens angrenzend an diese eine Ausstell-Möglichkeit finden. Dabei setzte er zuletzt auch auf die Unterstützung des Kulturamts. Vergeblich, wie Riedel sagt. „Man hat mir zu verstehen gegeben, dass an so Spielzeug doch keiner Interesse hat.“ Spielzeug. Das Wort ärgert den ehemaligen Hotelfachmann. „Gespielt wird nur mit der eigenen Fantasie, wie bei allen Kunstformen“, sagt er.

„Man kann sich aus der Welt herausträumen“

Für Riedel sind Dioramen, ist der Bau dieser, eine Flucht aus dem Alltag. „Man kann sich aus der Welt herausträumen, das bringt mich völlig runter“, sagt der Busfahrer. Vor mehr als 20 Jahren begann die Leidenschaft für die Miniatur-Modelle. Als er noch im Hotel arbeitete, der Betrieb auf der Suche nach einer Attraktion für die Gäste war, entdeckte Riedel im Nachbarort eine Dioramen-Ausstellung. Er lernte Bastelkünstler kennen - das war sein Einstieg in die Künstlerwelt. Riedel besuchte Messen, fand Freunde, knüpfte Kontakt zu Herstellern von Einzelteilen - und machte sich mit speziellen Leuchten selbstständig. Nachdem sein Leben durch berufliche wie private Rückschläge erschüttert wurde, widmete er sich immer stärker dem Hobby. Er baut kleine Szenen und Großmodelle, mehr als 30 Stück davon hat er - vier Meter lang ist etwa die Kirmes, fünf Quadratmeter misst die Bergbahn, sechs Meter Las Vegas. „An denen hängt mein Herz“, sagt Riedel.

Wenn er eine Idee habe, setze er diese zügig um. „Es gibt Wochen, wo ich intensiv Projekt um Projekt umsetze. Dann kribbelt es, ich muss oft mehrere Sachen auf einmal machen.“ Bis er einen Raum für die Kultur-Show gefunden hat, zwingt sich Riedel, weniger Modelle zu bauen.

Kontakt zu Christian Riedel via E-Mail

Das sind Dioramen

Als Diorama bezeichnet man in der Nachfolge von Krippendarstellungen stehende Schaukästen, bei denen mit Modellfiguren und -landschaften etwa historische Ereignisse dargestellt werden. Beliebt sind auch detailgetreue Motive von Eisenbahnstrecken oder Szenen aus der Militärgeschichte. Solche Modelle sind häufig in naturkundlichen und technischen Museen zu finden. Das weltgrößte Diorama befindet sich im Disneyland in Anaheim (USA); es stellt den Grand Canyon dar.

Effekt von Dioramen: Der Betrachter blickt einem Riesen gleich auf die Welt. Ursprünglich war ein Diorama eine im 19. Jahrhundert erfundene abgedunkelte Schaubühne mit halbdurchsichtigem, beidseitig unterschiedlich bemaltem Prospekt. Durch wechselnde Beleuchtung von Vorder- und Rückseite können damit etwa Bewegungen und Tageszeiten simuliert werden.

von Björn Wisker

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