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"Mobilitätskonzept oder "Abzocke"?

Parkplatzgebühren am UKGM "Mobilitätskonzept oder "Abzocke"?

Welche Beiträge darf ein Unternehmen von seinen Beschäftigten verlangen, wenn die ihren Wagen vor dem Betrieb abstellen wollen? Die Frage wird am UKGM derzeit heiß diskutiert.

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Einmal mehr sorgen die Parkplätze am Universitätsklinikum für Wirbel.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. 1000 bis 10000 Euro kostet je nach Qualität und Untergrund ein Parkplatz im Bau, die Unterhaltung verschlingt pro Jahr noch einmal ein Viertel bis ein Drittel dieser Summe, sagt Bernd Beckers, der Geschäftsführer der Parkconsult Infrastruktur und Technologie GmbH & Co. KG. Das Unternehmen berät die Geschäftsführung des UKGM bei der Erarbeitung eines Parkplatzkonzepts für Mitarbeiter, Besucher und Patienten, wie Beckers der OP bestätigte.

Nachdem das UKGM bereits Anfang des Jahres das Gebührensystem für Besucher und Patienten umgestellt hat, geht es nun auch um die Frage, wie mit Parkgelegenheiten für Mitarbeiter umgegangen wird. Ein „Mobilitätskonzept“ wolle man auf den Weg bringen, sagt der Kaufmännische UKGM-Geschäftsführer Dr. Holger Thiemann, „Abzocke“ fürchtet der Betriebsrat.

Auch die Stadt bietet keine Mitarbeiterparkplätze

Derzeit zahlen Mitarbeiter 10 Euro monatlich für die Parkberechtigung, Mitarbeiter mit einem Bruttoeinkommen unter 1000 Euro sind mit 5 Euro dabei. Zum Vergleich: Besucher und Patienten zahlen für 24 Stunden Parken 10 Euro.

Die Mitarbeitersätze sind nicht kostendeckend, erklärt Thiemann und zieht den Vergleich mit anderen Unternehmen heran: Die Stadt Marburg beispielsweise stelle ihren Mitarbeitern keine kostenfreien Parkgelegenheiten zur Verfügung, auch die Universität habe in der Innenstadt so gut wie keine Mitarbeiterparkplätze.

„Ich möchte wissen, wie hoch wir einen Parkplatz für Mitarbeiter subventionieren“, sagt Thiemann. Der Auftrag an Parkconsult hat aber zu Ärger mit dem Betriebsrat geführt. Der lehnte eine Befragung der Beschäftigten zum Thema Parken ab, hat aber, wie der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Dr. Dirk Gehrcke gestern der OP sagte, keine rechtliche Handhabe dagegen.

Jobtickets, Fahrradboxen und Duschen

Gehrcke pocht aber weiter darauf, dass ein - wie auch immer geartetes - Gebührenkonzept für Mitarbeiter nicht mit höheren Monatsgebühren einhergehen darf. Eigentlich, so Gehr-cke, müsse das Parken für alle Mitarbeiter umsonst sein.

Thiemann wiederum findet es ungerecht, wenn das Unternehmen nur jene Mitarbeiter subventioniere, die mit dem Auto zur Arbeit kommen. Er will gleichermaßen Monatskarten für den Bus bezuschussen (etwa über ein Jobticket) oder Fahrradboxen und Duschmöglichkeiten schaffen für jene, die mit dem Rad kommen.

Zudem geht es ihm mit einem neuen Parkraumkonzept darum, mehr Auswahl anzubieten: „Mitarbeiter, die einen persönlichen Stellplatz in einem Parkhaus haben wollen, also einen hochwertigen Parkplatz, sollten bereit sein, dafür mehr zu zahlen als diejenigen, die ihren Wagen in Matsch und Schnee abstellen.“

Schlupflöcher schließen

Auch in dieser Frage liegen Geschäftsführung und Betriebsrat weit auseinander. Gehrcke lehnt persönliche Parkplätze ab, weil die während der Abwesenheit des Mieters nicht anders belegt werden können.

Auch für Besucher und Patienten könnte es Änderungen geben. Bernd Beckers hält eine andere Gebührenstaffel auch für ein Instrument der Verkehrslenkung. Der lange Parkplatz vor dem Mutter-Kind-Zentrum beispielsweise erfreut sich so großer Beliebtheit, dass vor der Schranke oft lange Schlangen stehen und die Zufahrt für Taxis oder Krankentransporte zum Haupteingang blockieren. „Warum soll jemand, der direkt vor der Tür parken möchte, nicht mehr bezahlen als jemand, der zehn Minuten Fußweg auf sich nimmt?“

Zunächst gilt es aber, so Beckers, vorhandene „Schlupflöcher“ im derzeitigen Konzept zu schließen. Für Mitarbeiter müsse ausgeschlossen werden, dass die ihr Parktransponder an Kollegen weitergeben - und für Besucher und Patienten müsse die derzeit hohe Zahl von Freitickets reduziert werden. Allein dadurch erhalte man finanzielle Spielräume, um andere Formen der Mobilität von Mitarbeitern zu bezuschussen.

von Till Conrad

Kommentar von Till Conrad:

Überlastungen in der Pflege, der Verkauf großer Teile des Rhön-Konzerns, der Nackenschlag mit der Partikeltherapie: Die UKGM-Mitarbeiter haben viel durchgemacht . Da wundert nicht die empfindliche Reaktion, wenn jetzt über die Zukunft der Parkmöglichkeiten für Beschäftigte diskutiert wird. Wenn die Geschäftsleitung es ernst meint mit ihrem Anliegen, Alternativen zum Auto attraktiver zu machen, muss sie zunächst höhere Gebühren ausschließen. Sonst geht der Schuss nach hinten los.

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