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Mitglieder bremsen Vorsitzenden Erwin Koch aus

Kreisbauernverband Mitglieder bremsen Vorsitzenden Erwin Koch aus

Eine Wiederwahl des Vorsitzenden Erwin Koch im kommenden Jahr ist ausgeschlossen. Die Mitglieder des Kreisbauernverbandes lehnten am Samstag die Heraufsetzung des Wählbarkeitsalters auf 67 Jahre mehrheitlich ab.

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Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Walter Heidl (von links), mit den wiedergewählten Günter Kraft, Stefan Gruß, Erwin Boland und Matthias Pitzer sowie dem Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Erwin Koch. Es fehlt Reiner Nau.

Quelle: Manfred Schubert

Roth. Die vom Vorstand mit neun von zehn Stimmen vorgeschlagene Satzungsänderung, das künftig wählbar sein sollte, wer das 67. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, führte zu teilweise heftigen und emotionalen Diskussionen unter den etwa hundert Teilnehmern der Jahreshauptversammlung des Kreisbauernverbandes Marburg-Kirchhain-Biedenkopf im Bürgerhaus.

Einige, die sich in der Diskussion zu Wort meldeten, argwöhnten, dies solle nur dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes, Erwin Koch, eine weitere Amtsperiode ermöglichen. Da half es auch nicht, dass Vorstandsmitglied Stefan Lölkes erläuterte, dass der Vorschlag von ihm gekommen sei. Die bisherige Altersgrenze stamme aus einer Zeit, da man mit 65 Jahren bereits alt gewesen sei.

„Wir wählen heute nicht Erwin Koch, sondern stimmen über eine Satzung ab, die es ermöglicht, ihn noch einmal zu wählen“, stellte er klar. Er verwies darauf, dass es schade sei, auf erfahrene Leute verzichten zu müssen in einer Zeit, in der es in Vereinen und Verbänden oft schwierig sei, Führungsämter überhaupt zu besetzen.

Es gab Für- und Widerreden aus der Versammlung, wobei Koch mit einigen persönlichen Verbalattacken nicht unbedingt Werbung in eigener Sache machte. Letztlich stimmten 48 Mitglieder gegen die Änderung, nur 37 waren dafür, nötig gewesen wäre eine Dreiviertelmehrheit.

Wesentlich unaufgeregter ging es bei den weiteren Abstimmungen zu. Der Voranschlag für den 510300 Euro umfassenden Haushalt 2014 des Verbands wurde ohne Diskussionen angenommen, ebenso der Geschäftsbericht und der Jahresabschluss 2013, vorgetragen von Geschäftsführerin Anja Püchner.

Auch die Formalie, dass nach einer Gesetzesänderung die Satzung den Zusatz enthalten muss, dass Vorstandsmitglieder Ersatz ihrer Auslagen und Aufwandsvergütung erhalten können, wurde einstimmig beschlossen. Was die Landwirtschaftspolitik betrifft, zeigten sich die Bauern streitbar wie eh und je. Nachdem verschiedene Vertreter aus Kreis- und Kommunalpolitik und Verwaltung ihre Grußworte gesprochen hatten, erklärte Armin Müller, Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, es nütze nichts, nur schöne Sonntagsreden zu hören. Gerade in den vergangenen zwei Jahren habe man sich intensiv mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf befasst.

„Wir mussten Entscheidungen hinnehmen, die uns nicht gepasst haben, wie die Neuregulierung der Feldwege“, sagte er. Jeden Tag würden in Hessen fünf bis sechs Hektar landwirtschaftlicher Nutzflächen in Anspruch genommen. Er kritisierte, dass beispielsweise Windräder in den Wald gestellt, aber landwirtschaftliche Flächen für den Ausgleich benutzt würden.

Erwin Koch fasste sich diesmal in seinem agrarpolitischen Bericht sehr kurz, in dem er unter Bezug auf die so genannte Hofabgabeklausel darauf hinwies, dass es im Landkreis nur ganz wenige Betriebe mit gesicherter Hofnachfolge gebe.

Er wollte dem Gastredner­vortrag mehr Raum geben, für welchen man diesmal den Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes, Walter Heidl, hatte gewinnen können. Diesen hatte der im Landkreis Dingolfing-Landau beheimatete Heidl mit „Landwirt-schaf(f)t Heimat“ überschrieben. „Wir erhalten Kulturlandschaft durch die tägliche Arbeit unserer Hände, indem wir sie nützen“, erklärte er. „Schützen durch Nützen“ laute das Motto.

Auch er lehnte die Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen für andere Zwecke klar ab. „Wir haben weder in der Landwirtschaft Flächen übrig, um sie stillzulegen, noch im Wald“ betonte er.

Selbstbewusst sollten die Bauern die Bedeutung der Landwirtschaft im ländlichen Raum herausstellen.

von Manfred Schubert

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