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Mit knapp 2,0 Promille am Steuer

Autofahrt mit Folgen Mit knapp 2,0 Promille am Steuer

Erst pöbelte ein älterer Partygast aus Marburg ­einen Taxifahrer an, dann stieg er betrunken ins ­eigene Auto und fuhr ­rasant nach Hause. Sein fahrlässiges Verhalten musste der Angeklagte vor Gericht erklären.

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Ein 56-jähriger Marburger wurde wegen Trunkenheit am Steuer und rassistischer Beleidigung zu 1500 Euro Geldstrafe verurteilt.

Quelle: Foto: S. Hofschlaeger/pixelio

Marburg. Das Strafgericht verurteilte den nur wenig einsichtigen, jedoch geständigen 56-Jährigen wegen Trunkenheit im Verkehr in Tateinheit mit Beleidigung zu einer Geldstrafe von 1500 Euro.

Im Januar dieses Jahres hielt sich der Angeklagte auf einer Party in einer Marburger Kneipe auf, trank dort größere Mengen Alkohol. Nachdem er die Feier verließ, traf er vor dem Lokal auf einen wartenden Taxifahrer, mit dem er umgehend in Streit geriet. Mit den Worten „scheiß Asylant“ beleidigte er den anderen Mann, stieg schließlich ungebeten in das Taxi ein.

Nach kurzem Wortgefecht verließ der aufgebrachte Partygast das Fahrzeug wieder, begab sich zu seinem eigenen Wagen in der Nähe, setzte sich ans Steuer und fuhr davon.
Der überraschte Taxifahrer merkte sich das Kennzeichen, verständigte die Polizei und folgte dem trunkenen Fahrer. Der brauste mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt bis zu seiner Wohnung, bei der er unfallfrei eintraf.

Zeuge: „Er hatte eine Riesenfahne“

Kurz darauf griff die Polizei den ermittelten Fahrzeughalter auf. Den Beamten vor seiner Tür schlug der ertappte Bewohner erst die Tür vor der Nase zu, verweigerte eine Überprüfung und wurde zunehmend aggressiver. Er schrie im Hausflur herum, wollte wissen, wer ihn verraten hatte und wurde schließlich handgreiflich, teilte ein Zeuge vergangene Woche vor Gericht mit.

Nachdem der betrunkene Mann einen der Anwesenden angriff und angeblich versuchte, die Treppe herunter zu stoßen, wurde er von den Kollegen fixiert, berichtete ein Polizist.

„Er hatte auffällige Stimmungsschwankungen, war danach wieder kooperativ“, die Vorwürfe schien er nicht zu verstehen, merkte mehrfach an, er sei doch „gut Zuhause angekommen“, erinnerte sich der Zeuge.

Wie der spätere Blutalkohol-Test des Mannes ergab, war er zum Tatzeitpunkt zurückgerechnet mit mindestens 1,8 Promille auf der Straße unterwegs gewesen. Er trinke eigentlich nicht regelmäßig Alkohol, „nur ab und zu“, teilte der Angeklagte mit. Das er übermäßig betrunken war, bestritt er, in Schleifen sei er nicht aufgrund seines Zustands, sondern eher wegen der schlechten Fahrbahn gefahren, „um Schlaglöchern auszuweichen“, versuchte er wenig glaubhaft zu erklären.

Dem widersprach der angepöbelte Taxifahrer. „Er hatte eine Riesenfahne“, erinnerte sich der Zeuge. In der Nacht sei der Gast bereits schwankend aus der Kneipe gekommen, habe den wartenden Fahrer grundlos angemotzt, er solle gefälligst langsamer fahren, obwohl der sich nicht vom Fleck bewegte. Nachdem er ihn mit den Worten „du scheiß Asylant“ beleidigte, wurde er selber wütend, schoss verbal zurück und weigerte sich, den aggressiven Mann mitzunehmen – „das muss ich mir schon jeden Abend anhören, da hat es mir gereicht“, erklärte der aufgebrachte Fahrer. Eindeutig sei der Angeklagte im Anschluss in Schlangenlinien und viel zu schnell durch die Stadt gebraust.

„Normalerweise bin ich  ein vernünftiger Mensch“

Das stritt der Beschuldigte ab. Auch an eine rassistische Beleidigung könne er sich nicht erinnern, die Trunkenheitsfahrt gab er zu. „Normalerweise bin ich ein vernünftiger Mensch“, beteuerte der Angeklagte, der bislang keine Vorstrafen aufweist, im Straßenverkehr bisher nur einmal wegen Geschwindigkeitsüberschreitung auffiel.

Doch in der Tatnacht habe er „die absolute Fahruntüchtigkeit erreicht“, hätte das Auto mal lieber stehen lassen sollen, fasste Rechtsreferendarin Schneider zusammen, die sich neben der Geldstrafe für eine achtmonatige Fahrsperre für den Verkehrssünder aussprach. Dessen Führerschein wurde bereits im Januar eingezogen. Ähnlich sah dies auch Strafrichter Tobias Mackenthun, der den Angeklagten zu 60 Tagessätzen à 25 Euro verurteilte, bei den Taten jedoch eine alkoholbedingte verminderte Schuldfähigkeit annahm und die Sperrfrist auf sechs Monate festlegte. „Ein Jahr insgesamt ist angemessen – ihrer Fahruntüchtigkeit waren sie sich bewusst“, urteilte der Richter.

von Ina Tannert

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