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Mit gestohlenem Schmuck im Internet posiert

Prozess gegen jugendliche Einbrecher Mit gestohlenem Schmuck im Internet posiert

Bandendiebstahl, diverse Einbrüche und gefährliche Körperverletzung - wegen einer ganzen Reihe von Straftaten im vergangenen Jahr müssen sich zwei Heranwachsende vor dem Jugendschöffengericht verantworten.

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Ein Einbrecher versucht auf diesem gestellten Foto, ein Fenster aufzubrechen.

Quelle: Kai Remmers

Marburg. Die beiden Cousins, heute 18 und 20 Jahre alt, sollen sich einer hessenweit agierenden Diebesbande angeschlossen haben, gemeinsam mit weiteren Tätern über Monate hinweg an verschiedenen Einbruchsdiebstählen in Wohnhäusern, Geschäften und Gaststätten beteiligt sein.

Auch Marburg wurde nicht verschont - am Richtsberg sollen beide im Mai vergangenen Jahres in eine Wohnung eingestiegen sein. Das Innere stellten sie auf den Kopf, durchsuchten und verwüsteten die Einrichtung und erbeuteten wertvollen Schmuck, mehrere teure Uhren, Elektronikartikel und Skulpturen im Wert von mehreren Tausend Euro, zählte der verärgerte Hausbesitzer vor Gericht auf.

Er war sich sicher, dass beide Beschuldigten beteiligt waren, angeblich soll die Bande einen Tipp über das lohnenswerte Objekt bekommen haben.

An den Ermittlungen beteiligte sich der Geschädigte kurzerhand selbst, durchsuchte die sozialen Netzwerke des Internets nach Hinweisen - und tatsächlich fand er diverse Fotos der jungen Männer, auf denen diese stolz mit dem gestohlenen seltenen Schmuck posieren, wie er sagte.

Tatorte: Marburg, Kirchhain und Stadtallendorf

Die Ermittlungsbeamten fanden zudem DNA-Spuren am Tatort, die sie zu weiteren „Treffern“ führten.

Rund 70 kleinere und größere polizeiliche Vorgänge aus dieser Zeit sind bekannt, die mit der Diebesbande rund um die Angeklagten zu tun haben sollen und teils von Stadtallendorf über Langgöns bis nach Dortmund führen, berichteten mehrere Kriminalbeamte. Mindestens einer der beiden Männer steht im Verdacht, seine Hände bei einer ganzen Reihe weiterer Straftaten im Spiel gehabt zu haben.

Beide Beschuldigte wollen zurück nach Albanien

In Marburg endete die monatelange Diebestour der Gruppe nicht: In Kirchhain wurde ein Schuhgeschäft Ziel der Bande, in Stadtallendorf stiegen sie in ein Vereinsheim ein.

Das Vorgehen der teils jugendlichen Täter war stets „zielstrebig und routiniert“, so die Anklage.

Jeweils vier Handlungen wirft die Marburger Staatsanwaltschaft den beiden Männern vor. Die lebten zuletzt in Stadtallendorf, sitzen zur Zeit wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Einige ihrer Einbrüche sollen die beiden Cousins gemeinsam mit einem weiteren Verwandten verübt haben. Der ist untergetaucht und nach Albanien, dem Heimatland der Familie, zurückgekehrt.

Dorthin wollen auch die beiden Beschuldigten zurück - „so schnell wie möglich“ -, zu diesem Zweck würde er auch fälschlich einfach alles zugeben, teilte der Jüngere eindringlich mit. „Wenn Sie meinen, verurteilen Sie mich, ich bin es nicht gewesen“, beteuerte er seine Unschuld.

Beide mutmaßlichen Bandenmitglieder bestreiten vehement eine Beteiligung an den Einbrüchen und anderen Taten - „da weiß ich gar nichts von“, „dazu kann ich nichts sagen“ oder „damit habe ich nichts zu tun“ war während des ersten Verhandlungstages des Öfteren von der Anklagebank zu hören. Lediglich einen Einbruch mit geringer Beute in ein Frankfurter Hotel gab der 20-Jährige voll umfassend zu.

Der junge Mann hat sich ebenfalls wegen zweier Ladendiebstähle, Nötigung und einer Schlägerei zu verantworten. In der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen geriet er mit einem anderen Flüchtling aneinander. Gemeinsam mit seinem Cousin sowie zwei weiteren Tätern soll er auf das Opfer eingeschlagen haben. Beide bestreiten den Angriff.

Kontrolleur im Stadtbus mit schwerem Stein bedroht

In Marburg wurde der 20-Jährige gemeinsam mit einem Bekannten angeblich in einem Stadtbus beim Schwarzfahren erwischt. Während die Kontrolleure die Personalien prüften, die sich als falsch heraus stellten, rannte einer der Männer davon, sein Kumpan wurde festgehalten.

Um diesem ebenfalls zur Flucht zu verhelfen, ergriff der Heranwachsende einen schweren Stein und drohte, diesen auf die Kontrolleure zu werfen.

Der Täter ist den Mitarbeitern deutlich im Gedächtnis geblieben - „er war es eindeutig“, war sich einer der Zeugen vor Gericht sicher.

  • Weitere Zeugen sollen am nächsten Verhandlungstag gehört werden. Der Prozess wird am Donnerstag, 12. Mai, ab 9 Uhr fortgesetzt.

von Ina Tannert

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