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Mit dem Rollstuhl oder Rollator in die Oberstadt

Broschüre "Marburg auf leichten Wegen" Mit dem Rollstuhl oder Rollator in die Oberstadt

Die Broschüre ist aus Mitteln des vor zwei Jahren erstmals verliehenen Jürgen-Markus-Preises finanziert worden.

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Wer zum Beispiel auf einen Rollator angewiesen ist, kann sich mit der Broschüre „Marburg auf leichten Wegen“ durch die Stadt führen lassen.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Vor zwei Jahren wurden Dr. Theresia Jacobi und Jürgen Hoffmann für ihr Konzept zur Entwicklung von touristischen Angeboten für mobilitätseingeschränkte Menschen mit dem damals erstmals ausgelobten Jürgen-Markus-Preis ausgezeichnet. Inzwischen haben sie dafür gesorgt, dass Gästeführer entsprechend geschult wurden, sie haben Alternativrouten für Stadtführungen und nun auch einen Flyer entwickelt, der diese Routen beschreibt. „Marburg auf leichten Wegen“ lautet der Titel der Broschüre, die aus Mitteln des Jürgen-Markus-Preises finanziert wurde.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) lobte bei der Präsentation, dass der Preis damit genau das bewirkt habe, was er bewirken sollte, nämlich nachhaltig in die Stadtgesellschaft hinein zu wirken.

Jacobi und Hoffmann sind selbst seit vielen Jahren Gästeführer in Marburg und haben immer wieder erlebt, dass Menschen, die weniger mobil sind, die üblichen Führungen nur schwer oder gar nicht mitmachen können. Also haben sie sich auf die Suche nach alternativen Routen gemacht, die sich, auch wenn man im Rollstuhl sitzt, auf einen Rollator angewiesen oder mit Kinderwagen unterwegs ist, gut bewältigen lassen.

Eine Tour haben sie für die Strecke von der Elisabethkirche hinauf in die Altstadt konzipiert, eine zweite beginnt am Aquamar und bezieht auch Weidenhausen mit ein. Um sicherzugehen, dass sie auch möglichst an alles denken, haben sie sich nicht nur selbst in einen Rollstuhl gesetzt, sondern die Wege auch mit einer „geübten“ Rollstuhlfahrerin abgelaufen.

„Eine wunderbare Route“, lobt Christine Stapf die Tour entlang der Lahn, die sie als sportliche Rollstuhlfahrerin auch allein bewältigen könnte, wie sie sagt. Ihr seien bei der „Testfahrt“ ganz andere Hindernisse aufgefallen als Jacobi, erklären die beiden. Oft sei das Entscheidende, dass die Gesellschaft nicht sensibilisiert sei für die Probleme, die Mobilitätseingeschränkte im Alltag haben. Das soll sich ändern. Die Wahrnehmung zu schulen, sieht Jacobi als wichtige Aufgabe für die Zukunft.

Für die Zukunft haben sie und Hoffmann auch schon die nächsten konkreten Pläne. Erst sollen nun auch Führungen für Blinde und Sehbehinderte auf den Weg gebracht werden, und es sind auch schon Mittel beantragt, mit denen spezielle Konzepte für Menschen mit geistigen Behinderungen und kognitiven Einschränkungen die Stadt erkunden können.

Der Flyer „Marburg auf leichten Wegen“ soll nun erst einmal möglichst vielen Menschen neue Perspektiven ermöglichen. Viele der anderen Gästeführer seien erstaunt gewesen über die Wegeführung und die Blicke, die sich dabei ergeben, sagt Jacobi.

Was die Gestaltung und den Inhalt des Flyers angeht, haben sie und Hoffmann versucht, an alles zu denken. Hoffmann sei sogar mit einem Zollstock alles abgelaufen, um die Steigungen selbst nachzumessen. Die Angabe, wie steil es auf einem Wegstück ist, findet sich ebenso wie die Erreichbarkeit der Routen, der Hinweis auf öffentliche Toiletten und gastronomische Betriebe in der Nähe. Nur auf die Beschreibung einzelner Stationen wurde wenn möglich verzichtet und stattdessen ein sogenannter „QR“-Code abgedruckt. Der kann mit einem Handy (oder Tablet) fotografiert werden und liefert dann mit einer entsprechenden Software die Informationen.

„Marburg auf leichten Wegen“ ist als Broschüre bei der MTM am Pilgrimstein erhältlich. Dort können auch die geführten Rundgänge gebucht werden.

von Nadja Schwarzwäller

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