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Mit dem Lautstärkemessgerät auf dem Weihnachtsmarkt

OP-Serie: Achtung laut Mit dem Lautstärkemessgerät auf dem Weihnachtsmarkt

Die Diskussion um Lärm in der Oberstadt wird auch in diesem Jahr heftig geführt. Gerade zur Zeit des Weihnachtsmarktes könnte man annehmen, dass es besonders laut zugeht. Zeit für einen Test.

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Das Panorama-Bild zeigt den Weihnachtsmarkt rund um den Marburger Marktplatz.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Klirrende Tassen und ein Stimmengewirr von hunderten Besuchern: der Weihnachtsmarkt in der Oberstadt ist derzeit wohl einer der meistbesuchten Orte in Marburg. Hier treffen sich Kollegen nach dem Feierabend auf einen Glühwein. Hier finden sich Studenten und Touristen ein, um sich an einem der Stände zu stärken.

Kleinere Grüppchen drängen sich gegen 20 Uhr unter den zahlreichen Heizstrahlern. Hinter den Verkaufsständen herrscht reges Treiben. Gleich fünf Verkaufskräfte arbeiten am Glühweinstand oberhalb des Marktplatz-Brunnens. Davor ist am meisten Betrieb. Und wo viele Menschen aufeinandertreffen, da steigt natürlich auch der Geräuschpegel. Aber ist es dort wirklich laut? Ein Blick auf das Messgerät verrät einen Wert, der zwischen 76 und 82 Dezibel schwankt. Das entspricht in etwa der Lautstärke, die am Rande einer Verkehrsstraße zu vernehmen ist.

Ab 21 Uhr werden die Hähne nach oben gestellt

Der Unterschied besteht jedoch darin, dass der Geräuschpegel auf dem Weihnachtsmarkt konstant ist. Das Messgerät zeigt keine nennenswerten Ausschläge nach unten oder oben. Dies ist an einer normal befahrenen Landstraße sicherlich anders. Subjektiv fühlt sich die Geräuschkulisse deshalb auf dem Markt weniger störend an, als einzelne Autos, die unregelmäßig vorbeifahren.

Ein Gefühl ist aber längst noch kein Beleg. Deshalb die Nachfrage beim Ordnungsamt in Marburg. Dort sind jedoch „keine Beschwerden über Lärmbelästigung durch den Advents- oder Weihnachtsmarkt eingegangen“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung der städtischen Pressestelle.

Tagsüber ist es in der Oberstadt sowieso etwas lauter. Dann, wenn Kunden mit vollgepackten Einkaufstaschen durch die Gassen ziehen und Touristen nach einem Lokal Ausschau halten. Gegen Abend sollte es dann - so ist es auch der Wunsch vieler Anwohner - etwas ruhiger zugehen.

Musik aus den Boxen und Gespräche auf den Gassen

Laut Pressestelle der Stadt regelt die sogenannte „Marktfestsetzung“ für die Weihnachtsmärkte an der Elisabethkirche und vor dem Rathaus, dass die Verkaufsstände um 20 Uhr schließen müssen. „Der letzte Ausschank ist für 21 Uhr erlaubt“, heißt es weiter. Natürlich dauert es anschließend noch ein wenig, bis alle Besucher ausgetrunken und das Marktgelände verlassen haben.

Also geht es weiter. Nächster Halt ist eine Kneipe unterhalb des Marktplatzes am Hirschberg. Drinnen heißt es raus aus der dicken Winterjacke, denn die Fenster sind geschlossen. Wohl auch eine Maßnahme gegen die Klagen aus der Vergangenheit über lärmende Kneipengänger.

Ein erneuter Blick auf das Messgerät zeigt einen leicht höheren Wert als auf dem Weihnachtsmarkt. 85 Dezibel und mehr werden angezeigt. Das liegt zum einen an der baulichen Enge und natürlich an der Musik, die den Raum über mehrere Boxen beschallt. Auch hier unterhalten sich die Gäste - einige sind vom Weihnachtsmarkt herüber gekommen, um den Abend hier ausklingen zu lassen. Sie stoßen mit ihren Gläsern an und sprechen über die Musik hinweg miteinander.

Am Rudolphsplatz wird es wieder lauter

Eine Messung um 22.30 Uhr vor der Kneipe zeigt jedoch keine nennenswerte Lärmbelästigung. Die Dezibelzahl liegt bei etwa 60 - dem Wert einer normalen Unterhaltung entsprechend.

Störend sind in der Oberstadt die einzelnen Ausschläge nach oben, die natürlich immer wieder auftreten, wenn Menschen die Bars und Kneipen verlassen. Auf dem Weg raus aus der Oberstadt wird es dann wieder spürbar lauter. Am Rudolphsplatz liegt die Geräuschkulisse bei etwa 70 Dezibel. Taxen fahren an und halten vor den Imbissbuden. Hier ist einer der Verkehrsknotenpunkte der Stadt. Die Nachtschwärmer treten erst jetzt vor die Tür, andere liegen bereits in ihren Betten. Ob es eine ruhige Nacht wird, kann wohl keiner sagen.

von Dennis Siepmann

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