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Mit dem Einrad auf einer Zirkuskugel

Circus Probst Mit dem Einrad auf einer Zirkuskugel

Jim Bim stolpert durch die Reihen, eine Flasche mit Hochprozentigem in der Hand. Als er seinen Weg in die Manege gefunden hat, wird er plötzlich lebendig, lässt sich auf ein Trampolin fallen wie in ein Schwimmbecken.

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He Yuan zeigte Tricks auf dem Einrad.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Oben auf dem dazugehörigen Sprungbrett landet er immer wieder, mit dem Schwung aus dem Sprungtuch. Der moldawische Artist Sergiu Mosanu ist einer der Artisten, die am Mittwochabend bei der Premiere des „Circus Probst“ vor einem kleinen Publikum von 60 Leuten auftraten. Seine Einlage beendet er, indem er sich zuerst die Jacke auszieht und sie über sein Hinterteil reibt wie ein Handtuch nach dem Duschen, sich dann seiner Kniestrümpfe und der übrigen Kleidungsstücke entledigt, bis er im hautengen Einteiler ein letztes Mal in seinen Trampolin-Pool springt.

Zirkusdirektor Reinhard Probst präsentiert seinen Gästen die Vielfalt der Tiere des Zirkus. Zwei braune Kaltblüter aus dem bayerischen Wald, ein Kamel aus der Mongolei, ein Dromedar aus Arabien, fünf Lamas aus Südamerika und zwei afrikanische Watussi-Rinder laufen in die Manege ein. Als die Tiere ihre Vorderbeine auf eine Bank am Rande der Manege stellen, um sich zu präsentieren, zieht ein Vater in der ersten Reihe den Kopf seines Kindes zu sich heran, damit das Horn des Rindes es nicht trifft. Die Mutter macht noch schnell ein Foto mit ihrem Smartphone, bevor die Tiere zur anderen Seite weiterziehen.

„Wir sind der letzte Zirkus in Deutschland, der noch mit so vielen Tierarten unterwegs ist“, erklärt Probst den Zuschauern. Mehr als 80 Tiere zählt er zu seinem Bestand. In der Pause können sie in ihren Käfigen und Boxen besichtigt werden, das Eintrittsgeld soll für den Erhalt eingesetzt werden.

Löwe verweigert den Dienst

Als die Besucher wieder zurück ins Zelt kommen, steht ein kreisrunder Käfig in der Manege, und Tierlehrer Tom Dieck hat sich bereit gemacht. Für seine Darbietung mit jeweils vier Tigern und Löwen wurde er zuletzt beim Internationalen Zirkusfestival von Monte Carlo ausgezeichnet. Er lässt sie Männchen machen, Sprünge vollführen, auf und in einem Laufrad balancieren und auf zwei Beinen gehen. Dafür erntet er Pfiffe im Publikum. Als sich am Ende ein Tier nach dem anderen aus der Manege verabschiedet und Dieck für den letzten Löwen eine Latte zum Drüberspringen auflegt, verweigert der den Dienst. Show oder nicht, das bleibt für den Zuschauer ungewiss, denn das Tier entscheidet sich stattdessen dafür, die Vorderpfoten darauf abzulegen.

Makellos erscheinen auch die artistischen Darbietungen. Der Kubaner Utnier Aquino klettert so mühelos die Stange auf und ab, als ob die Schwerkraft für ihn nicht existieren würde. Nur als er unter der Decke des Zirkuszeltes einen Kopfstand macht, merkt man ihm die Anspannung an. Die chinesische „Schlangenfrau“ Zhao Lingyu stellt auf ihre Füße Leuchter mit brennenden Kerzen, und egal, wie sie sich windet, sie bleiben immer in der Waagerechten. Ihre Landsfrau He Yuan hingegen präsentiert Tricks auf dem Einrad. Während sie es mit einem Fuß antreibt, wirft sie sich mit dem anderen Schalen, die sie auf ihrem Unterschenkel platziert hat, auf den Kopf. Zum Schluss fährt sie dabei auch noch auf einer Zirkuskugel.

Applaus im Chor erntet der Chinese Ren Yanan. Er schaukelt im Handstand auf einem Schlappseil, macht Kopfstand auf dem zwölf Millimeter dicken Tau. Auf einem Einrad, das er mit den Händen antreibt, vollführt er einen Handstand, während er die Schultern oben abstützt. Begleitet werden alle Darbietungen von einem sechsköpfigen Live-Orchester, das Popsongs wie „Paparazzi“ von Lady Gaga oder „Hot N Cold“ von Katy Perry spielt.

Der „Circus Probst“ spielt heute und Samstag jeweils ab 16 und 19.30 Uhr, am Sonntag ab 11 und 16 Uhr auf dem Messeplatz am Afföller.

von Freya Altmüller

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Circus Probst
Raubtierdompteur Tom Dieck mit einem seiner Tiger. „Unseren Tieren geht es gut. Davon kann sich jeder täglich in der Tierschau mit eigenen Augen überzeugen.“Foto: Nadine Weigel

Neben Akrobatik und Clowns enthält das zweieinhalbstündige Programm auch Tierdressuren. Besonders gegen den Auftritt von Wildtieren in der Manege regt sich unter Tierrechtlern Widerstand.

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