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Mit atomaren Teilchen gegen den Krebs

Tagung Mit atomaren Teilchen gegen den Krebs

Wenn der Patient zum Arzt geht, sich unters Röntgengerät legt oder in den Computertomographen geschoben wird, dann haben viele Forscher und Entwickler ihre Arbeit längst gemacht.

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Auf einer Tagun der medizinischen Physik unter Leitung von Klemens Zink (THM), Jürgen Reichenbach (Präsident der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Physik) und Martin Fiebich (THM) geht es um wie wissenschaftlich-technischen Grundlagen der Strahlentherapie.

Quelle: Martin Schäfer

Marburg. Sie haben die wissenschaftlichen Grundlagen gelegt, die Geräte gebaut, die Verfahren sicher gemacht und über die Jahre immer weiter verbessert. Das ist die Domäne der medizinischen Physik, einer Fachdisziplin, in der Mediziner, Physiker und Ingenieure zusammenarbeiten.

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Physik tauschen sich noch bis Samstag rund 730 Forscher im Audimax der Philipps-Universität aus. Das Thema Partikeltherapie passt perfekt, soll doch am Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT) auf den Lahnbergen nächsten Monat der erste Krebspatient damit behandelt werden.

Allerdings ist auch etwas Glück dabei: „Solche Tagungen brauchen ein bis zwei Jahre Vorlauf“, sagt Tagungspräsident Klemens Zink, Physikprofessor an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und Forscher am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM). Und zu jener Zeit war noch nicht klar, ob aus dem MIT überhaupt etwas wird.

Anlage ist keine Wunderwaffe

Daher ist die Freude unter den Forschern, bei der Uni-Administration bis hin zu Oberbürgermeister Egon Vaupel groß. Neben Heidelberg, wo eine solche Partikeltherapieanlage schon seit sechs Jahren läuft, wäre Marburg der zweite Standort in Deutschland.

„Die Anlage ist keine Wunderwaffe“, erklärt Zink. Doch könne man mit den Partikelstrahlen Krebsgeschwüre im Kopf und dem übrigen Körper erreichen, die anderen Operationstechniken nur schwer zugänglich sind.

Bei den Partikelstrahlen handelt es sich um Atomkerne - vom Wasserstoff oder vom Kohlenstoff -, die zunächst in einer turnhallengroßen Anlage auf Geschwindigkeit gebracht werden müssen. Dann schießen die Techniker den Partikelstrahl auf den Tumor. Die Wissenschaft besteht nun darin, möglichst alles Tumorgewebe mit den Strahlen gewissermaßen abzuschießen und gesundes Gewebe zu schonen.

Auf der Tagung berichten die Forscher beispielsweise, wie sie den Teilchenstrahl auf den Tumor einstellen. Die Vorbereitung der Operation durch bildgebende Verfahren und Computersimulationen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Viele technische und medizinische Disziplinen müssen hier Hand in Hand arbeiten, vom Ingenieur, Physiker und Computerspezialisten bis hin zum Röntgenarzt und Krebsmediziner.

Koert: THM und UKGM ergänzen sich gut

Diese interdisziplinäre Arbeit ist denn auch für die Tagungsleiter Klemens Zink und Martin Fiebich, beide THM und UKGM das Spannende an der medizinischen Physik. Mit Vorträgen und Gerätedemos wollen sie auch Oberstufenschüler aus Marburg für ihr Fach begeistern.

Gerade für die Region Mittelhessen spiele die medizinische Physik eine große Rolle, unterstreicht Uni-Vizepräsident Ulrich Koert während der Auftaktveranstaltung am Mittwoch. Die Medizintechnik der THM und die Forschung am UKGM ergänzten sich gut. Just in diesen Tagen hat die Landesregierung für ein Forschungsprojekt von THM und UKGM zur Bestrahlungsmessung 420.000 Euro bewilligt.

Vaupel präsentierte den Tagungsgästen aus ganz Deutschland „Marburg als Stadt der Bildung“ mit Pharmaindustrie und Medizin als wichtigen wirtschaftlichen Standortfaktoren. Solche Tagungen würden helfen, dass das auch so bleibt.

von Martin Schäfer

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