Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regen

Navigation:
Mit Spott gegen Schwulenfeindschaft

20 Jahre Tuntonia Mit Spott gegen Schwulenfeindschaft

Regenbogenfarben im Historischen Rathaussaal: Mit unterhaltsamer Musik und ernsten Redebeiträgen hat die alternative Verbindung "Tuntonia" ihr 20-jähriges Bestehen in Marburg gefeiert.

Voriger Artikel
Birgit Götz braucht eine Stammzellenspende
Nächster Artikel
Ausbau von Turbo-Internet erlahmt

Bernd Aretz, Mitbegründer der „Tuntonia“, hielt den Festvortrag. Das Foto rechts ist im Gründungsjahr des Vereins an der Bushaltestelle Bunsenstraße entstanden: Weil sie von Studentenverbindungen angefeindet wurden, setzten sich die Gründungsmitglieder aus Protest rosa Burschenschafts-Käppis auf und hingen sich rosafarbene Schärpen um.Fotos: Martina Koeltschky

Marburg. „Alles Gute für die nächsten 20 Jahre. Sie sind gut für unsere Stadt“, sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) in seinem Grußwort.

Im Gegensatz zu dem gleichzeitig auf dem Marktplatz lärmenden Radsport ging es trotz bunter Farben im Rathaussaal eher ruhig zu. Rund 80 Gäste feierten „100 Jahre Schwulenbewegung und 20 Jahre Tuntonia“ mit einer Feierstunde und einem Sektempfang. „Auch wenn Menschen mit anderer sexueller Orientierung heute bei uns nicht mehr verfolgt werden, gibt es noch viel Bigotterie“, sagte Kahle. „Homosexuelle Politiker oder Künstler werden hofiert, aber man möchte so etwas doch bitte nicht in der eigenen Verwandtschaft.“

Kahle dankte den Aktiven von „Tuntonia“, wie sich der Verein für homosexuelle Emanzipation und Kultur in spöttischer Anlehnung an Studentenverbindungen 1993 genannt hat, für ihr Engagement, das auch für die Stadt Marburg gut sei. „Sie bringen Vielfalt und buntes Leben, Kultur und ernstes Engagement für Gleichberechtigung in die Stadt. Und das ist gut für Marburg“, sagte er.

Die Asta-Vorsitzende Zuhal Demir lobte nicht nur das hochschulpolitische Engagement von „Rosa Liste“ und „Tuntonia“, sondern erinnerte auch an die Proteste gegen christlich-fundamentalistische Aktionen in Marburg in der jüngeren Zeit.

„Tuntonia“-Vorstand Heiko Haus umriss die Aufgaben de Vereins: „Wir wollen deutlich machen, dass homosexuelles Leben ein gleichberechtigter Ausdruck menschlicher Gefühle ist.“ Die zentralen Anliegen des Vereins seien noch lange nicht verwirklicht, bis zur echten Gleichberechtigung sei es auch in Deutschland noch ein langer Weg, bedauerte er.

Willi (weiblich) begleitet Nana von Gestern am Klavier

Eva Gottschaldt von den Marburger Linken dankte „Tuntonia“ vor allem für ihre antifaschistische Arbeit und die Kritik an reaktionären Tendenzen in den studentischen Verbindungen. Bernd Aretz, Mitbegründer der „Tuntonia“ und 40 Jahre lang als Anwalt in Marburg tätig, ließ die Geschichte der Schwulenbewegung in den vergangenen 100 Jahren Revue passieren.

Er sprach von Pathologisierung, Strafverfolgung und Ermordung Homosexueller und auch von der neueren Geschichte. Ernst war auch die Musik, auch wenn Nana von Gestern, ehemaliger Tuntone und Künstler aus Berlin, begleitet von Willi (weiblich) am Klavier humoristisch begann. Auf Unfug folgten in dem im Stil der 1920er Jahre vorgetragenen Programm schnell Lieder von gewalttätigen Übergriffen auf Homosexuelle oder Brechts „An die Nachgeborenen“.

Trotz des ernsten Themas gab es aber auch viel Spaß, unter anderem mit den witzigen Comics eines Tuntonen, die erstmals als Druck vorlagen, oder mit den vielen Erinnerungen an witzige und erfolgreiche Aktionen. Bei einem Glas Sekt tauschten die Gäste Geschichten und Geschichte aus.

von Martina Koelschtzky

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr