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Mit Sehbehinderung in den Arbeitsmarkt

Blista-Projekt Mit Sehbehinderung in den Arbeitsmarkt

Auch in Zeiten von Inklusion und taktilen Oberflächen in öffentlichen Einrichtungen ist es noch immer schwierig, als sehbehinderte Person dauerhaft auf dem freiem Arbeitsmarkt zu bestehen.

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Europaministerin Lucia Puttrich (hinten, von links) besuchte die Blista und ließ sich durch Schuldirektor Claus Duncker und die Leiterin des Reha-Beratungszentrums der Blista Ute Mölter die Vorzüge des Projekts „Inklusion und Innovation“ erklären. Simone Hahn und Christoph Niehaus sind zwei ehemalige Teilnehmer, die durch das Projekt bereits wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden konnten.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. „Wenn Sie Masseur werden wollen, dann ist das kein Problem, da heißt es dann: ,Das passt ja‘, aber was ist, wenn Sie eben nicht massieren lernen wollen? Dann sieht es schnell schlecht aus“, erklärte der Schulleiter der Blista, Claus Duncker. Aus diesem Grund stellte die Blista das Projekt „Inklusion und Innovation“ vor - anlässlich des Besuchs von Europaministerin Lucia Puttrich (CDU), deren Ministerium für die Förderung mit verantwortlich ist.

Bei dem Projekt geht es darum, langzeitarbeitslose Menschen mit Sehbehinderung wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

„Dabei ist das Angebot nicht nur vollkommen kostenlos, sondern auch freiwillig, das heißt, die Menschen entscheiden selbst, ob sie teilnehmen wollen, nicht das Kreisjobcenter“, erklärte Ute Mölter, die das Projekt im Reha-Beratungszentrum der Blista in der Biegenstraße betreut.

Die Teilnehmer lernen während der sechs Monate in zehn Wochenstunden vor Ort und weiteren zehn Wochenstunden zu Hause, wie sie sich selbstbewusst bewerben, ihre Stärken präsentieren und potenziellen Arbeitgebern die Angst vor ihrer Behinderung nehmen können.

Nur zeitweilig als Bürokraft gearbeitet

Der Erfolg gibt dem Projekt recht, das bereits seit September 2013 läuft und noch bis Dezember dieses Jahres verlängert wurde, denn von den bislang rund 150 Teilnehmern wurden 36 bereits wieder in den Arbeitsmarkt integriert, der Älteste mit 56 Jahren.

Dabei zählen auch Anstellungen in Praktika, Ausbildungsverträge, freiwillige soziale Jahre oder die Selbstständigkeit. „Wenn wir jetzt bedenken, dass nur etwa 45 Prozent der erwerbsfähigen Sehbehinderten in Deutschland überhaupt einen Job haben, dann ist das schon ziemlich gut“, sagte Duncker.

Simone Hahn ist ein solcher Erfolgsfall, sie hatte vor vielen Jahren Sozialpädagogik studiert, war danach als alleinerziehende Mutter nicht erwerbstätig, hatte nur zeitweilig als Bürokraft gearbeitet.

„Ich war anfangs sehr skeptisch, weil ich eigentlich als Beraterin im sozialpädagogischen Bereich arbeiten wollte, aber das Studium so lange her war. Bei dem Projekt habe ich gelernt, sowohl meine Blindheit als auch meinen Lebensweg selbstbewusst zur Sprache zu bringen und meine Erfahrungen als Bürokraft mit meinem Diplom so zu kombinieren, dass es für die Arbeitgeber ansprechender war“, berichtete Hahn.

Im September beginnt sie ein Praktikum, als Beraterin. Lucia Puttrich war vom Lebensweg Hahns tief beeindruckt, ebenso wie von denen der anderen eingeladenen Absolventen. Als Vertreterin des Europäischen Sozialfonds, der die Kosten des Projekts übernahm, ist sich Puttrich sicher: „Die Teilnehmer können unsere Gesellschaft durch ihre individuellen Fähigkeiten bereichern. Die Rechte und Pflichten von Menschen mit Beeinträchtigungen zu inkludieren, ist eine sehr wichtige Aufgabe für Politik und Gesellschaft, daher freue ich mich, dass dieses Projekt von der EU und dem Land Hessen gefördert wird.“

von Marcus Hergenhan

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