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Mit Qualität gegen den Ärztemangel

25 Jahre Institut für Allgemeinmedizin Mit Qualität gegen den Ärztemangel

Mit einem Festakt wurde das 25-jährige Bestehen des Institutes für Allgemeinmedizin am Mittwoch gefeiert. Auch Allgemeinmediziner sind nicht immun gegen Volkskrankheiten. So musste Norbert Donner-Banzhoff, Professor für Allgemeinmedizin an der Universität, wegen eines grippalen Infekts  kurzfristig seine Teilnahme an dem Festakt absagen.

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Professorin Annette Becker (rechts) moderierte die Podiumsdiskussion.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Dafür führte seine Kollegin, Professorin Annette Becker, als Moderatorin alleine durch das Programm. Die dritte im Bunde ist Professorin Erika Baum, und sie war am Mittwoch im Hörsaal III des Uni-Klinikums vor rund 100 Zuhörern – darunter viele niedergelassene Allgemeinärzte und Mitarbeiter von Arztpraxen – die eigentliche Hauptperson. Denn vor 25 Jahren, am 1.  April 1990, hatte sie die erste Professur für Allgemeinmedizin an der Universität angetreten.

Seitdem ist die Abteilung stetig gewachsen. Das Team, das drei Professuren umfasst und von Baum geleitet wird, hat insgesamt 29 Mitarbeiter. „Sie haben eine Erfolgsgeschichte geschrieben“, freute sich Medizin-Dekan Professor Helmut Schäfer. Nicht nur Ärzte, sondern auch Psychologen und Pflegekräfte sowie Vertreter weiterer Berufsgruppen seien in dem Institut vertreten. Der Fachbereich Medizin sei sehr stolz auf die Allgemeinmediziner, die eine der forschungsstärksten Abteilungen des Fachbereichs  bilden würden.

Aber auch bei der Lehre  sei die Abteilung top. So bekomme das Blockpraktikum Allgemeinmedizin von den Studierenden regelmäßig Bestnoten, berichtete der Dekan. Diese Beliebtheit der Lehre zahlt sich übrigens auch so aus, dass rund 40 Prozent der Medizin-Studierenden in Marburg sich für die Allgemeinmedizin interessieren, wie Professorin Erika Baum erläuterte. Zum Vergleich: Bundesweit liegt diese Zahl nur bei 10 Prozent.

Dies erläuterte Professor Michael Kochen bei seinem Festvortrag. Mehr als 20 Jahre lang war Kochen Vorsitzender der Vereinigung deutscher Allgemeinmediziner. Aus seinem Mund kam eine launige Laudatio auf den Allgemeinmedizin-Standort Marburg. Kochen erinnerte auch an die langwierige und mühsame Vorgeschichte, bis zur Besetzung des ersten regulären Lehrstuhls für das Fach an der Uni Marburg.

Lebendige Diskussion

Bereits im Jahr 1972 seien in Marburg die ersten Lehraufträge für Allgemeinmedizin erteilt, die an zwei Allgemeinärzte  ergangen seien, die diese jeweils halbtags ausgefüllt hätten. Sieben Jahre später sei eine Sekretärinnen-Stelle auf Halbtagsbasis geschaffen worden. 1984 kam die Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters hinzu.

Gegen die Besetzung der neu zu schaffenden Professur mit Erika Baum, einer Frau die damals erst Mitte 30 gewesen sei und als Ärztin noch nicht einmal eine Kassenzulassung gehabt habe, habe es auch zunächst Widerstände gegeben.  

Heutzutage sei die von Baum geleitete Abteilung an der Uni Marburg ein florierendes wissenschaftliches Institut, das unter anderem mit 100 niedergelassenen Lehrärzten in der Region zusammenarbeite, bei denen Studierende in ihren Hausarztpraxen Einblicke in die praktische Arbeit eines Arztes vor Ort gewinnen könnten.

Praktische Arzt-Leitlinien zu Themen wie Osteoporose, Rückenschmerzen wurden ebenso in Marburg entwickelt wie allgemeine Leitfäden zum Thema Versorgungsforschung.

Ein Beispiel der von den Marburger Forschern geförderten lebendigen Diskussionskultur gab die Podiumsdiskussion mit hochrangigen Vertretern von Institutionen wie Landesärztekammer, Hausärzte-Vereinigung oder Kassenärztliche Vereinigung (KV).  Dabei ging es vor allem um die zukünftige Attraktivität des  Berufsfeldes „Hausarzt“.

Dazu sagte Dr. Dieter Conrad (Hausärzte-Verband): „Es gibt schon jetzt einen Hausärzte-Mangel. Aber wir müssen diese Krise meistern“. Längst sei es in Hessen nicht nur so, dass es zu wenig Allgemeinarzt-Praxen in ländlichen Regionen gebe, sagte Christian Sommerbrodt (Junge Hausärzte Hessen). Es gebe beispielsweise regelmäßig Kollegen in der Landeshauptstadt Wiesbaden, die keine Nachfolger mehr fänden. Zu viele bürokratische Vorgaben unter anderem durch die Kassenärztliche Vereinigung nannte einer der Diskussionsteilnehmer aus dem Publikum als Haupthindernisse.

Dieser These widersprach Frank Daystych (KV Hessen).  Er sagte im Gegenteil zu, dass seine Vereinigung allen möglichen bürokratischen Hemmnissen zum Trotz besonders jungen Allgemeinärzten in spe bei der Gründung einer Arztpraxis spezielle Hilfe zukommen lassen wolle.

von Manfred Hitzeroth

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