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Mit Optimismus und Offenheit punkten

Neujahrsempfang des Landkreises Mit Optimismus und Offenheit punkten

80 Prozent der Gäste des Empfangs waren ehrenamtlich Tätige. Das Ehrenamt spielte auch in der Rede der Landrätin eine übergeordnete Rolle.

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Landrätin Kirsten Fründt mit dem Stromfresserchen.

Quelle: Nadine Weigel

Biedenkopf. Ja, sie hat es gesagt: „Wir schaffen das.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel würde sich sicher freuen, diesen Satz mal aus einem anderen Munde zu hören. Ja, Landrätin Kirsten Fründt hat es gesagt - und zwar mit großer Zuversicht. Denn: „Deutschland ist ein starkes, ein reiches und gut organisiertes Land.“ Und dann: „Wir schaffen das.“ Das mit den Flüchtlingen, meint sie - hier auf Landkreisebene.

Neujahrsempfang des Landkreises Marburg-Biedenkopf 2016. Foto: Nadine Weigel

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Wir schaffen das, „wenn wir das zusammen angehen. Wenn wir uns nicht weiter von politischen Krisengewinnlern treiben lassen, auch nicht im Kommunalwahlkampf. Wenn wir offen mit allen Problemen umgehen, und diese nicht aus falsch verstandener Rücksichtnahme oder Angst vor politischer Diskussion deckeln. Denn wo zum Beispiel das Vertrauen in den Rechtsstaat verloren geht, da geht das Vertrauen in unser Gemeinwesen, in unsere Demokratie verloren.“

Fründt zeigt wenig Verständnis für Menschen, die Deutschland überrollt sehen, Panik verbreiten, rechten Druck ausüben.

Frünft: Vorkommnisse, wie sie in Köln passiert sind, dürfen nicht heruntergespielt werden

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Millionen in Deutschland sind Nachfahren von Einwanderern, die als Vertriebene kamen, wie etwa die hugenottischen Glaubensflüchtlinge, oder als Gastarbeiter aus Portugal, Spanien und der Türkei. Deutschland ist bunt, die Fußball-Nationalmannschaft hat zwar auch einen Müller, aber eigentlich mehr „Boatengs, Khediras, Cans, Mustafis und Özils.“

Jetzt gehe es darum, offen und ehrlich die Sachen anzusprechen und zu behandeln, die die Menschen verängstigen und wütend machen. Vorkommnisse, wie sie in Köln passiert sind, dürfen nicht heruntergespielt werden.

„So etwas ist nicht akzeptabel, da spielt es auch keine Rolle, ob die oft jungen Männer, die diese Taten begangen haben, einen Migrationshintergrund haben oder nicht. Die sexistischen Mails jedenfalls, die ich als Landrätin bekomme, schließen nicht mit ,Gott ist groß‘, sondern mit dem deutschen Gruß. Was wiederum belegt: „Dummheit hat weder eine Nationalität, noch braucht sie eine Religion.“

Großen Dank richtet die Landrätin an all jene im Kreis, die sich aktiv bei der Betreuung und Aufnahme von Flüchtlingen eingebracht haben.

Menschen im Landkreis sollen Einfluss nehmen könen

Auch wenn jetzt das Land Hessen mitteilte, dass die Notunterkünfte, die in Kirchhain, Dautphe und Wenkbach entstanden sind, nicht mehr kurz- und wohl auch nicht mehr mittelfristig gebraucht werden, sei sie sehr beeindruckt davon gewesen, was die Menschen vor Ort binnen kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben. Stellvertretend nannte sie die Initiative Weimarer Bürger in Niederwalgern den Bahnhof als Begegnungsstätte herzurichten.

Alle Themen, leichte wie schwierige, sollen vom Landkreis aus für alle Mitbürger transparent und nachvollziehbar dargestellt werden. Die Menschen im Landkreis sollen nicht nur sehen und lesen, was im Kreishaus geschieht, sie sollen schließlich auch Einfluss nehmen können. Der Haushalt 2016 wird sogar mit einem Erklärvideo, mit neuen Broschüren, mit öffentlichen Workshops und einem im Internet verfügbaren Glossar kommuniziert.

Premiere feierte an diesem Abend der neue Image-Film des Landkreises der so frisch fertig geworden war, dass ihn selbst Fründt noch nicht gesehen hatte. Erstellt hatte ihn Thomas Naumann.

Die Landrätin äußerte auch deutliche Kritik

Auch wenn die ursprünglichen Planungen des Kommunalen Finanzausgleichs (KFA) abgemildert wurden, ist Kirsten Fründt „nach wie vor der Meinung, dass die Kommunen vom Land Hessen finanziell nicht ausreichend, also unseren Aufgaben angemessen ausgestattet werden.“

Die Bürgermeister erhielten eine Botschaft: „Dass nun die kommunalen Häuptlinge manchmal mit den angeblich zu vielen Häuptlingen in der Kreisverwaltung Probleme haben, meinen, dass wir als Kreisspitze unverantwortlich mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger umgehen und uns Stellen gönnen, die man nicht braucht, diese Sichtweise teile ich ausdrücklich nicht. Marian Zachow [Erster Kreisbeigeordneter] und ich sind jedenfalls mit unseren Häuptlingen ganz zufrieden.“

Und dann war da noch diese Anmerkung: „Dass Politik auch ein rustikales, nicht immer damenhaftes Geschäft sein kann, haben wir unter anderem in der Haushaltsdebatte im letzten Jahr erlebt. Wenn in Zukunft also ein politischer Kommentator unserer regionalen Medien ein gutes Beispiel für Stutenbissigkeit braucht, wird er sicher mit Wonne auf die Kreistagssitzung vom 18. Dezember 2015 verweisen.“

von Götz Schaub

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