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Mit „Käsehobel“ wird Schnee zu Kunst

Schneeskulpturen Mit „Käsehobel“ wird Schnee zu Kunst

In vier Tagen verwandelten die Absolventen der Marburger Zahnklinik 35 Kubikmeter Schnee in die Skulptur „Mondschnee“. Diese bescherte ihnen Platz zwei im Feld der 69 Kandidaten aus aller Welt.

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Lucas Freiling (von links), Karl Pont und Torben Traub auf ihrer Schneeskulptur "Mondschnee" im chinesischen Harbin.

Quelle: Privat

Marburg/Harbin.. „Schnee lässt sich eigentlich sehr gut verarbeiten“, beginnt Lukas Freiling. Sein Teamkollege Karl Pont nennt aber gleich den Haken an der Sache: „Wenn erstmal etwas ab ist, dann ist es ab.“ Die beiden haben gemeinsam mit Torben Traub am diesjährigen internationalen Wettbewerb für Schneeskulpturen im chinesischen Harbin teilgenommen. Und das mit Erfolg: Als einziges Team aus Deutschland belegten die drei Absolventen der Marburger Zahnklinik den zweiten Platz – bei 69 teilnehmenden Gruppen aus elf verschiedenen Ländern.

Die drei Marburger stechen aus der Masse heraus

Nicht nur ihre Herkunft machte die drei Deutschen im Teilnehmerfeld zu Exoten. Viele Beobachter und Mitstreiter wunderten sich zudem über ihren beruflichen Hintergrund als Zahnärzte. „Die meisten anderen Teilnehmer studierten an Kunsthochschulen oder etwas Technisches wie Architektur“, erklärt Pont. Der 30-Jährige ist die treibende Kraft der Gruppe. Er nahm bereits 2012 mit einem anderen Team aus Marburger Studenten in Harbin teil. Mit dem „Eisbaby“ hat seine Gruppe damals sogar den Wettbewerb gewonnen.

In vier Tagen verwandelten die Absolventen der Marburger Zahnklinik 35 Kubikmeter Schnee in die Skulptur „Mondschnee“. Diese bescherte ihnen Platz zwei im Feld der 69 Kandidaten aus aller Welt.

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Pont erklärt, wie sich das Vorgehen der Zahnärzte von dem der anderen unterscheide: „Das hat natürlich auch etwas mit unserem Beruf zu tun. Da steckt viel Handwerk dahinter und wir arbeiten mit vielen unterschiedlichen Materialien. Immer wieder müssen wir auch kleine Kunstwerke beim Patienten schaffen.“

"Wir sind einfach rauf geklettert und haben angefangen"

Die Konkurrenz habe sich lange damit beschäftigt, die Vorgaben aus Plänen und Modellen auf die 3,50 Meter hohen, 3 Meter breiten und tiefen Schneeblöcke zu übertragen. „Wir sind einfach rauf geklettert und haben von oben angefangen, die groben Formen aus dem Block zu schnitzen und Tonnen von Schnee wegzuschaffen“, sagt Lukas Freiling (siehe kleines Foto links).
Die Werkzeuge dazu wurden ihnen vor Ort bereitgestellt. Nur die kleinen Meißel für die Feinarbeiten haben sie selbst mitgebracht. Elektrische Geräte sehen die Regeln nicht vor. Weil es keine offiziellen Namen für die einzelnen Werkzeuge gibt, haben Sie sich selbst welche ausgedacht. „Da wurde dann gegen Ende einfach nach dem Käsehobel (kleines Foto rechts) gefragt, um die Flächen zu glätten“, schmunzelt Freiling. „Für den letzten Schliff haben wir dann auch noch Schleifpapier verwendet“, ergänzt Pont.

"Solange gearbeitet, wie es die Kälte zuließ"

Vier Tage hatten die Marburger Zeit, um die Schneeskulptur zum Thema „Jugend und Schnee, Traum und Zukunft“ fertig zu stellen. „Wir hätten gerne noch etwas länger gehabt. Die letzten beiden Tage haben wir bis spät in die Nacht gearbeitet“, sagt Freiling. Erschwerend hinzu kam der kurzfristige verletzungsbedingte Ausfall des vierten Team-Mitglieds Larissa Müller. Karl Pont erzählt: „Wir haben dann abends solange gearbeitet, wie es die Kälte zuließ. Teilweise herrschten Temperaturen von -25 bis -30 Grad. Aber man hat uns regelmäßig heißen Tee gebracht und zum Schluss wurde uns noch ein Helfer zugeteilt, damit wir fertig werden konnten.“

Kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten entdeckt

Neben der Arbeit an der Skulptur lag den Schneeschnitzern in Harbin der Austausch mit den internationalen Mitstreitern am Herzen. „Die Kulturun­terschiede sind schon interessant. Mit den russischen Studenten und der Gruppe aus Taiwan haben wir uns  besonders gut verstanden. Im Gegensatz zu vielen Chinesen konnten die auch etwas mit unserem Sinn für Humor anfangen“, schmunzelt Freiling. „Bei all den Unterschieden haben wir aber auch viele Gemeinsamkeiten entdeckt. Zum Beispiel, dass man die gleiche Musik hört oder bestimmte Fernsehserien verfolgt“, erinnert sich Pont.

Geht es als nächstes zum Sandskulpturenwettbewerb?

Nach dem Wettbewerb stand auch eine Besichtigung der chinesischen Mauer und der 20-Millionen-Hauptstadt Peking an. „Ein Kontrast zu der traditionell chinesischen Stadt Harbin, die übrigens so groß wie Berlin ist. Peking ist dagegen sehr westlich“, findet Freiling.
Die geknüpften Kontakte wollen sie weiter pflegen. Im Sommer sei ein Besuch der neuen Freunde in Taiwan geplant, erzählt Pont und gerät ins Planen: „Vielleicht können wir die Reise gleich mit einem Sandskulpturenwettbewerb verbinden. Das würde ich gerne mal ausprobieren.“

von Philipp Lauer

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