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Mit Impfung Krebs verhindern

Bürgervorlesung Mit Impfung Krebs verhindern

„Es ist zynisch zu behaupten, dass die Krebsfrüherkennung überschätzt würde“, sagte Professor Uwe Wagner, Leiter des Gynäkologischen Krebszentrums am Uniklinikum bei der Bürgervorlesung im Hörsaalgebäude.

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Professor Uwe Wagner bei der Bürgervorlesung im Hörsaalgebäude.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. Für eine Frau mit Brustkrebs mache es einen Unterschied, ob bei einem kleinen Eingriff eine Vorstufe entfernt werde oder ihr die ganze Brust abgenommen würde. Aufwand und Belastung seien bei einem spät erkannten Krebs in jedem Fall viel höher.

Früherkennung und vorbeugende Impfung waren die Themen, denen sich Wagner in seinem Vortrag „Krebsvorsorge der Frau“ im Hörsaalgebäude widmete. Der Vortrag war Bestandteil der Bürgervorlesungsreihe vom Fachbereich Medizin der Philipps-Universität und Universitätsklinikum.

Die Früherkennung habe beim Gebärmutterhalskrebs in den vergangenen vier Jahrzehnten 12000 Leben gerettet. Das Angebot werde gut genutzt. Fast 80 Prozent ließen sich im Drei-Jahres-Intervall beim Frauenarzt untersuchen.

Von einer Selbstuntersuchung auf Brustkrebs, der bei Frauen die häufigste Krebsart darstellt, rät Wagner ab. Zum einen, weil sie zu Fehldiagnosen führe, zum anderen, weil Karzinome erst ungefähr ab einer Größe von 16 Millimetern zu ertasten seien. Daher würden sie bei einer Tastuntersuchung meist erst zwei Jahre später gefunden werden.

Gegen Krebs vorbeugen könne eine Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV). Fast jeder trage die sexuell übertragbaren Viren in sich, von denen zwei Typen zu Feigwarzen führen können, zwei andere zu Gebärmutterhalskrebs. Auch im Mund und Rachen können sie Krebs verursachen. Bei den meisten Frauen verliere sich das Virus bis zum Alter von 35 Jahren. Wer es dann noch in sich trage, bekomme eventuell ein Karzinom.

In Australien als Schul-Impfung

Bei 20 Prozent der Infizierten entwickele sich eine Vorstufe, bei weniger als einem Prozent Krebs. Deshalb hat der Gemeinsame Bundesausschuss jüngst entschieden, dass sich Frauen ab 35 Jahren künftig alle drei Jahre einem mikrobiologischen Test auf HPV unterziehen können.

Die Impfung werde in Deutschland kontrovers diskutiert. In Australien hingegen werde sie als Schul-Impfung durchgeführt, sagte Wagner. Sie schütze nicht nur vor HPV, sondern auch vor Genitalwarzen. „Je früher sie durchgeführt wird, desto länger hält sie an.“ Deshalb werde sie ab neun Jahren, das heißt vor dem ersten Geschlechtsverkehr empfohlen.

Eine neuere Form von Krebs sei das Vulva-Karzinom. „Das hat es früher nicht gegeben.“ Doch seit dem Jahrtausendwechsel sei die Zahl der Erkrankungen auf 4000 jährlich angestiegen. Jedoch werden laut Wagner 90 Prozent im frühen Stadium entdeckt.

Im Gegensatz dazu würden drei Viertel der Fälle von Eierstockkrebs erst im fortgeschrittenen Stadium gefunden. Patientinnen litten unter unspezifischen Symptomen wie Blähungen, unklaren Schmerzen im Bauch oder Unterleib sowie einem Völlegefühl. „Wenn die Beschwerden monatelang anhalten, sollte man zum Frauenarzt gehen“, empfahl der Gynäkologe.

von Freya Altmüller

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