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Mit Herzblut für Essenz des Arztberufs

Vortrag Eckart von Hirschhausen Mit Herzblut für Essenz des Arztberufs

Im vollbesetzten Audimax hielt der Medizin-Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen eine unterhaltsame Vorlesung für Studierende der Medizin und Psychologie.

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Dr. Eckart von Hirschhausen (kleines Foto) sorgte beim Seminar von Professor Jürgen Schäfer (großes Bild) alias „Dr. House“ für ein volles Audimax.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Hirschhausen kann auch ernst. Doch seine ­humoreske Ader konnte und wollte Deutschlands momentan wohl populärster Arzt natürlich bei seiner Vorlesung im Audimax nicht immer verleugnen. Ein wenig Witz und eine Prise Sarkasmus gehörten dazu. Vor allem aber packte Hirschhausen in seinen Vortrag über die Essenz des Arztberufes vor allem viel Herzblut und Sendungsbewusstsein mit hinein.

Im mit mehr als 1200 Menschen besetzten Auditorium saßen zu 80 Prozent Studierende, davon in der Mehrzahl Medizin und Psychologie-Studenten. 50 bis 70 Studierende beider Fächer bilden auch die Kern-Klientel des „Dr. House“-Seminars des Marburger Medizin-Professors Jürgen Schäfer, in dem dieser regelmäßig über seltene Erkrankungen berichtet. Schäfer hatte Hirschhausen eingeladen und stellte ihn in einer launigen ­Rede vor.

Der Star des Abends saß derweil schon entspannt an einem Tisch auf der Audimax-Bühne­ und wartete auf seinen Einsatz. Ziel seines Vortrags war es, die künftigen Ärzte und Psychologen für ihren späteren Beruf zu motivieren und ihren Sinn für Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen zu schärfen.

Mit Lebensweisheiten, Kritik an „esoterischem Bullshit“ und dem Gesundheitssystem, Musik und viel Magie hat Dr. Eckart von Hirschhausen sein Marburger Publikum verzaubert – und ein bisschen gesünder gemacht. Zuerst hielt der vielseitige Entertainer einen Hörsaal-Vortrag an der Uni. Direkt im anschluss ging es in die Stadthalle.

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Es war aber nicht nur „Frontalunterricht“, sondern auch ­eine Mitmach-Show. So sollten die Studierenden jeweils in zwei Minuten einen Sitznachbarn mit möglichst guten Argumenten von ihrer Motivation überzeugen, den Arztberuf zu ergreifen. Auch auf Hirschhausens Frage nach persönlichen Vorbildern für die Berufswahl gaben­ einige dann dem gesamten ­Auditorium Auskunft.

Um zu verdeutlichen, welches­ Arzt-Bild ihm nicht gefällt, ­streute Hirschhausen einen Witz ein: „Was ist der Unterschied zwischen Gott und einem Chirurgen? Gott glaubt nicht, dass er Chirurg ist“.

Einen herrschsüchtigen „Halbgott in Weiß“ möchte der promovierte Mediziner heutzutage eigentlich nicht mehr am Operationstisch sehen. Und auch die Zeiten des „Supermanns mit dem Arzt-Koffer“, der jede Krankheit besiege, seien mittlerweile­ vorbei, meint Hirschhausen. Die Zukunft des Arztberufes sei auch in den Großkrankenhäusern weiblich, teamorientiert und kommunikativ. Zumindest zeigte ein Blick in die Ränge der ­Zuhörer, dass zumindest in Marburg schon mehr Frauen als Männer Medizin und Psychologie studieren.

Eine von ihnen, die 20-jährige Medizinstudentin Paule, diente­ Hirschhausen dann auch als „Versuchskaninchen“ für ­eine öffentliche Therapie auf dem Podium. Sie hatte sich als eine der wenigen Mutigen gemeldet, als der Referent nach den Rauchern im Publikum gefragt hatte. Es entwickelte sich dann zum Thema „Gesundheitliche Schäden des Rauchens“ ein spannendes „Arzt-Patienten-Gespräch“.

Bei solch einem Gespräch kommt es auf jede Nuance der ärztlichen Wortwahl, Mimik und Gestik an, machte Hirschhausen deutlich. So habe es ein Patient mit der Angst zu tun bekommen, als er in dem furchteinflößenden Magnetresonanztomographen (MRT) liegend die grimmigen Gesichter von zwei aufgeregt debattierenden Ärzten gesehen habe. Hätte er sie auch gehört, dann wäre ihm klar geworden, dass sie nur über den letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga redeten.

„Trotz allen Erfolges ein Mensch geblieben“

Lebensbedrohliche Missverständnisse könne es geben, wenn ein Arzt die falschen oder zu wenig Fragen stelle. Und noch ein Beispiel für einen schnell schiefgelaufenen Arzt-Patienten-Dialog: „Kommt ein Patient zum Arzt und sagt: Ich habe­ ein Problem mit den Knien. Darauf der Arzt: Das ist eine ­Alterserscheinung. Der Patient sagt: Ich hör‘ wohl nicht richtig. Und der Arzt: Das ist auch eine ­Alterserscheinung“.

Eine Stecknadel konnte man fallen hören, als Hirschhausen auch anrührende Geschichten­ aus seinem früheren Leben als Arzt erzählte. „Sie sind trotz all Ihren Erfolges im Fernsehen noch ein Mensch geblieben und noch genauso wie früher“, freute sich Professor Rolf Felix Maier, Chef der Marburger Uni-Kinderklinik und vor 30 Jahren als Oberarzt Vorgesetzter des damals noch angehenden Arztes Hirschhausen in der Berliner Uni-Klinik Charité.

Fehler nicht vertuschen und Feedback auch von den Patienten einholen, bei denen nicht alles glatt ging: Das waren weitere Tipps von Hirschhausen für angehende Mediziner und Therapeuten. Und schließlich ­plädierte er für eine gehörige Dosis Humor im Kliniks-Alltag. Belohnt wurde er nach anderthalb Stunden mit langanhaltendem Beifall, bevor er sich direkt im Anschluss zu seinem nächsten „Arbeitseinsatz“ begab: dem Auftritt mit seinem „Wunderheiler“-Programm in der ausverkauften Marburger Stadthalle.

von Manfred Hitzeroth

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