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Mit Heroin gehandelt – aber immer nur montags

Aus dem Amtsgericht Mit Heroin gehandelt – aber immer nur montags

Weil er mehrfach im Marburger Bahnhofsviertel mit Heroin gehandelt hatte, musste sich ein 43-Jähriger vor dem Amtsgericht verantworten. Der gesundheitlich schwer angeschlagene Süchtige kam mit einer Verwarnung und Bewährung davon.

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Der Angeklagte legte vor Gericht ein umfassendes Geständnis über seinen Handel mit Drogen ab.

Quelle: dpa

Marburg. Mindestens viermal dealte der suchtkranke Mann mit Heroin, gab die Betäubungsmittel an Bekannte weiter, kaufte oder verkaufte kleinere Mengen. Dies tat er jedoch immer nur montags – der Tag, an dem er sein wöchentliches Methadon erhielt.

Im Juni und Juli 2013 soll der angeklagte Mann aus Stadtallendorf in acht Fällen unerlaubt Handel mit Heroin-Plomben (in Plastikfolie eingewickelte und verschweißte Portionen) betrieben haben, so die Anklage.
Vor Gericht legte der Beschuldigte ein umfassendes Geständnis für vier der ihm vorgeworfenen Taten ab. Er habe sich immer montags die Plomben beschafft, entweder für den Eigenbedarf oder für den Verkauf, um seine Sucht zu finanzieren. Seit zehn Jahren befindet er sich in einem Methadonprogramm.

Seit mehr als 20 Jahren Probleme mit Suchtmitteln

Das Opioid erhielt der gehbehinderte Mann nur montags in Marburg. Seinen Aufenthalt nutzte er um sich, nach einem erneuten Rückfall, in der      Stadt Drogen als Beigebrauch zu dem Heroin-Ersatzstoff zu beschaffen.
Pro Tag kaufte er unterschiedlich viele Plomben mit einer Menge von 0,1 bis 0,2 Gramm pro Portion. Etwa die Hälfte verkaufte er wieder oder gab sie weiter, erklärte der Angeklagte. Der erhoffte Gewinn, um seine Sucht weiter zu finanzieren, sei jedoch ausgeblieben.

Probleme mit Betäubungsmitteln habe er bereits seit mehr als 20 Jahren. Trotz mehrerer Therapien wurde er wiederholt rückfällig. Aufgrund einer schweren Erkrankung ist er körperlich eingeschränkt und gilt als arbeitsunfähig.

Trotz seines jahrelangen Drogenmissbrauchs ist er bisher nicht als straffällig gemeldet, hat keine bekannten, in der Regel typischen Beschaffungstaten begangen und ist nicht vorbestraft. Nachdem er erwischt worden war, absolvierte er einen weiteren Entzug, nimmt heute kein Heroin mehr, betonte der Angeklagte. Drogentests, die dem Gericht vorliegen, bestätigten die Aussage.

Verteidiger: Mandant ist kein typischer Dealer

Durch das glaubhafte Geständnis des Angeklagten und aus Gründen der Verfahrensvereinfachung ließ Staatsanwalt Oliver Rust vier der acht Anklagepunkte fallen. Die Staatsanwaltschaft ging demnach von einem Verkauf von etwa zwölf Heroin-Plomben aus.

Der Angeklagte sei zwar zum ersten Mal aufgefallen, jedoch würden seine Taten fast schon Züge von gewerbsmäßigem Handel mit Betäubungsmitteln aufweisen, betonte Rust und sprach sich für eine Geldstrafe aus.
Das Gericht habe es in diesem Fall nicht mit einem typischen Drogendealer zu tun, erklärte die Verteidigung. Vielmehr liege hier ein armseliger Versuch vor, wieder in die falsche Richtung abzurutschen, der glücklicherweise durch den polizeilichen Einsatz verhindert werden konnte, so der Verteidiger.

Strafrichter Dominik Best sprach gegen den Angeklagten wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in vier Fällen eine Verwarnung aus. Eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je acht Euro wurde unter Strafvorbehalt gestellt. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre.

Täter gesundheitlich schwer angeschlagen

Die gesetzliche Möglichkeit der Verwarnung wird vor Gericht selten genutzt, kann jedoch bei einer Geldstrafe bis zu einer Höhe von 180 Tagessätzen angewandt werden, insbesondere im Falle einer günstigen Sozialprognose und unter besonderen Umständen.

Diese liegen in dieser Sache vor, erklärte der Richter. Der Handel mit den harten Drogen wiege zwar schwer, die Strafe sei für den gesundheitlich und finanziell schwer eingeschränkten Täter in diesem Fall jedoch vertretbar.

Sollte der Verurteilte innerhalb der Bewährungszeit erneut straffällig werden, besteht die Möglichkeit, dass die Strafe vollstreckt wird. Da Anklage und Verteidigung auf Rechtsmittel verzichteten ist das Urteil rechtskräftig.

von Ina Tannert

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