Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Mit Händen, Füßen und etwas Englisch

Deutsch-russisches Jugendfeuerwehrtreffen Mit Händen, Füßen und etwas Englisch

Landesjugendfeuerwehrwart Stefan Cornel begrüßte bei der Feierstunde in Cappel am Freitag 19 Vertreter aus Russland, darunter 16 Kinder und Jugendliche.

Voriger Artikel
Rentner gehen als Mediatoren in die Schule
Nächster Artikel
Fliegerbombe entschärft: Anwohner atmen auf

Beim Unterhaltungsprogramm führten die russischen Kinder einen Tanz auf.Foto: Lisa-Martina Klein

Marburg. Neben dem Delegationsleiter und Abgeordneten des zuständigen Katastrophenschutzministeriums in Russland Juri Rachuk waren auch Mitglieder der Feuerwehren Wiesbaden und Frankfurt nach Marburg gereist. Insgesamt waren rund 50 Gäste anwesend. Im Jugendfeuerwehrausbildungszentrum in Cappel feierte die Hessische Jugendfeuerwehr die deutsch-russische Jugendbegegnung.

Seit inzwischen 20 Jahren trifft sich eine Delegation der Hessischen Jugendfeuerwehr mit Jugendfeuerwehren aus dem Saratower Gebiet jährlich im Wechsel in Hessen oder in Saratow. Dabei steht nicht nur das Thema Feuerwehr als „die rote Verpackung“ im Vordergrund. Besonders wichtig ist es Cornel auch, die Kinder für das andere Land, die Menschen und seine Kultur begeistern zu können und Vorurteile und Berührungsängste abzubauen.

„Flagge zeigen und die deutsche Hymne singen, das kennen die deutschen Kinder nicht. Das erleben sie aber in Russland. Auf der anderen Seite sehen die russischen Kinder, dass die Deutschen sicherlich nicht immer so pünktlich und ordentlich sind wie man es ihnen nachsagt“, sagte Cornel. Auch wenn die Kommunikation manchmal vielleicht etwas mühsam ist: „Die Kinder verständigen sich mit Händen, Füßen und ein bisschen Englisch.“

Viele Kinder machen immer wieder mit

Die Kinder knüpfen früh Kontakte und finden russische Freunde. Viele bleiben lange Zeit per E-Mail in Kontakt oder treffen sich im nächsten Jahr gleich wieder. Es gebe viele „Wiederholungstäter“, freute sich Cornel, der den Austausch seit 15 Jahren organisiert. Die Kinder interessiere die politische Lage nicht, für sie seien es einfach Freunde, berichtete der Landesjugendfeuerwehrwart im Hinblick auf den Konflikt zwischen Russland und Deutschland.

Die Jugendlichen der Partnerjugendfeuerwehren aus Saratow waren während ihres zweiwöchigen Aufenthaltes im Jugendfeuerwehrausbildungszentrum in Cappel untergebracht. In dieser Zeit besuchten sie auch die Stadtjugendfeuerwehr in Wiesbaden, die Hafenwache 41 in Schwanheim oder das Brandschutz-, Katastrophenschutz- und Rettungsdienstzentrum (BKRZ) in Frankfurt.

Neben Berufsfeuerwehren besuchten die Kinder und Jugendliche auch kleinere und größere freiwillige Feuerwehren. Das Konzept der freiwilligen Feuerwehr gibt es erst seit wenigen Jahren in Russland. Es gehe darum, die verschiedenen Strukturen der deutschen Feuerwehren kennenzulernen, aber natürlich auch Spaß bei den Übungen zu haben, so Cornel.

Auch kulturelle Punkte wie die Besichtigung der russisch-orthodoxen Kirche auf dem Nero-berg in Wiesbaden standen auf dem Plan. In die Geschichte der Länder eintauchen und über die Vergangenheit zu lernen, aber auch die aktuelle Situation der in Deutschland lebenden Russen, und der in Russland lebenden Deutschen zu beleuchten sei einer der wichtigsten Bestandteile der Begegnung, so Cornel.

„Hilfe zur Selbsthilfe“ lautete anfangs das Motto der Projektarbeit der hessischen Jugendfeuerwehren, das 1994 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs den Startschuss für den Austausch gab. „Anfangs war es noch etwas schwerer, sich in Saratow zurechtzufinden. Supermärkte sahen nicht aus wie Supermärkte, alles war noch im Aufbau. Das hat sich stark geändert in den letzten Jahren“, blickte Cornel auf die Anfangszeit zurück.

Als in dem Saratower Gebiet immer weniger deutschstämmige Russen lebten, besann sich die Jugendfeuerwehr zurück auf die Jugendarbeit als eigentliche Bestimmung. Zwanzig Jahre später steht weniger die Unterstützung der dort lebenden Russlanddeutschen im Vordergrund als mehr der Austausch und die Begegnung der Jugend.

Landesjugendfeuerwehrwart Stefan Cornel und Delegationsleiter Juri Rachuk nutzten den Anlass auch, um langjährige Helfer und Kollegen zu ehren und für ihr Engagement zu danken. Stolz präsentierte Cornel auch die Sonderbriefmarke „50 Jahre Deutsche Jugendfeuerwehr“. Mit einstudierten Tänzen, Liedern und Sketchen zum Thema deutsch-russische Begegnung sorgten die Kinder und Jugendlichen für tolle Unterhaltung.

von Lisa-Martina Klein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr