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Mit Fleiß und Schweiß zum Lebensretter

Feuerwehr-Reportage Mit Fleiß und Schweiß zum Lebensretter

Der Traum vieler Jungen: Feuerwehrmann werden! Auch der 13-jährige Luca Dersch hat das Bild vom strahlenden Helden, der Menschen aus den Flammen rettet. Wie hart die Bedingungen sind, spürte er am eigenen Leib.

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Unter Aufsicht von Oberbrandmeister Ansgar Huber kriecht OP-Praktikant Luca Dersch durch die Atemschutzübungsanlage.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Sein Fuß hängt fest. Ist gar nicht so leicht, durch den schmalen Gitterparcours zu kriechen. „Krass, wenn man dabei noch die 30 Kilogramm schwere Atemschutzausrüstung tragen muss und nichts sieht“, keucht Luca Dersch. Der 13-Jährige macht gerade ein Praktikum bei der OP und hatte von Anfang an nur einen Wunsch: Einmal als Reporter bei der Hauptfeuerwache in Marburg vorbeischauen. Denn eigentlich dreht sich bei dem Schüler aus Bracht alles um die Brandschützer. Seit drei Jahren ist er schon mit Feuereifer Mitglied der Jugendfeuerwehr in Bracht. „HLF, TSF, DLK“, er rattert die verschiedenen Abkürzungen und die technischen Details für „Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug, Tragkraftspritzenfahrzeug und Drehleiter“ im Schlaf herunter.

 

Aber das hier ist etwas anderes: Luca testet die Atemschutzübungsanlage in der Hauptfeuerwache Marburg. Dieses überdimensionale Gitterlabyrinth müssen Atemschutzgeräteträger einmal im Jahr absolvieren - unter realistischen Bedingungen. Normalerweise ist die Anlage dann voller Rauch, die Feuerwehrleute müssen sich tastenderweise ihren Weg durch den Qualm suchen, Leitern überwinden, durch Schächte rutschen und einen 80 Kilogramm schweren Dummy aus den „Flammen“ retten. Überwacht wird das Ganze in einem Kontrollraum mit Monitoren. Bei einem Notfall kann die Anlage mit einem Handgriff entraucht werden. „Die Tests in dieser Anlage sind Teil des TÜVs für Atemschutzgeräteträger. Einmal im Jahr müssen sie ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen und auch einen Belastungstest absolvieren“, erklärt Ansgar Huber, Oberbrandmeister im Fachdienst Brandschutz. Zu diesem Belastungstest gehört unter anderem auch Laufbandtraining und das Erklimmen einer Endlosleiter, deren Stufen beim Klettern nach unten getreten werden. Spätestens beim Ausprobieren der Endlosleiter wird Jungfeuerwehrmann Luca eindrücklich klar: „Feuerwehrleute müssen körperlich fit sein.“

Und schnell müssen sie sein. Eine Alarmierung über die Telefonnummer 112 kommt bei der Zentralen Leitstelle des Landkreises an, dort wird innerhalb einer Minute die Feuerwehr alarmiert. Die hauptamtlichen Feuerwehrleute, die tagsüber in der Hauptfeuerwache am Erlenring Dienst verrichten, werden über ihren Funkalarmempfänger informiert, zeitgleich ertönt ein Alarmsignal in den verschiedenen Räumen der Hauptfeuerwache. Die Einsatzkräfte haben dann nur 60 bis 90 Sekunden Zeit, bis sie die Hauptwache verlassen haben müssen. „Wir lassen dann alles stehen und liegen und sprinten los“, erklärt Oberbrandmeister Huber.

Marburgs hauptamtliche Brandschützer haben rund 300 Einsätze im Jahr, rücken also bei einer 5-Tage-Woche täglich gut 1,5-mal aus. „Natürlich brennt es dann nicht jedes Mal“, erklärt Huber lächelnd. Nicht immer muss gelöscht oder gerettet werden. Das Aufgabenspektrum der Feuerwehr hat sich laut Huber in den vergangenen Jahren stark gewandelt. „Wir sind heutzutage oft auch ein kommunaler technischer Dienstleister“, so der 45-Jährige. Sehr oft rücken die Brandschützer zur Ölspurbeseitigung, zum Bäumewegschneiden oder zu Fehlalarmen aus. Aber natürlich gibt es auch die schlimmen Einsätze, die kein Feuerwehrmann so schnell vergisst. „Die Unglücke, in die Kinder involviert sind, bleiben mir im Gedächtnis“, sagt Huber, der von Luca mit Fragen bombardiert wird. Sein wichtigster Tipp: „Egal, was Du später werden willst, Deine Schulzeugnisse sind ausschlaggebend. Vor allem im Sozialverhalten kann man sehen, ob Du teamfähig bist oder nicht. Und das ist überall wichtig, nicht nur bei der Feuerwehr.“

Die Marburger Feuerwehr
        Die Marburger Feuerwehr ist eine Freiwillige Feuerwehr mit 31 hauptamtlichen Einsatzkäften und 530 freiwilligen Feuerwehrangehörigen. Die hauptamtlichen Kräfte sind Montag bis Freitag von 6 bis 18 Uhr im Einsatz, zu den anderen Zeiten werden Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr alarmiert. Im Einzugsgebiet der Stadt Marburg gibt es 16 Stadtteilfeuerwehren.
Um Berufsfeuerwehrfrau oder -mann zu werden, muss man folgende Voraussetzungen erfüllen:
n  Abgeschlossene Erstausbildung (z.B. in einem handwerklichen Beruf)
n  Zweijährige Ausbildung für Feuerwehrbeamte im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst
n   7-wöchiger Grundlehrgang
n  22 Wochen Grundausbildung bei Berufsfeuerwehr
n  Führerschein Klasse C
n  Erwerb des Sportabzeichens
n  Ausbildung zum Rettungssanitäter
n   Ausbildung am Standort
n  8-wöchiger Abschlusslehrgang an der Landesfeuerwehrschule.     

von Nadine Weigel

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Von Redakteur Nadine Weigel

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