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„Mit Feuer und Flamme“ im Einsatz

Freiwillige Feuerwehr Bauerbach „Mit Feuer und Flamme“ im Einsatz

Als vor genau drei Jahren die freiwillige Feuerwehr in Bauerbach neu gegründet wurde, hatte Lars Witter „eigentlich keine Ambitionen mitzumachen“. Inzwischen sind er und seine 17 Kameraden zu einer festen Einheit verschmolzen.

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Marc-Philip Preis und Lars Witter (von links) stehen zwischen den beiden Einsatzfahrzeugen der freiwilligen Feuerwehr vor dem neuen Gerätehaus in Bauerbach.

Quelle: Peter Gassner

Bauerbach. Am Anfang hieß es Klinken putzen. Als die Idee zu einer Neugründung der Feuerwehr in Bauerbach entstand, hatten Ortsvorsteher Lothar Böttner und sein Stellvertreter Johannes Hühn eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten. Von Tür zu Tür ging Hühn, um für die Einrichtung einer neuen Truppe zu werben. Auf einem groß angelegten Infoabend wurde die Bevölkerung zudem darüber aufgeklärt, wie schlecht die Versorgungslage Bauerbachs im Vergleich zur Kernstadt war. Am Ende hatte sich der Aufwand gelohnt: Zunächst elf Bürger meldeten sich , um eine neue Feuerwehreinheit in ihrem Ortsteil ins Leben zu rufen.

Zehn Jahre lang hatte es in Bauerbach keine Feuerwehr gegeben. Nachdem sich die alte Wehr im Jahr 2002 mangels Personal aufgelöst hatte, waren weder der 1630 Einwohner starke Stadtteil im Osten Marburgs noch das benachbarte Ginseldorf innerhalb der gesetzlichen Hilfsfrist durch die Marburger Feuerwehr zu erreichen. Und auch für die Lahnberge mit Klinikum und Universitätseinrichtungen waren die vom Hessischen Brandschutzgesetz vorgeschriebenen zehn Minuten nicht immer einzuhalten. Bei der Überprüfung des Bedarfs- und Entwicklungsplans, kam die Stadt daher zu dem Schluss, dass sich im östlichen Teil der Stadt etwas tun müsse.

Rund 500 Stunden hat jeder in Ausbildung gesteckt

Mit den elf Interessenten allein, war jedoch das Problem noch nicht gelöst, denn keiner der Männer hatte eine feuerwehrtechnische Ausbildung vorzuweisen. „Viele von uns sind erst einmal verhalten an die Sache ran gegangen“, erinnert sich Wehrführer Lars Witter. Dann jedoch habe „das Ganze eine Eigendynamik erhalten“. Rund 500 Stunden habe jeder der Kameraden allein im ersten Jahr in die Ausbildung investiert.

An Übungsabenden lernten sie die Technik des Einsatzfahrzeuges kennen, am Wochenende standen Dinge wie Sprechfunk und Atemschutz auf der Tagesordnung. Besondere Motivation dabei war laut Witter „jedes Mal der Moment, in dem die Kollegen aus Schröck bei ihren Einsätzen hier an uns vorbeigebügelt sind und wir noch nicht mitmachen duften“. Mit den benachbarten Wehren pflege man jedoch ein sehr gutes Verhältnis, betont er. Einige Marburger Kollegen steckten auch bei Lehrgängen zurück, um den Bauerbachern die Einsatzfähigkeit schnell zu ermöglichen.

Einsatz im Keller des Richtsbergs 88

Am 1. Februar 2013 folgte schließlich der erste Einsatz – ein Fehlalarm, so wie in den meisten Fällen. Seither sind die Bauerbacher bereits mehr als 50 Mal ausgerückt. Ihr größter Einsatz: Der Brand im Wohnheim Am Richtsberg 88. Witter und sein Stellvertreter Marc-Philip Preis erinnern sich noch genau die Szenen, die sie im Keller des Gebäudes erlebten.

„Wir üben manchmal, uns den Weg durch Qualm und Rauch zu bahnen“, erläutert Witter, „doch dort war alles voller Schaum. Wir haben nichts gesehen und auch die Wärmebildkamera hat wegen der Hitze überall einfach nur rot gezeigt.“ Den Brandherd zu finden, sei dementsprechend schwer und „eine völlig neue Situation“ gewesen. Das Wichtigste in derartigen Lagen sei daher „Vertrauen in den Nebenmann zu haben“, so Witter.

„Wenn man in einer Notsituation ist, erwartet man Hilfe und bekommt sie auch – warum sollte man da nichts zurückgeben“, meint Preis. Auch er findet jedoch: „Die Kameradschaft macht es aus.“ Die Freiwilligen unternehmen auch privat viel gemeinsam und sind ein eingeschworenes Team.

„Keiner kann in die Zukunft sehen“

„Wichtig ist in erster Linie eigentlich, dass wir zusammen gute Einsätze zeigen“, so Witter. Dennoch seien einige Freundschaften entstanden und „viele haben hier Anschluss gefunden“. Auf 18 Mitstreiter hat sich die Zahl inzwischen erhöht, sieben Jugendliche ab zehn Jahren sind zudem in der Jugendfeuerwehr „mit Feuer und Flamme dabei“, beschreibt Preis.

Ob die neugegründete Feuerwehr dem Schicksal ihres Vorgängers entgeht, mag Witter nicht prognostizieren. „Keiner kann in die Zukunft sehen“, sagt er. Zudem könne er nicht für die Zeit vor 2002 sprechen. Grund zum Optimismus gibt es trotzdem. Das im Dezember fertig gestellte, aktuell aber  noch nicht fertig eingerichtete Gerätehaus bietet der Freiwlligen Feuerwehr Bauerbach ihren eigenen Raum, in dem nicht nur die Fahrzeuge untergestellt werden können.

Zuvor fanden Dienstabende im Bürgerhaus statt, doch „Einsätze kann es immer geben“, meint Witter. „Dann können wir uns nicht in einem Gebäude vorbereiten, in dem es gerade für eine andere Gruppe Kaffee und Kuchen gibt.“ Unter anderem die Garderobe für die Einsatzklamotten sei ein großer Fortschritt. „Vorher musste man sich alles zuhause zusammensuchen und das konnte schon einmal dauern“, so Witter. „Bei mir lag immer die Hälfte irgendwo oben und der Rest im Keller.“

von Peter Gassner

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