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Mit Brötchen ein Auto verdient

Mein 1. Auto Mit Brötchen ein Auto verdient

Als Schüler entdeckte Dr. Johannes Klingelhöfer 1953 einen rostigen BMW Dixi, Baujahr 1928, in einem Garten. Er verliebte sich in den Oldtimer - und verdiente sich mit Brötchen austragen Geld, um ihn zu kaufen.

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Stolz zeigt Dr. Johannes Klingelhöfer, vielen Marburgern auch bekannt unter dem Spitznamen „Rama“, das Modell des BMW Dixi, Baujahr 1928.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Sein erstes Auto war aus heutiger Sicht eine Katastrophe. Der Wagen war nicht zugelassen, konnte nicht einmal fahren. Und er, der damals 17-jährige Inhaber, hatte nicht einmal einen Führerschein. Doch auch 62 Jahre später denkt Dr. Johannes Klingelhöfer noch gern zurück an diese abenteuerliche Zeit. Viele Fotos und ein Modell erinnern ihn und seine Familie noch an das erste Auto: Es war ein BMW Dixi Baujahr 1928 und hatte 15 PS. An die erste „Begegnung“ mit seinem BMW Dixi kann sich Johannes Klingelhöfer, vielen Marburgern ist der Blau-Gelb-Ehrenvorsitzende auch unter dem Spitznamen „Rama“ bekannt, noch sehr genau erinnern.

Seine Familie betrieb eine Konditorei und Bäckerei, er musste häufig die Krankheits- und Urlaubsvertretung der Gesellen übernehmen und Brötchen ausfahren - mit dem Fahrrad. „Damals war es noch üblich, dass den Kunden, die es wünschten, die Brötchen ins Haus gebracht wurden. 1953, ich war 17, musste ich sehr häufig einspringen. Ich hatte unter anderem die Tour Schwanallee.“

Dort betrieb ein kriegsverletzter Automechaniker trotz einseitiger Armamputation im Garten eines Professors eine kleine Autowerkstatt. Er bekam jeden Tag zwei Brötchen, berichtet Klingelhöfer. „In einem Gartenhaus neben der Werkstatt stand der BMW Dixi und rostete vor sich hin.“ Der junge Brötchen-Lieferant war fasziniert von dem Wagen, wollte ihn unbedingt haben und machte den Eigentümer ausfindig.

Kaufpreis: 95 Deutsche Mark

Der Besitzer des Oldtimers und der Schüler wurden sich handelseinig: Der Kaufpreis betrug 95 Deutsche Mark. 50 Mark kratzte der 17-Jährige zusammen, der Rest musste in Monatsraten zu je fünf Mark abgezahlt werden. Bei der Überführung des Autos in den Garten der Familie Klingelhöfer am Südbahnhof halfen drei Klassenkameraden. „Die Überführung geschah per Hand, denn das Auto war nicht zugelassen und keiner hatte einen Führerschein der Klasse 3, aber alle hatten einen Motorradführerschein der Klasse 4“, erzählt Klingelhöfer.

Außerdem kriegten die Jungs das Auto nicht in Gang. „Daran ist letztendlich das ganze Unternehmen gescheitert.“

„Unverzeihlich“: Der Wagen wurde verschrottet

Für notwendige Reparaturen gab es keine Ersatzteile mehr. „Sie hätten extra angefertigt werden müssen, was unsere finanziellen Möglichkeiten überstieg“, sagt der heute 79-Jährige. So wurde der BMW Dixi schließlich verschrottet. „Aus heutiger Sicht unverzeihlich, aber wo hätte ich damals eine Unterstellmöglichkeit finden können?“

Wenigstens auf Fotos und in einem Modell hat er sein erstes Auto-Abenteuer erhalten - und nun auch in der OP-Serie.

 
Was war Ihr erstes Auto?
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  von Anna Ntemiris

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