Wissenschaftsministerin Eva Kühne Hörmann (CDU) beim Interview in der OP-Redaktion.
Marburg. Die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann kann die massiven Proteste aus der Uni Marburg gegen die geplanten Landeskürzungen „nicht ganz nachvollziehen“. Im OP-Interview sagte die Ministerin, dass das Marburger Uni-Präsidium die Sachlage dramatischer dargestellt habe, als sie sei. Der Marburger Protest, bei dem Professoren, Studierende und Uni-Mitarbeiter am 11. Mai in Wiesbaden demonstrieren wollen, sei besonders. „Proteste in dieser Form gibt es nur in Marburg“, sagte Kühne-Hörmann.
Dabei sei das Angebot der Landesregierung an die hessischen Universitäten, das eine Kürzung des Etats der Hochschulen für 2011 und 2012 um jeweils 2,2 Prozent vorsehe, doch ein „faires Angebot in schwierigen Zeiten.“ Immerhin biete die Regierung im kommenden Hochschulpakt Planungssicherheit für insgesamt fünf Jahre. Aus Sicht der Ministerin könne die Marburger Universität die Einsparungen in Höhe von 4,4 Millionen Euro schultern, wenn sie auf die Rücklagen zurückgreife. Heute kommt Kühne-Hörmann zum Amtsantritt der neuen Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause nach Marburg in die Alte Aula der Universität. Studierendenvertreter kündigten Proteste gegen die Ministerin an.
von Manfred Hitzeroth
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Kommentare
Untragbare Person... MRstudi – 29.04.10
Der Auftritt der Wissenschaftsministerin beim Festakt war extrem unprofessionell.Wer ständig von der "Bildungsrepublik Deutschland" spricht, in der Öffentlichkeit erst den Eindruck erweckt, man erhöhe durch eine Landesinitiative die Qualität der Lehre, dann aber hinterrücks die Grundfinanzierung reduzieren will und sich bei alledem der berechtigten Kritik durch vorgeschobene Sicherheitsbedenken entziehen will, ja die berechtigte Kritik nachträglich in miesester propagandistischer Weise als Angriff auf die eigene Person darstellt und in eigener Sache zu instrumentalisieren versucht, der ist schlicht und einfach unwürdig, das Amt der Wissenschaftsministerin zu bekleiden.
Schön, daß man sehen konnte (und auf youtube sehen kann), wie feige sich Frau Ministerin der Diskussion entzieht, nur weil ihre Erwartung auf einen netten Festakt mit schönen Bildern für die Öffentlichkeit enttäuscht worden ist. Vielleicht wäre Frau Ministerin besser in einer Diktatur aufgehoben, da werden die persönlichen Befindlichkeiten hochrangiger Persönlichkeiten nicht auf so banale Weise mißachtet, indem der Pöbel seinen Unmut äußert. Da bekommt man immer hübsch Jubel von allen Seiten.
Bla Bla Bla... Archäo Student – 27.04.10
Was für Rücklagen, frag ich mich bei diesem Kommentar?Wir verlieren 5 Millionen Euro und sie redet was von tragbar? Ich bin Studentin der Archäologie, wir sind ein relativ kleiner FB und wir gehören zu den Geisteswissenschaften. Wir sind doch mit die ersten, bei denen gespart wird! Unsere Seminare und Hörsääle sind jetzt schon überfüllt, wie soll denn das erst werden, wenn keine neuen Dozenten mehr eingestellt werden?
11.05. in Wiesbaden! Ich bin garantiert dabei!
wut--- dont trust the web – 23.04.10
und GENAU WEGEN SOWAS WERDE ICH AM 11.MAI IN WIESBADEN SEIN!!gut das sie gestern geflüchtet ist, was trauen diese politiker sich noch alles? sie kürzt uns geld und will dann noch mit offenen armen in marburg empfangen werden.. gehts noch!!
GESTERN HABEN WIR IHR GEZEIGT WER WIR SIND!!
verfehlte Politik mit fragwürdigen Zielen Anonym – 22.04.10
Dass die Regierung Koch seit ihrem etwas über einjährigen Bestehen nicht wirklich etwas zustande gebracht hat, ist ja hinlänglich bekannt.Nun aber entzieht es sich selbst meinem Veständnis, was diese Poltik eigentlicht bezwecken will. Herr Koch kürzt in der Bildungspolitik und damit eine Zukunftsinvestition, die sowieso schon chronisch unterfinanziert ist. Nicht mal mit wirtschaftsliberalen Argumenten macht eine solche Politik Sinn: am härtesten betroffen sind die Naturwissenschaften, die eigentlich nach politischem Willen stärker gefördert werden sollen, weil es der Wirtschaft an Nachwuchs fehlt.
Wie der Dekan des Fachbereichs ja bereits in der Hessenschau erwähnte, fallen in diesem Fachbereich 50% der Praktika weg- eine Katastrophe für die praktische Ausbildung der angehenden Chemiker. Herr Koch zerstört damit den einzigen großen Wettbewerbsvorteil, den die traditionelle Chemie-Wirtschaft noch hat: das Know How.
Genauso kritisch zu hinterfragen: hart getroffen wird auch die Medizin. Sollte die exzellente deutsche Ärzteausbildung darunter leiden, dass die wirtschaftsliberale Bundesregierung mit Unterstützung ihres Schoßhündchens aus Hessen meint, Hoteliers und Besserverdienende zu entlasten?
Herr Koch hat in der Tat ein Kernanliegen seiner Amtszeit erkannt, die Finanzierung der Bildungspolitik. Aber anstatt eine mögliche Finanzierung zu prüfen, kürzt er einfach fröhlich weiter.
Lieber Herr Koch, eine Anmerkung dazu: der bundesweite Bildungsstreik hat bereits eine Möglichkeit gefunden, das Bildungssystem besser zu finanzieren. Mit der Vermögenssteuer. Aber das können Sie nicht mit Ihrer Klientelpolitik verbinden, stimmts?
Blanker Hohn Genervter Student – 22.04.10
Es ist unglaublich wie dümmlich sich PolitikerInnen zu äußern trauen. Ohne Faktenkenntnisse, ohne Visionen, ohne Konzepte. Alles was man von Ihnen heute noch erwarten kann: AFFEKTHANDELN. Einfach mal blind überall kürzen. Wenn gleichzeitig dem Land Millionen an Steuergeldern über Jahre entgangen sind, weil die Steuerbehörden kapputt gespart wurden, dann wird aus Dummheit Zynismus. Während dieser ganzen Debatten wird Koch schön in Deckung gehalten um dann in einem Jahr wieder einen Anlauf zu nehmen Studiengebühren einzuführen. Prima! Wenn er sich das allerdings trauen sollte, wird er seine Legislaturperiode nicht zu Ende führen können. Der Widerstand wird größer und durchsetzungsfähiger sein: Denn nun schließen sich alle Statusgruppen an den Universitäten endlich zusammen um zu protestieren und auch Parteien, Gewerkschaften und Verbände werden nicht wieder schlafen bei Einführung. Die Verlogenheit der PolitikerInnen sollte jedenfalls endlich einem Ende zugeführt werden. Sonntags von Bildungsrepublik und Wissensgesellschaft reden und Montags aus Affekt oder willentlich bei der Bildung Kürzen, wo doch allein an den Universitäten jährliche Mehrinvestitionen von mehreren Mrd. Euro (bundesweit) notwendig wären, allein um den Stand zu halten!Nicht nur Marbur. Auch Giessen! chd – 22.04.10
Nicht nur in Marburg ist man gegen die Sparpläne, sondern auch an den übrigen Hochschulen in Hessen. Auch das Proteste von der Spitze der Uni ausgehen ist nicht auf Marburg beschränkt. Der Präsident der Uni Giessen stellt sich in einem Pressekommentar hinter die Protestpläne der Marburger Uni.Rücklagen? Sie hat keine Ahnung! C.marburg – 22.04.10
Welche Rücklagen? Der Kanzler der Uni Marburg beziffert die liquiden Rücklagen auf ca. 16 Millionen. Diese Rücklagen sind jedoch verplante und zugesicherte Gelder in Berufungsverfahren (die schon abgeschlossen sind, also rechtsverbindlich). Und genau diese Berufungsgelder muss die Uni auf Anweisung des Ministeriums vorhalten. Die Ministerien kennt sich nicht in ihren eigenen Bereichen aus. Sie sollte erst mal denken und ihr eigenes Ministerium kennen lernen bevor Sie sich öffentlich lächerlich macht. Aber nach diesem Interview sollte Sie dann doch überlegen dass der Job als Ministerin zu viel ist. Vielleicht hat Sie auch an einer zweitklassigen Uni studiert und kann es einfach nicht besser!zu BlaBla MR – 22.04.10
Dass es für die jungen Leute keine Rentenzahlungen gibt, ist nun wirklich keine direkte Auswirkung von 2,2% weniger Geld für die Uni.Die Probleme sind dabei deutlich tiefgreifender.
mehr... blinx – 22.04.10
....Staatsweingüter, Flughäfen oder alte Schlösser (wie im Odenwald geschehen) kaufen bzw. unterstützen!!!! Da fließt die Kohle hin ;-)Frau Kühne-Hörmann Marius – 21.04.10
"„Proteste in dieser Form gibt es nur in Marburg“, sagte Kühne-Hörmann."Ich nehme das mal als Lob an die Marburger! Ich bin begeistert von diesem bisher nicht da gewesenen Zusammenhalt der Studenten, Dozenten und Mitarbeiter! Weiter so! Die werden und schon noch verstehen müssen!
BlaBla Minder – 21.04.10
Es kommt doch gar nicht darauf an, dass die Marburger Uni-Spitze die Lage dramatischer dargestellt hat als sie ist, sondern darauf, dass sie dramatisch ist. Ich kann dieses rechtfertigungs-BlaBla von den Politikern echt nicht mehr hören bzw. lesen. Trotzdem Danke OP für dieses Interview. Zeigt es doch einmal mehr, wie weit Ansichten auseinandergehen können und die Studenten wieder einmal das nachsehen haben werden. Alle reden von Bildung, nur geben wollen sie dafür nichts. Dann kriegen sie leider auch nichts zurück - keine fachkräfte, keine klugen Köpfe, keine Renteneinzahler. So einfach geht Bildung heute.