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Mini-Räder rücken in den Fokus

Windkraft Mini-Räder rücken in den Fokus

Nach dem Aus für den Standort „Lichter Küppel“ sollen in Marburg andere Flächen für Windkraftanlagen geprüft werden –  auch der Bau von vielen Kleinwindrädern ist laut Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) denkbar.

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Kleinwindräder werden in mindestens zehn Metern Höhe installiert.

Quelle: klein-windkraftanlagen.com

Marburg. „Die Technik, mit kleineren Anlagen zu arbeiten, kann auch einen Beitrag zur Energiewende leisten“, sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) während der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Freitagabend. Von diesen im Stadtgebiet einige zu bauen, sei „bereits überlegt worden“, antwortete er auf eine Frage von Manfred Jannasch (CDU). Und das, obwohl bereits das bestehende Mini-Windrad zwischen Marbach und Wehrshausen zuletzt für Proteste sorgte. In den häufigsten Fällen werden bei Kleinwindrädern die Flügel – in einer Mindesthöhe von zehn Metern – auf einen Mast neben Gebäuden montiert.

Vorrangflächen sollen erhalten bleiben

Während der Magistrat – wie auch alle Parlamentsfraktionen – das Regierungspräsidium Gießen (RP) nun zum Streichen des „Lichte Küppel“ aus dem Teilregionalplan bewegen wollen, sollen nach dem Willen des Magistrat die Vorrangflächen am Görzhäuser Hof nahe Michelbach und „Bürgelner Gleichen“ erhalten bleiben. Dort, wo Anlagen nach gutachterlichen Prüfungen und aufgrund der Windstärken effektiv arbeiten könnten, „müssen sie gebaut werden“, sagt Kahle. Das gelte auch für Marburg, das „einen Beitrag zur Energiewende leisten sollte“, wie Umweltpolitiker Uwe Volz (Grüne) ergänzt.

Kahle kann sich indes vorstellen, geeignete Flächen im Stadtgebiet künftig privaten Investoren freizugeben. „Wenn wir Dienstleistern von Außen das Feld überlassen, entgehen die Stadtwerke wenigstens dem Imageschaden.“ Es sei „vielleicht keine gute Idee gewesen, dass die Stadtwerke im Stadtgebiet bauen wollten.“  Widerstand gibt es von Jan Schalauske (Linke): „Investoren, die ein Profitziel verfolgen, wollen wir hier nicht. So welchen, auch lokal, die Energiewende zu überlassen, ist der falsche Weg.“ Kahle erläutert: Als kommunales Unternehmen seien die Stadtwerke „aber offenbar nicht gut beraten, zu Hause Projekte voranzutreiben, sondern lieber in Bad Hohenahr, Hauptsache weit weg. Dass man sich anderswo für erneuerbare Energien engagiert, war allen in Marburg egal“.

Die Kritik gegenüber den Plänen des Energieversorgers sei in den vergangenen Monaten „unverhältnismäßig und massiv“ gewesen.

SPD: „Stets betont,dass ein Stopp möglich ist“

An dem „entstandenen Imageschaden“, sagt Kahle, trage der Aufsichtsrat – in dem Vertreter von CDU, SPD und Grünen sitzen – mit Schuld. „Einige Leute haben gezielt gegengearbeitet.“ Die Gegner würden die Bedeutung der Windkraft „populistisch wegwischen“, sagt Kahle.

In den Vorab-Prüfungen der Vorrangflächen – sowohl am „Lichten Küppel“ als auch anderswo – soll Kahle zufolge die Möglichkeit von Rotmilan-Vorkommen bereits erwähnt sein. Das Leben der Vogelart nahe Windrad-Standorten sei, das belege diese Behördenregelung, nicht „automatisch Ausschlussgrund für den Bau von Anlagen“. Nahe Moischt sei es nur deshalb zum Aus gekommen, weil „im konkreten Fall ein ausreichender Schutz der betreffenden Brutpaare nicht gewährleistet werden“ könne. Das müsse bei anderen möglichen Flächen nicht so sein. Daher wirbt auch Uwe Volz für einen Verbleib etwa der „Bürgelner Gleichen“ im Windkraft-Plan des RP: „Nur weil man im östlichen Teil der Stadt etwas nicht machen kann, heißt das nicht, dass es im Norden, Süden oder Westen unmöglich ist“, sagt er. Von den mehr als 1000 Rotmilanen, ergänzt Volz, besetze jedes Brutpaar hessenweit fünf Horste. Es sei also „ein Trugschluss zu glauben, dass überall da, wo ein Rotmilan oder eine Behausung gesehen wurde, automatisch immer Windräder ausgeschlossen sind“.

CDU moniert Verschwendung von Steuergeldern

Die CDU geißelt das Festhalten an den Plänen: Die Windparkpläne seien „mit heißer Nadel durchgedrückt“ worden, sagt Wieland Stötzel, Fraktionschef. „Und dabei wurden schon jetzt Steuergelder verschwendet, großer Unsinn verzapft“, ergänzt  Mathias Range (CDU).Wie groß das Ausmaß sei, wer wann was wusste, wer die Schuld für die Planungsfehler trage, werde der einzuberufende Akteneinsichtsausschuss bald klären. „Rot-Grün redet das Fehlverhalten auch noch schön. Bei der Prüfung werden wir sehen, wovor man da Angst hat, was nicht herauskommen soll“, sagt Karin Schaffner (CDU). Die Konservativen wollen – je nachdem, was der Ausschuss herausfindet –  einen Antrag ans Parlament stellen, Kahle abzuwählen, kündigte Range an.

Unverständnis bei der SPD: „Die Sankt-Florians-Rhetorik der Windkraftgegner ist ein Trauerspiel, das Stammtischniveau ärgerlich.Es wurde stets betont, dass ein Stopp bei negativen Gutachtenergebnissen möglich ist“, sagt Steffen Rink.

von Björn Wisker

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