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Militäraktion als "notwendiger Putsch"

Krise in Ägypten Militäraktion als "notwendiger Putsch"

"Ägypten zwischen Revolution und Konterrevolution": Das ist aus aktuellem Anlass heute ab 18.15 Uhr Uhr das Thema einer Podiumsdiskussion in der Universität.

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Quelle: Khaled Elfiqi

Marburg. Ägypten und kein Ende: Aufgrund der unvorhersehbar dramatischen Entwicklungen, die in der Absetzung des von der Muslimbruderschaft gestellten ägyptischen Präsidenten Mursi durch das Militär gipfelten, reagieren jetzt auch die Marburger Forscher aus dem Centrum für Nah- und Mitteloststudien (CNMS) und wollen über die aktuelle Lage öffentlich diskutieren. Moderiert von Professor Rachid Ouaissa vom Lehrstuhl für Politik des Nahen und Mittleren Ostens diskutieren heute ab 18.15 Uhr im Hörsaal 00 A26 im Orientzentrum (CNMS) in der Deutschhausstraße 12 drei Diskussionsteilnehmer: der Ägypter Dr. Atef Botros und Ivesa Lübben, wissenschaftliche Mitarbeiter von Professor Ouaissa sowie die aus Ägypten stammende Studentin Jaida Elshammaa.

Professor Ouaissa gibt im Gespräch mit der OP zu, dass er nicht mit der aktuellen Zuspitzung der Lage in Ägypten gerechnet hatte. „Ich war überrascht, wie wenig einfühlsam die Muslimbrüder mit der Macht umgehen.“, sagte ­Ouaissa. Dabei seien die Mitglieder der Muslimbruderschaft doch in Zeiten der Diktatur aufgewachsen und sollten nach Ansicht des Marburger Professors besser wissen, wie sensibel der Umgang mit der Macht gehandhabt werden müsse.

Ex-Präsident Mursi habe sich in den vergangenen Monaten zudem wie ein „Elefant im Porzellanladen“ verhalten und auch die falschen Berater gehabt, meint Ouaissa. Eine der Lehren für den pragmatischeren Flügel der Muslimbruderschaft müsse es sein, die Rolle ihrer Gruppierung verstärkt kritisch zu betrachten.

Ebenfalls überrascht zeigte sich Ouaissa von der Rolle der Armee und ihrem Eingriff in das Geschehen. „Eigentlich war ich froh, dass die Armee sich bis dahin aus der Politik zurückgehalten hatte“, analysiert Ouaissa. Doch dann hätten sich die Generäle doch eingemischt und auch keine Angst vor internationaler Verurteilung gezeigt.

„Notwendiges Übel“

Waren die erst wenige Wochen zurückliegenden Ereignisse ein Putsch oder eine Korrektur der Revolution, fragt sich Ouaissa und kommt zu dem Schluss, dass die Aktion der Armee rein institutionell gesehen ein Putsch gewesen sei - allerdings ein wohl notwendiger und von vielen Ägyptern auch willkommener Putsch.

Putsch oder Nicht-Putsch? Aus Sicht des ägyptischen Politikwissenschaftlers Dr. Atef Botros ist die Frage der Bezeichnung des Geschehens weniger spannend als die Frage, welche Konsequenzen die Einmischung des Militärs in die Politik, die Botros als „notwendiges Übel“ bezeichnet, für die ägyptische Innenpolitik hat. „Es kommt darauf an, wie wachsam der revolutionäre Block darauf achtet, dass das Militär sich wieder zurückzieht“, meint Botros. Allerdings weist der aus Ägypten stammende Forscher darauf hin, dass die Initiative zum Eingreifen nicht von den Generälen gekommen sei und sie sich nach der Übergabe der Macht an eine Übergangsregierung nicht in das politische Machtzentrum begeben würden. Eines sei allerdings auch klar, meint Botros: „Das Militär wird noch jahrelang großen Einfluss in Ägypten haben“.

Studenten in Kairo

Die ägyptische Hauptstadt Kairo, in der sich auch nach dem „arabischen Frühling“ ein Großteil der spannenden Umbrüche ereignet, ist auch Ausgangspunkt für die Feldforschung von Marburger Studierenden, die dort im Verbindungsbüro der Marburger Universität betreut werden. „Die Lage in Ägypten ist momentan zwar überschaubar und das Geschehen in Kairo ist vor allem auf zwei Plätze lokalisierbar“, meint Professor ­Ouiassa. Allerdings würde er Studierenden nicht unbedingt raten, sich direkt zu den Brennpunkten der Auseinandersetzung zu begeben. Dieses würden sie dann auf jeden Fall „auf eigenes Risiko“ machen, betont Ouaissa. Da in Ägypten Semesterferien sind, sind allerdings auch kaum Marburger Studenten vor Ort. Im Herbst werden sich wieder rund 20 Marburger Studierende nach Kairo begeben, erklärte Dr. Leslie Tramontini, CNMS-Koordinatorin, der OP auf Anfrage.

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