Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Milchbauern fordern Mengenbegrenzung

Höfesterben Milchbauern fordern Mengenbegrenzung

Viele Milchbauern im Landkreis stellen die Produktion ein: Von 2006 bis 2015 ist die Zahl der Milchbetriebe von 358 auf 161 gesunken.

Voriger Artikel
Bündnis prangert „rechte Hetze“ an
Nächster Artikel
Letztes Halali ist noch nicht geblasen

Der neugewählte Vorstand: (von links) der Landesvorsitzende Stefan Mann, Iris Trier, Kurt Werner und Dieter Müller.

Quelle: Martina Koelschtzky

Hommertshausen. „Wenn die Politik nicht endlich auf uns hört, geht die Milch aus Deutschland komplett verloren“, sagt der wiedergewählte Kreisvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Kurt Werner aus Hommertshausen.

In der Versammlung der Milchbauern war die derzeitige Milchkrise das Hauptthema. Seit dem Wegfall der Quotenregelung sei der Auszahlungspreis für die Bauern von um die 40 Cent pro Kilo auf derzeit im Schnitt 28 Cent gefallen, berichtete Werner. „Das sind in unserem Landkreis rund drei Millionen Euro Wertschöpfungsverlust im Jahr“, rechnete der Landesvorsitzende des BDM, Stefan Mann, vor. „Das ist Geld, das allen im Kreis fehlt, denn was die Bauern nicht haben, können sie hier auch nicht ausgeben.“

Immer mehr Milchbauern im Kreis stellten die Produktion ein, berichtete Werner. Bei Gründung des Kreisverbandes 2006 habe es im Landkreis noch 358 Milchviehbetriebe gegeben. „Heute sind es noch 161“, sagte er.

Der BDM fordere daher seit langem eine Mengenbegrenzung, um im Krisenfall den Milchpreis zu stabilisieren. „Aber die Politik will nicht auf uns hören. Und der Milchindustrie ist ein ruinöser Preis nur recht, dann bleibt ihr eine umso größere Gewinnspanne.“ Stefan Mann widersprach dem Rat der Politik, die überschüssige Milch auf dem Weltmarkt abzusetzen. „Wenn wir auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sein wollten, müssten wir auch all die Dinge tun wie in den USA oder Neuseeland: enthornen, gentechnisch verändertes Kraftfutter füttern, 30000 Kühe in einem Betrieb halten. Das will hier keiner.“

Im Schlepperkorso zur Agrarministerkonferenz

Kurt Werner berichtete von den vielen Aktionen der Bauern, um ihre Forderung nach einer Marktregulierung der Politik nahezubringen. So sind die Bauern auch aus dem Landkreis in Schlepperkorsos nach Münster, Brüssel, Berlin und zuletzt zur Agrarministerkonferenz nach Fulda gefahren. „Dort wollte der Minister nicht rauskommen und mit uns reden. Da mussten die Bauern eben reingehen. Das Büfett soll gut gewesen sein, habe ich gehört“, meinte er. Erstmals hätten die Agrarminister der Länder in ihrem Abschlusspapier immerhin die Möglichkeit der Mengenregulierung aufgenommen, berichtete Iris Trier vom Vorstand. In München hätten die Frauen einen Extratermin mit dem bayerischen Landwirtschaftsminister gehabt und ihre Position dargelegt.

Als Gast hatten die Milchbauern Anna Runzheimer, Abteilungsleiterin Landwirtschaft im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, eingeladen, die aus dem Ministerium berichtete. Sie teilte mit, dass die Neuordnung der Kriterien für die Ausgleichszahlungen in benachteiligten Gebieten für viele Bauern gerade im Hinterland Einbußen bringen werde. „Wir arbeiten daran, dass sich so wenig wie möglich ändert“, versprach sie.

Weiter berichtete sie von der Umsetzung der Punkte des Koalitionsvertrages zwischen CDU und Grünen im Land. „In Sachen Tierwohl wird es selbst für Ökobetriebe Probleme geben, wenn ab 2016 beispielsweise keine Schweineschwänze mehr gekürzt werden dürften, fürchtete sie. Auch auf Geflügel- oder Rinderhalter kämen neue Auflagen zu.

Bei den turnusmäßigen Neuwahlen wurde der Kreisvorstand der Milchviehhalter einstimmig wiedergewählt. Neben dem Vorsitzenden Kurt Werner gehören dem Vorstand Iris Trier, Dieter Müller und Christian Damm an.

von Martina Koelschtzky

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr