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Mietstreit am Rabenstein spitzt sich zu

Investor nimmt Mieter Licht und Sicht Mietstreit am Rabenstein spitzt sich zu

Bernhard Longinus fürchtet, aus seiner Wohnung gedrängt zu werden. Sein Vermieter hat eine Abbruchgenehmigung für das Haus und will dort wohl neu bauen.

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Wo Bernhard Longinus bislang einen unverbauten Blick auf die Stadt und das Schloss genießen konnte, stört nun ein Baugerüst, auf dem bislang niemand arbeitet.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. Es gibt in Marburg wohl nur wenige Lagen, in denen man einen vergleichbar schönen Blick auf Stadt und Schloss hat, wie am Rabenstein. Mit diesem Ausblick wirbt auch ein Immobilieninvestor aus dem Ostkreis für eine Wohnanlage dort.

Einem seiner Mieter, dem 65-jährigen Arzt Dr. Bernhard Longinus, mit dem er im Rechtsstreit liegt, nimmt er nun bereits seit drei Wochen ebendiese Sicht. Das Haus, in dem Longinus ein lebenslanges Mietrecht genießt, hat der Vermieter in der Woche vor Weihnachten komplett einrüsten lassen. Ein dichtes grünes Netz rund um das Gerüst erzeugt eine beklemmende Stimmung.

Zudem erschwert das Gerüst­ den Zugang zur Wohnung. ­Infolge der Abrissarbeiten im Erdgeschoss des Hauses ( die OP ­berichtete) funktioniert die ­Außenbeleuchtung nicht mehr – das Gerüst stellt im Dunkeln eine Gefahr dar. Das sieht auch das Bauamt so. Dort beschwerte sich Longinus am 22. Dezember. Nach einer Besichtigung wandte sich das Bauamt laut Auskunft der Pressestelle der Stadt an den Vermieter. Dieser habe zugesagt, „sich der Sache so schnell als möglich anzunehmen, um Herrn Dr. Longinus weiterhin einen sicheren Zugang zu seiner Wohnung zu gewährleisten“.

Einer der Gerüstbauer habe Longinus gegenüber damals geäußert, es sei geplant, das Gerüst für drei Monate stehen zu lassen. Bauarbeiten am Haus, die das Aufstellen des Gerüsts erklären, haben indes noch keine stattgefunden.

Mieter schaltete Polizei ein

Bislang ist auch noch nichts geschehen, was die Beleuchtung des Zugangs verbessert hätte, berichtet Longinus. Vielmehr wurde eine der drei installierten aber nicht funktionsfähigen Lampen entlang des Wegs umgeworfen. Am Mittwoch rückten dann zwei Arbeiter an, offenbar im Auftrag des Immobilieninvestors. Sie entfernten eine Eibenhecke rechts des Wegs zum Haus. Dieser Teil des Gartens ist nicht Mietgegenstand, das Stück links des Weges schon.

Nachdem Longinus einen der beiden sagen hörte, dass sie auch die Büsche in seinem Garten roden wollen, sprach er sie darauf an. „Als sie mir gegenüber aggressiv wurden, verständigte ich die Polizei. Die Beamten haben den beiden dann klargemacht, dass sie im von mir gemieteten Garten nichts gegen meinen Willen machen dürfen.“ Kurz darauf haben die beiden Arbeiter das Grundstück verlassen. Longinus vermutet, dass die Entfernung der Hecke eine Vorbereitung für den Bau einer Zufahrt zum Haus darstellt. Diese hatte­ der Immobilieninvestor in einem Schreiben vom 24. Dezember angekündigt.

Der 65-Jährige braucht diese­ Zufahrt nicht, kann nur vermuten, dass sie für weitere Arbeiten an seinem Haus gebaut wird. Welcher Art diese sein werden, weiß er nicht. Aber er hat eine schlechte Vorahnung. Der Arzt befürchtet weitere Schikanen, die ihn aus der Wohnung drängen sollen, in der er seit 28 Jahren lebt – die sein Zuhause ist.

Für das Zuhause seines Mieters hat der Immobilieninvestor ungeachtet dessen lebenslangen­ Wohnrechts eine Abbruchgenehmigung beantragt und diese im November 2015 erteilt bekommen. Er möchte offenbar ein Dreifamilienhaus auf das Grundstück bauen. Die Baugenehmigung dafür erteilte ihm das Bauamt laut Auskunft der Pressestelle der Stadt im Februar des vergangenen Jahres.

„Baugenehmigungen (sowohl für Errichtung als auch ­Abbruch) werden unbeschadet­ Rechter Dritter erteilt. Hieraus resultiert, dass privatrechtliche Interessen nicht im öffentlichen Baurecht zu prüfen sind“, ­
erklärt die Stadt. Diesbezüglich sei es am Betroffenen, eine­ ­zivilrechtliche Entscheidung herbeizuführen. Zu einem Gespräch mit der OP war der Immobilieninvestor nicht bereit.

von Philipp Lauer

 
 
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Am Rabenstein
Aus diesem Wasserhahn in Bernhard Longinus Wohnung kommt derzeit kein Wasser. Foto: Philipp Lauer

Nach langem Streit zwischen Mieter Dr. Bernhard Longinus und seinem Vermieter kommt am Rabenstein in Marburg eine Einigung in Sicht. Am Zustand der Beleuchtung des Wegs und der Wasserversorgung hat sich bislang nicht viel getan.

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