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Mieter zermürbt der Parkplatz-Kampf

Verkehr Mieter zermürbt der Parkplatz-Kampf

Ringen um freie Plätze: Damit Anwohner rund um das Südviertel mehr Parkflächen für Autos zur Verfügung haben, fordern Politiker eine Ausweitung des Anwohnerparkens. Die Stadt prüft Möglichkeiten am Schwanhof.

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„Neue Werte braucht das Land“, steht auf einem Schild am Hessischen Landestheater. Braucht es rund um die Gisselberger Straße und Am Schwanhof auch eine neue Anwohnerpark-Zone? Den Plan diskutieren derzeit Kommunalpolitiker. Foto: Tobias Hirsch

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Die eigentliche Arbeit beginnt für Thomas Kurz (27) nach Feierabend. Dann startet die Parkplatzsuche. Minutenlang kreiselt er mit dem Auto rund um die Schwanallee, die Straßen im Südviertel, die Leopold-Lucas-Straße. Irgendwann reißt es irgendwo eine Lücke, ein Stellplatz wird frei. „Ich bin jedesmal erleichtert, wenn ich die Suche hinter mir habe“, sagt er. Der Bürokaufmann leidet wie viele Marburger unter der mangelnden Zahl Parkplätze. Zunehmend eng wird es in Wohngebieten, in denen neue Häuser aus dem Boden gestampft wurden, Bewohner einzogen. Die meisten, zumal Berufstätige besitzen ein, manche zwei Autos. Da Tiefgaragen rar und öffentliche Stellflächen knapp sind, entbrennt täglich ein Kampf um die Parkplätze

Einige Politiker wollen mit Initiativen gegenzusteuern. Sie fordern eine Ausweitung des Anwohnerparkens in Marburg. „Es gibt Gegenden, etwa entlang der Gisselberger Straße und Am Schwanhof, wo sich neue Mieter und Firmen angesiedelt haben“, sagt Thorsten Büchner (SPD). Dort reichen seiner Auffassung nach die vorhandenen Flächen nicht, weshalb er kürzlich einen Prüfantrag in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht hat.

Parkmöglichkeiten rund um den Schwanhof werden geprüft

2100 Marburger besitzen derzeit einen Anwohnerpark-Ausweis für eine der insgesamt neun Zonen. Rund 31 Euro kostet der Schein pro Jahr. Büchners Plan schlagen sowohl Zustimmung als auch Skepsis anderer Fraktionen im Stadtparlament entgegen. „Tagsüber sind die meisten Parkplätze in Wohngebieten zwar frei, aber ab 18 Uhr wird es richtig eng. Eventuell könnte man Flächen ab dieser Uhrzeit für Anwohner ausweisen“, sagt Michael Weber (Piraten). „So ein Schritt nimmt anderen, die dort parken möchten und müssen, die Flächen weg“, sagt Karin Schaffner (CDU). Zum anderen sei das für jeden Anwohner mit aufgezwungenen Kosten verbunden, da sich jeder einen Ausweis kaufen müsste, um keinen Strafzettel zu bekommen. Bürgermeister Franz Kahle (Grüne) kann sich die Einrichtung weiterer Zonen vorstellen.

Die Stadtverwaltung prüft nach eigenen Angaben bereits die Möglichkeiten rund um den Schwanhof. Jedoch: „Die Zahl der freien und für Anwohner reservierten Parkplätze muss überall im Verhältnis stehen“, sagt er. Innerhalb eines Bewohnerparkbereichs dürfen nach Informationen der Stadt werktags von 9 bis 18 Uhr nicht mehr als 50 Prozent, in der übrigen Zeit nicht mehr als 75 Prozent der zur Verfügung stehenden Parkflächen für Bewohner reserviert werden. Die Parkplätze in Bewohnerparkbereichen, die auch weiterhin der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, sollen durch Parkschein- oder Parkscheibenregelung bewirtschaftet werden. Vor einer Entscheidung zu neuen Anwohnerpark-Zonen rund um den Schwanhof sollen aber alle Mieter, Eigentümer und ansässigen Firmen zu dem Plan befragt werden, sagt Kahle. Er rät zu einer Anwohner-Versammlung in naher Zukunft. Bei Autofahrern stößt die Idee auf Gegenliebe: „So wäre jedem, der in der Nähe wohnt, ein Parkplatz relativ sicher“, sagt etwa Michael Häuser (40). „Damit es die Situation entspannt, sollten Falschparker dann aber auch abgeschleppt werden“, ergänzt Silvia Flach (46).

Ralf Laumer, Sprecher der Stadt erläutert das Verfahren: „Die Anordnung von Bewohnerparkbereichen sind nur dort zulässig, wo mangels privater Stellflächen und aufgrund eines erheblichen allgemeinen Parkdrucks die Bewohner keine ausreichende Möglichkeit haben, in der Nähe ihrer Wohnung einen Stellplatz zu finden.“

Thomas Kurz muss von der Leopold-Lucas-Straße zu seiner Wohnung Am Schwanhof zwar keinen Gewaltmarsch hinlegen. „Aber entspannter wäre das Parken näher am Haus natürlich“, sagt er.

von Björn WIsker

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