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Mieter müssen entscheiden

Energetische Sanierung Mieter müssen entscheiden

Umfangreiche energetische Sanierungen will die Gewobau an vier ihrer Gebäude in Weidenhausen vornehmen lassen. Die Pläne stehen bereits - das letzte Wort haben die Bewohner.

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Die Gewobau will ihre Wohnungen in Weidenhausen energetisch sanieren und Baumängel beseitigen, die in der Vergangenheit für Ärger gesorgt haben.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Innerhalb der nächsten Wochen werden die 47 betroffenen Mietparteien schriftlich zu der geplanten Modernisierung befragt. Sollten sich mindestens 75 Prozent für das Projekt aussprechen, könne das Bauprojekt bis Oktober 2016 abgeschlossen werden, teilte die Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH am Donnerstag mit, die fest mit der Zustimmung der Bewohner rechnet.

Sollte das Bauvorhaben wie geplant über die Bühne gehen, entstünden „voll modernisierte Objekte nach heutigem Standard“, sagt Gewobau-Geschäftsführer Bernd Schulte. Angedacht ist eine energetische Sanierung der Gebäudehüllen der Häuser in der Sfaxer Straße 5, der Poitiers-Straße 1 sowie dem Friedensplatz 1, 3/5, 2 und 4/6.

In jedem Gebäude sollen die oberste Geschossdecke, die Kellerdecke und die Fassade gedämmt werden. Die Fenster, Rollläden und Balkone sollen an den aktuellen Energiestandard angepasst, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung eingebaut werden.

Mieten steigen real um

60 Cent pro Quadratmeter

Im Zuge einer umfangreichen Modernisierung würde der Mietpreis entsprechend steigen - um einen Euro pro Quadratmeter. „Mehr wird es nicht“, verspricht Schulte, der den Mietpreis auf zehn Jahre garantiert. Derzeit zahlen die 47 Parteien jeweils 4,88 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete, müssten demnach nach Ende der Bauarbeiten 5,88 Euro zahlen. Durch die effizientere Gebäudestruktur würde jedoch der Energieverbrauch sinken, was eine Einsparung bei Heiz- und Energiekosten von 40 Cent pro Quadratmeter bedeute, errechnete die Gewobau. „Die tatsächliche Mieterhöhung läge somit bei lediglich 60 Cent“, prognostiziert der Geschäftsführer.

Endgültig entschieden ist jedoch noch nichts. Sollten mindestens 75 Prozent der Mieter dem Projekt zustimmen, könnte je nach Witterung ab März oder April kommenden Jahres gebaut werden. Planmäßig würden die Bauarbeiten im folgenden Oktober beendet sein. Für die Maßnahme rechnet die Gewobau mit Gesamtkosten in Höhe von etwas über zwei Millionen Euro, wovon etwa 1,4 Millionen Euro auf die Modernisierung entfallen.

Die Generalüberholung der sanierungsbedürftigen Gebäude könnten die andauernden Querelen zwischen einigen Bewohnern und der Wohnungsbaugesellschaft endgültig beilegen. Seit Jahren streiten Mieter und Gesellschaft vor Gericht wegen diverser Mängel, der veralteten Haustechnik, Mietminderungen der genervten Bewohner oder Nebenkostenabrechnungen.

Den Ärger ihrer Mieter könne die Gewobau nach wie vor gut verstehen, sagt Schulte und verweist auf einen weiteren jahrzehntelangen Rechtsstreit. Seit über 20 Jahren führt die Gewobau einen Prozess gegen Planer, Architekten und Baufirmen, die nach Meinung der Gesellschaft beim Bau der Gebäude in den 1990er Jahren gepfuscht haben sollen. Wer für die vorhandenen Baumängel und Schäden verantwortlich ist, entscheidet das Gericht - vielleicht noch in diesem Jahr, hofft Schulte.

Gewobau verspricht

intensiveren Dialog

„Man versucht zu lernen“, versprach Schulte im Hinblick auf die wiederholte Berichterstattung in den Medien zu dem Thema. Die Gesellschaft wolle sich in Zukunft verstärkt auf eine „intensivere Öffentlichkeitsarbeit“ für ihre Mieter konzentrieren. Am vergangenen Mittwoch informierte die Gewobau die betroffenen Bewohner bereits über das Bauvorhaben in einer Mieterversammlung. Als Moderatorin vermittelte Journalistin Brigitte Bohnke, die sich über positive Resonanz seitens der rund 30 vertretenen Mietparteien freute. „Wir hatten ein sehr großes Echo, die Mehrheit war zufrieden“, lobte Bohnke.

Kritik am Zustand einiger Wohnungen kam dennoch aus den Reihen der Bewohner auf, die sich über nach wie vor vorhandenen Schimmel oder defekte Heizungsanlagen ärgern.

Sollte das Projekt nicht die erforderlichen 75 Prozent Zustimmung der Bewohner finden, muss die Gesellschaft neu planen. „Das haben wir noch nicht zu Ende gedacht“. Für diesen Fall müssten vorhandene, durch falsche Bauweise entstandene Mängel repariert werden. Eine Modernisierung falle dann jedoch weg, die Gebäude blieben „auf dem Stand von 1993 - das wäre technisch nicht schön“, so Schulte und hofft auf eine anhaltende positive Resonanz der Mieter.

Praktika fürFlüchtlinge geplant

Darüber hinaus plant die Gesellschaft in naher Zukunft ein weiteres Projekt: die Teilnahme an der Flüchtlingsintegration. „Ein wichtiges Thema“, betont Schulte. Die Gewobau will innerhalb der nächsten zwei Wochen ein einjähriges Praktikum für vorerst drei anerkannte Flüchtlinge aus Marburg anbieten.

Je ein Betroffener könne in Zukunft entweder im Wegebau, in der Malerkolonne oder im Unternehmen selber als Dolmetscher für verschiedene Mieter tätig sein, teilte die Geschäftsleitung mit. Die Arbeitskraft unter Wert nutzen wolle man dabei auf keinen Fall, die neuen Praktikanten sollen „über Mindestlohn“ bezahlt werden.

von Ina tannert

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