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Mieten in Marburg: Preisbremse soll greifen

Gesetzesänderung Mieten in Marburg: Preisbremse soll greifen

Kampf gegen Mietenexplosion: Der Deutsche Mieterbund und Politiker versprechen sich von der Einführung der Mietpreisbremse in der Universitätsstadt "einen Stopp der Kostenspirale nach oben"

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Kann eine Mietpreisbremse, die 2015 eingeführt werden soll, das teure Wohnen stoppen? Darüber diskutierten am Montagabend Politiker, Verbandsvertreter und Immobilien-Experten. Archivfoto

Quelle: Arno Burgi

Marburg. Der Plan der Bundesregierung: Immobilieneigen-tümer sollen ab 2015 bei Wiedervermietungen die Miete nur noch um zehn Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete an-heben dürfen. „Diese Neuregelung schafft keine neuen Wohnungen. Sie sorgt jedoch dafür, dass Apartments nicht mehr unverändert, unrenoviert, aber teurer weitervermietet werden“, sagt Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbunds. „Das Ziel ist, die Abzocke von Wohnungssuchenden zu verhindern - gerade in Ballungsräumen und Universitäts-städten“ sagt Florian Pronold (SPD), Staatssekretär im Bauministerium.

In Marburg stößt die geplante Einführung während einer Podiumsdiskussion am Montagabend auf Zustimmung. „Der Druck auf Marburgs Mietmarkt ist groß. Wir brauchen zukünftig mehr generationenüber-greifendes Wohnen“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). Derzeit wisse die Stadt von 300 Wohnungssuchenden. „Neu gebaut wird aber nur noch im Hochpreissegment. Es entstehen Eigentums-, aber keine Mietwohnungen. Dabei brauchen die dringend neuen, bezahlbaren Wohnraum“ sagt Siebenkotten. Von 3,5 Millionen Sozialwohnungen seien noch 1,5 Millionen übrig - „Tendenz fallend“, da jährlich rund 100 000 Sozialwohnungen aus der sogenannten Preisbindung fallen.

Problem: Neue, moderne Wohnhäuser zu bauen, die Anforderungen wie Energieeffizienz und Barrierefreiheit erfüllen, würden sich laut Vaupel „nicht immer mit sechs, sieben Euro Kaltmiete pro Quadratmeter realisieren, lassen.“

Marion Schmitz-Stadtfeld von der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte hält es für „traumtänzerisch“, nach Billig-Mieten in Innenstadtlagen zu verlangen. „Es muss gelingen, angrenzende Stadtteile attraktiver zu machen und Investoren für Sozialbauprojekte zu gewinnen.“ Architekt Martin Vaché: „Wir müssen anerkennen, dass wir Angebot und Nachfrage nie permanent in Einklang bringen werden“, sagt er. Trends kehren sich schneller um als Politik, als Wohnungsbau reagieren könne. 2005 sei die Wohnraumknappheit erkennbar gewesen, jetzt, zehn Jahre später laufe die Reaktion erst an. „Mietpreise haben Einfluss auf die Stadtentwicklung. Ein kurzer Stopp der Miet-spirale nach oben reicht also nicht aus “, sagt Sören Bartol, stellvertretender SPD-Fraktionschef (Archivfoto). Trotzdem gelte für die Mietpreisbremse zunächst nur eine vorübergehende, fünfjährige Dauer.

Skepsis, ob das Instrument wirkt, herrscht bei Zuhörern: „Tausende Neuvermietungen gibt es wegen des Studenten-Aus- und Einzugs in Marburg jährlich. Wenn ein Vermieter jedesmal um zehn Prozent erhöhen kann, droht ein Mietwucher“, sagt Jan Forge, Makler von Wiora-Immobilien. Siebenkotten entgegnet: „Niemand kann immer wieder um zehn Prozent erhöhen. Das geht nur solange, bis der Preis über zehn Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt.“ Forges Konter: In Marburg kenne aber niemand die reale Vergleichsmiete, einen Mietspiegel gebe es nicht. In den letzten Immobilien-berichten, so Forge, habe es etwa im Südviertel Angaben von Kaltmieten in der Größenordnung 8,50 Euro pro Quadratmeter gegeben. „Das kann nicht stimmen. Auch in der Oberstadt sind 20, 25 Euro pro Quadratmeter nicht unüblich.“ Bartol sagt: „Eben solche Exzesse sollen künftig verhindert werden. Mietsenkungen kann und soll die Regelung nicht erzwingen.“

von Björn Wisker

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