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Messerstiche angeblich aus Notwehr

Berufungsprozess Messerstiche angeblich aus Notwehr

Das ursprüngliche Urteil lautete zwei Jahre und zehn Monate Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung. Dagegen legte der Angeklagte nun Berufung ein. Denn er habe aus Notwehr gehandelt.

Marburg. Das Urteil gegen den 21 Jahre alten Mann aus Stadtallendorf hatte das Jugendschöffengericht bereits im Dezember vergangenen Jahres verhängt. Dagegen legte er Berufung ein - die Verhandlung fand gestern vor dem Marburger Landgericht statt.

Zur Tat: Im September vergangenen Jahres fuhr der 21-Jährige gemeinsam mit einem Freund zu dessen Ex-Freundin. Vor deren Wohnung in Marburg kam es zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem ehemaligen Paar. Im Anschluss entstand ein Streit zwischen der jungen Frau und dem Angeklagten. Nach dessen Angaben war der Auslöser der Konfrontation ein vorangegangenes Telefonat, in dem sie sich mit ihm verabreden wollte. Während der Auseinandersetzung zog der Beschuldigte die Frau an den Haaren zu Boden und trat ihr gegen die Hüfte. Schließlich zückte er ein Klappmesser, bedrohte sie und setzte ihr das Messer laut Anklage an den Hals. Der Bekannte versuchte der Frau zu Hilfe zu kommen und griff den Freund an, schlug ihm ins Gesicht. Daraufhin stach der Angeklagte ihm mit dem Messer in den Oberkörper. Im folgenden Gerangel der beiden Männer stach er noch vier weitere Male zu, bis der andere Mann schließlich aufgab.

Der stark blutende Geschädigte bat seinen Angreifer, ihn ins Krankenhaus zu fahren. Im Universitätsklinikum wurde der Verletzte umgehend notärztlich versorgt. Der ärztliche Bericht bestätigte multiple Stichverletzungen des Brustkorbes von ein bis zwei Zentimetern Länge, eine Schädigung der Lunge und massiven Blutverlust. Durch die Messerstiche fiel die Lunge teilweise zusammen und konnte nur durch einen schmerzhaften Eingriff gerettet werden.

Opfer leidet immer noch unter den Verletzungen

Bis heute ist der Mann durch die Verletzung beeinträchtigt

Am gestrigen Verhandlungstag stellte der Angeklagte den Tathergang anders dar. Er hätte der Frau das Messer nicht an die Kehle gehalten, die Waffe nur gezogen, um sie von sich fernzuhalten. Während des Streits soll sie ihn beleidigt und geschlagen haben.

Seine Angriffe gegen den Geschädigten begründete er mit Notwehr. Der Freund habe bei der vorangegangenen Verhandlung gelogen, ihn am Tatabend mehrfach geschlagen und getreten. Nachdem er ihn mit dem Messer bedrohte, sei der Zeuge erneut auf ihn losgegangen. „Ich wollte ihn mit dem Messer erschrecken“, so der Angeklagte. Er sei verwirrt über die Attacken des „guten Kumpels“ gewesen. Wahrscheinlich stand dieser unter Einfluss von Drogen, mutmaßte der Stadtallendorfer. Er habe befürchtet, selbst schwer verletzt zu werden. Während der Prügelei habe er daher immer wieder zugestochen, bis der die Flucht ergriffen habe. Im Anschluss habe er ihn jedoch in die Klinik gefahren. Die Ex-Freundin sei mitgekommen - aus Angst, er könne dem Freund weitere Gewalt antun, gab der Mann zu. Der Geschädigte hatte zudem nicht die Absicht, ihn anzuzeigen, wollte „kein Verräter sein“. Während der Fahrt dachten sich die drei Beteiligten eine Geschichte aus, um die schweren Verletzungen zu erklären. Der Polizei erzählten sie, mehrere fremde Männer hätten sie angegriffen. Die Lüge flog jedoch auf.

Richter Dr. Thomas Wolf konnte die Beweggründe des Angeklagten nicht nachvollziehen. Dessen Verletzungen bei der Schlägerei seien nicht schwer gewesen und würden die massiven Messerattacken aus Notwehr nicht erklären.

Während des Prozesses kam heraus, dass der Angeklagte vor einigen Monaten in einer psychiatrischen Klinik stationär behandelt wurde. Diese Tatsache könne das Urteil beeinflussen, betonte das Gericht, der Angeklagte schwieg jedoch dazu.

Da weder das Opfer noch die Zeugin trotz Ladung vor Gericht erschienen waren, wurde die Verhandlung auf Anfang August vertagt.

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