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Messerstecherin droht härtere Strafe

Revision Messerstecherin droht härtere Strafe

Mord statt Totschlag? Nach Abschluss des Prozesses gegen eine Jura­studentin, die im Frühjahr 2014 Laura S. getötet hat, ist gegen das Urteil des Landgerichts Revision ­eingelegt worden.

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Die Messerstecherin (27) mit ihrem Anwalt Sascha Marks während des Landgerichts-Prozesses im Dezember 2014.

Quelle: Archiv

Marburg. Der wegen Totschlags verurteilte Südviertel-Messerstecherin (27) droht nun eine höhere Strafe. Nach OP-Informationen ist das vom Landgericht Marburg Ende Dezember gesprochene Urteil nicht rechtskräftig geworden. Grund: Die Eltern des Opfers Laura S. (29) haben über ihre Nebenklage-Anwältin Elke Edelmann Rechtsmittel (Revision) eingelegt. Der Marburger Rechtsanwalt Sascha Marks, Verteidiger der 27-Jährigen, bestätigt das. Damit wird wohl in einer neuen Verhandlung in den kommenden Monaten über das Urteil beziehungsweise Rechtsfehler – die die Nebenklage vermutet – entschieden.

„Nicht nur für die Eltern der Getöteten macht es einen Unterschied, dass die Täterin wegen guter Führung eventuell nach fünf, sechs Jahren wieder aus dem Gefängnis kommen könnte“, sagt Edelmann auf OP-Anfrage. Bei einem höheren Strafmaß, einer Verurteilung  wegen Mordes, wäre eine Haftentlassung erst nach 15 Jahren möglich. Die Messerstecherin sei, wie Edelmann sagt, „nach wie vor gefährlich“ – etwa für den Ex-Freund von Laura S., der zuvor mit der Täterin eine Beziehung führte.

„Wenn schon jemandem das Leben genommen wird, geht es um eine möglichst vollständige Aufklärung, vor allem für die Angehörigen der Opfer. Solche Verbrechen sollte man nicht in drei, vier Verhandlungstagen schnell ausurteilen“, sagt sie. Die Rechtsanwältin hat den Fall nun an einen Münchener Revisionsspezialisten übergeben.

Urteil des Landgerichts lautet auf acht Jahre Haft

Unter den Gründen, die die Nebenklage vorbringen will, ist unter anderem das umstrittene psychiatrische Gutachten. Ein minderschwerer Fall des Totschlags liegt laut Edelmann „bei diesem Tathergang keinesfalls“ vor. Zudem soll die Aussage eines Zeugen, der sich beim Prozess auf seine Schweigepflicht berief, in ein neues Urteil einfließen. Die Bewertung der Revisionsgründe obliegt dem Bundesgerichtshof. Der zweite Strafsenat in Karlsruhe, der für den Bezirk Marburg zuständig ist, wird das nach dem Eingang der ausformulierten Revisionsbegründung prüfen.

Die geständige Täterin war Ende Dezember zu acht Jahren Gefängnis wegen Totschlags in einem minderschweren Fall verurteilt worden. Sie tötete im Frühjahr 2014 in der Straße Am Kupfergraben die Freundin ihres Ex-Freunds mit mehr als 30 Messerstichen. In dem Prozess ging der beauftragte Gutachter von einer Affekttat aus. Ein Grund für die Analyse: Es soll vor der Attacke erst zu einem Streit gekommen sein, die Aggression habe sich eigentlich gegen den Ex-Freund, der die Jurastudentin entjungfert, ausgenutzt und erniedrigt haben soll, gerichtet. Der Affekteinschätzung folgte das Landgericht, was sich auf das Strafmaß auswirkte.

Irritationen löste der Prozess in der Universitätsstadt aus, weil die Angreiferin am Tattag zwei Messer sowie Dutzende Schlaftabletten samt Wasserflasche und einen Abschiedsbrief dabei hatte. Die Nebenklage unterstellte der Täterin Planung, Vorsatz und Heimtücke – weshalb sie von einem Mord ausgingen. Das Landgericht sah die im Strafrecht definierten Mordmerkmale hingegen nicht als erfüllt an.

von Björn Wisker

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