Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Messerstecherei: Prozess mit 29 Zeugen

Aus dem Landgericht Messerstecherei: Prozess mit 29 Zeugen

Ein Streit eskalierte. Die Folge: Ein junger Mann, der in der Studentenstadt Marburg nachts unterwegs war, starb. Nun versuchen Juristen die schreckliche Szene aufzuarbeiten. Am Montag beginnt der Prozess.

Voriger Artikel
SPD holt sich Hilfe fürs Programm
Nächster Artikel
Die Anklage lautet auf Mord

Die Spurensicherung war wenige Stunden nach der Tat im Oktober 2014 am Schuhmarkt in der Marburger Oberstadt im Einsatz.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Ein heute 27-jähriger Mann soll in der Reitgasse und am Schuhmarkt in der Oberstadt nach einer Kneipentour am frühen Sonntagmorgen im Oktober 2014 in einen Streit mit einem 20-Jährigen geraten sein. Im Zuge der Auseinandersetzung soll er ein Taschenmesser gezückt und den jungen Mann damit erstochen haben. Zuvor soll das Opfer versucht haben, sich mit einer Stange zu wehren.

Der mutmaßliche Täter hatte sich wenige Stunden nach dem Angriff der Polizei gestellt und erklärt, dass er ein Messer in der Hand gehalten habe. Ein Geständnis hat er nicht abgelegt. Als mutmaßlicher Täter muss er mit einer Verurteilung wegen Totschlags rechnen: Ab Montag beginnt der Prozess gegen ihn. Die 6. Strafkammer (Schwurgericht) des Landgerichts Marburg unter dem Vorsitz von Dr. Carsten Paul hat zunächst zehn Prozesstage angesetzt.

29 Zeugen und zwei Sachverständige sind geladen. Die Gutachter sollen Angaben zu medizinischen Ergebnissen und psychischer Verfassung machen. Mehrere Zeugen sollen – und das wird das Schwierige – Angaben zur Tat machen. Denn Opfer und Täter waren nicht allein unterwegs, sondern in Begleitung von Gruppen.

Familie des Opfers verzichtet auf Nebenklage

Auf der Straße am Schuhmarkt waren die Streitigkeiten mit rund zehn schwer alkoholisierten Beteiligten eskaliert. Nun müssen diese Männer sehr genau berichten, wie und warum der Streit begann und dann tödlich endete. Bisher gab es nach Angaben der Staatsanwaltschaft keinen Hinweis darauf, dass eine Notwehrlage vorgelegen habe.

Die Staatsanwaltschaft Marburg ist Ankläger. Die Familie des Opfers hat bis jetzt auf eine Nebenklage verzichtet. Der Angeklagte wird von drei Anwälten verteidigt, von Pflicht- und Wahlverteidigern, erklärt Dr. Marco Herzog, Pressesprecher des Landgerichts auf Anfrage der OP.  Der Angeklagte befindet sich seit Dezember nicht mehr in Untersuchungshaft (die OP berichtete).

Die Messerstecherei – gepaart mit mehreren anderen gewalttätigen Übergriffen in dem Zeitraum – hatte eine anhaltende Debatte über die Sicherheit in der Oberstadt entfacht. Die Stadtverwaltung hatte nach dem Vorfall verstärkte Streifen von Polizei und Ordnungsamt angeordnet.

  • Der öffentliche Prozess beginnt am Montag, 14. September, ab 9 Uhr im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Marburg. Weitere Termine sind am 21. September und 12. Oktober. Der letzte Verhandlungstag ist nach jetzigem Stand für den 7. Dezember vorgesehen.

von Anna Ntemiris

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr