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Messerstecher soll in Psychiatrie

Aus dem Gericht Messerstecher soll in Psychiatrie

Weitere Aussagen im Gerichtsprozess zum versuchten Mord: Der psychisch kranke Täter will aufgrund eines „telepathischen Befehls“ gehandelt haben.

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Die Staatsanwaltschaft sieht in dem geständigen Messerstecher eine „Gefahr für die Öffentlichkeit“.

Quelle: Archivbild / dpa

Marburg. „Na, guckt ihr auch alle zu?“ – so will sich der Beschuldigte nach eigener Aussage kurz vor der Tat „telepathisch“ an nicht näher bestimmte Personen gewandt haben, bevor er sich Mitte Juli 2015 entschied, seinen Nachbarn zu erstechen. Neben Rachegefühlen und dem Wunsch eingesperrt zu werden, meint der Täter telepathische Botschaften einer oder mehrere Frauen zu hören.

Das ahnungslose Opfer wollte an diesem Morgen gerade mit seinen drei kleinen Kindern das Haus verlassen. Im Flur sprach ihn der Angeklagte unüblich freundlich an, verwickelte ihn gezielt in ein Gespräch. Auf die Frage des Geschädigten wie es ihm gehe, antwortete er laut Anklage „zum Kotzen. Das habe ich für dich, ich bringe dich um“ und zückte das Messer.

Lebensbedrohlich mit Messer veletzt

Vor den Augen der Kinder attackierte er sein Opfer, fügte ihm schwere Stichwunden am Bauch zu, verletzte den Mann lebensbedrohlich. Während des folgenden Gerangels versuchte der Geschädigte den Angreifer fernzuhalten, presste ihm den Arm an den Oberkörper und wurde mehrfach in den Rücken gestochen.

Mehrere alarmierte Nachbarn trennten beide am Boden liegende Männer voneinander. Das Opfer wurde umgehend im Krankenhaus notoperiert. „Er war schwer verletzt, es war fürchterlich“, erinnerte sich eine Zeugin vor Gericht. Bei dem Versuch dem Täter das Messer zu entwinden, wurde eine Bewohnerin im Gesicht verletzt.

Die Anklage bestätigte der Beschuldigte bereits zum Prozessauftakt am Donnerstag, „das ist faktisch so alles richtig, ich bin mir meiner Schuld bewusst“, sagte der geständige Täter ungerührt. „Ich habe ihn abgestochen“, verkündete der Mann bereits kurz nach der Tat vor seinen Nachbarn, gaben mehrere Zeugen an.

Eigentlich habe er ihn nicht umbringen wollen, angeblich gezielt keine lebensnotwendigen Organe verletzt, betonte der Beschuldigte. Laut Aktenlage stimmt das nicht – „ich wollte, dass der dreckige Bastard verreckt“, teilte er offen während einer ersten polizeilichen Vernehmung mit.

Verbale und körperliche Auseinandersetzungen

Bereits einige Zeit vor der Tat kam es zwischen ihm und verschiedenen Nachbarn zu verbalen wie körperlichen Auseinandersetzungen. In der Nachbarschaft sei der Mann als zurückhaltend, ausländerfeindlich, „gestört“ oder auch „unheimlich“ wahrgenommen und meist in Ruhe gelassen worden, gaben einige Bewohner an. Denen warf der Angeklagte teils kränkendes, abfälliges Verhalten ihm gegenüber vor, zog während der Verhandlung kurios erscheinende, provozierende Schlussfolgerungen aus dem alltäglichen Verhalten der Mitmenschen.

Der an paranoider Schizophrenie erkrankte Mann glaubt zudem, dass sein Opfer als „illegaler Priester“ tätig sei, ihn für eine dubiose religiöse Sekte rekrutieren wollte. Auch der Polizei gegenüber hatte der Täter davon gesprochen, dass er geistig von mehreren, nicht näher erfassten Frauen kontrolliert werde.

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus für den als schuldunfähig geltenden Mann. Laut Strafgesetzbuch ist eine solche gerichtliche Anordnung dann rechtlich gestattet „wenn die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Tat ergibt, dass von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist“.

Die Wahrscheinlichkeit dafür erscheint hoch. Ob ein solcher Fall tatsächlich gegeben ist, wird die Kammer in dem Verfahren, das noch einige Wochen dauern dürfte, erörtern.

von Ina Tannert

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