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Messerstecher droht lange Haftstrafe

Totschlag-Prozess Messerstecher droht lange Haftstrafe

Stiche in Herz und Lunge, bei denen Knochen gebrochen sind: Im Prozess gegen einen Messerstecher (24), der die Tötung seiner Schwiegermutter (51) gestanden hat, ist das Gerichtsmedizin-Gutachten eingebracht worden.

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Der Landgericht-Prozess wird um einen Verhandlungstag verlängert – das Urteil fällt wohl Ende Februar.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Dass Knochen, wie hier Brustbein und Rippen brechen, dafür ist erhebliche Gewalt erforderlich“, sagt Gabriele Lasczkowski ,Gerichtsmedizinerin. Zwei der mindestens drei Stiche in den Körper der 51-Jährigen seien „tödlich“ gewesen.

Als „potenziell lebensbedrohlich“ bewertet die Sachverständige auch die Verletzungen der beiden anderen verletzten Opfer. Nach der Attacke auf die Schwiegermutter jagte der Metallbauer seine Ehefrau (23) durch das Mehrfamilienhaus in der Moischter Straße. Er stach in einem Nachbar-Apartment laut Gutachten mindestens sechs Mal auf sie ein.

Stiche hätten lebensbedrohlich sein können

Die meisten Wunden, erläutert Lasczkowski, gehen demnach auf Abwehrverletzungen zurück. Vor allem jene Einstiche im Oberkörper aber – wenn sie etwas tiefer oder versetzt gewesen wären – hätten lebensbedrohlich sein können. Bereits zuvor attackierte er seinen Schwager (20), verletzte ihm am Bauch. „Es hätte für beide massiv schlimmer enden können. Gerade die Stiche Richtung Herz- und Bauchregion“, sagt sie.

Diese Einschätzung könnte dafür sorgen, dass sich das Strafmaß verschärft. Neben der von der Staatsanwaltschaft formulierten Totschlag-Anklage (bezogen auf die Schwiegermutter) könnte das Landgericht nun noch zweifachen versuchten Totschlag (anstatt wie bislang je gefährliche Körperverletzung) annehmen.

Indizien für Ankündigung der Tat verdichten sich

„Reiner Zufall ist es, dass es nicht zu noch mehr kam. Er stach wahllos auf seine Ehefrau ein“, sagt Rechtsanwältin Dr. Marina Marschall. Ihre Kollegin Dr. Elke Edelmann ergänzt: „Der Tod wurde billigend in Kauf genommen“. Ein sogenannter richterlicher Hinweis, der auch dazu dienen kann, die Anklagepunkt zu verändern, sei bislang jedoch nicht erteilt worden.
Zeugen konnten am Montag indes kaum Angaben zu der Beziehung und dem Tatmotiv machen.

Der Ex-Lebenspartner der Getöteten (45) schildert indes jahrelange Familien-Fehden, bezeichnet zudem das 23-jährige Opfer als dem Angeklagten „hörig“, dieser sei für die junge Frau „nicht nur Traummann, sondern Messias“ gewesen.
Weitere Indizien gibt es indes für eine Ankündigung der Tat durch den 24-Jährigen: In Chats mit Internet-Bekanntschaften schreibt der Angeklagte zwei Tage vor den Messerangriffen davon, dass er „die Bitch am Freitag killt, der Entschluss ist gefasst“ (Hintergrund: 30. Mai war ein Freitag). Wenn sie ihm das Ehebett nicht gebe „ist es aus, ich hasse die so“. Schon wenige Tage zuvor habe er seine Ehefrau „fast erwürgt“, nur die Kinder hätten ihn „gebremst“.

Der Angeklagte hatte bereits beim Prozessauftakt ausgesagt, in den Wochen vor der Tat, nach der Trennung „mit den Nerven am Ende“ gewesen zu sein. Das bestätigt sein Vater (58): „Er war seltsam drauf an dem Tag, der so schrecklich endete. Schon zuvor, das mit der Trennung machte ihn fix und fertig.“ Er sei „traurig“ gewesen in dieser Zeit, sein Gemüt „wechselte zwischen Weinen und wütend“.

Tatwaffe wohl nicht im Körper abgebrochen

Die Klinge des bei den Angriffen auf die 23-Jährige abgebrochene Keramikmesser ist indes laut Fach-Gutachten wohl nicht im Körper des Opfers zerstört worden. Die Verletzungsmuster deuten eher nicht darauf hin, schildert Lasczkowski. Dass das Messer nicht für einen Überfall gedacht war, sondern als Spachtel-Ersatz für die Renovierung der frisch angemieteten Wohnung – so, wie der Angeklagte aussagte – sagt der Vater.

Die Nebenkläger bezweifeln die Aussagen des Vaters, der davon ausgehe, dass seinem Sohn „eine Falle durch Schwiegermutter, Ehefrau und Schwager gestellt“ worden sei.

  • Fortsetzung: 13. Februar, 9 Uhr, Saal 101.

von Björn Wisker

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