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Mehrheit will die Bahn in Takt bringen

Nahverkehr Mehrheit will die Bahn in Takt bringen

Rolle rückwärts: In der jüngsten Sitzung desRegionalen Nahverkehrsverbundes (RNV) votierte eine Mehrheit für die Wiederherstellung des Stundentaktes auf der Main-Weser-Bahn zwischen Marburg und Gießen.

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Nicht zufrieden: Fronhausens Bürgermeister Reinhold Weber (3. von links) konnte sich in der RNV-Sitzung beim Thema Bahnhalte mit seiner Sichtweise nicht durchsetzen.Foto: Martina Koelschtzky

Sterzhausen. 14 der 19 anwesenden Verbandsversammlungsvertreter aus den Mitgliedsgemeinden des RNV hielten für dieses Ziel auch Einschnitte im Südkreis für vertretbar. Erst im Sommer war dieses Ansinnen bei einer RNV-Versammlung mit Mehrheit abgelehnt worden. Dagegen argumentiert hatten damals die Vertreter der Südkreisgemeinden Ebsdorfergrund, Fronhausen, Weimar sowie Lohra und Gladenbach, weil dadurch auf ihrem Streckenabschnitt einige Zughalte wegfallen würden.

„Es ist eine Frage der Solidarität“, befand Sterzhausens Ortsvorsteher Dirk Geißler, der das Konzept für eine Wiederherstellung des Stundentaktes zwischen Marburg und Frankfurt in der jüngsten Sitzung vorstellte. Er räumte ein, dass für die schnelle Verbindung die Haltepunkte zwischen Marburg und Gießen (Marburg-Süd, Niederweimar, Niederwalgern, Fronhausen, Friedelhausen, Lollar) auf fünf Verbindungen am Tag verzichten müssen.

„Für das gemeinsame Ziel der Region, einen Taktverkehr zu den Ballungsräumen herzustellen, sollten die Südkreisgemeinden dieses Opfer bringen“, fand Geißler. Schließlich bestehe dort derzeit eine halbstündige Anbindung, während das Lahntal und das Hinterland nur alle zwei Stunden eine Verbindung erreichen könnten.

Bisher halten die Regionalexpress-Züge der Hessischen Landesbahn (HLB) zwischen Gießen und Marburg an allen Haltepunkten und verlangsamen dadurch die Verbindung von und nach Frankfurt um 14 Minuten, erläuterte Geißler. Dadurch sei einerseits kein Stundentakt möglich, der seit der Verlegung des IC auf der Strecke Kassel - Frankfurt im Jahr 2009 nicht mehr existiere.

Andererseits warteten die HLB-Züge schon jetzt 40 Minuten im Marburger Bahnhof, bevor sie nach Frankfurt zurückführen. „Mit der schnelleren Taktung würde die Zeit reichen, auch Kirchhain und Stadtallendorf noch anzufahren“, erläuterte Geißler.

Südkreis fühlt sich abgehängt

In einem vierstufigen Konzept sollten zuerst ab Ende 2013 die HLB-Züge zwischen Gießen und Marburg ohne Halt als Regionalexpress fahren. Dadurch wäre der Stundentakt wieder hergestellt, und auch die Obere Lahntalbahn und die Burgwaldbahn erhielten stündliche Anschlussmöglichkeiten.

In einem zweiten Schritt soll die gewonnene Zeit für die Verlängerung der HLB-Fahrten bis Stadtallendorf genutzt werden. In einem dritten Schritt schließlich soll die HLB ab Ende 2014 auch die Strecke zwischen Kassel und Treysa bedienen, und letztlich zwischen Stadtallendorf und Treysa alle zwei Stunden den Mittelhessenexpress ersetzen und so die durchgehenden Verbindungen von Kassel nach Frankfurt verbessern.

Entschiedener Protest gegen diesen Vorschlag kam aus den Südkreisgemeinden, die schon in der Juni-Sitzung des RNV dieses Konzept abgelehnt hatten - und damals eine Fünf-zu-vier-Mehrheit in der Versammlung fanden. Fronhausens Bürgermeister Reinhold Weber kündigte an, unter diesen Umständen überlegten er sowie seine Amtskollegen Peter Eidam (Weimar) und Andreas Schulz (Ebsdorfergrund), ob man sich noch weiter am RNV beteiligen wolle. Für die Gemeinde Lohra kritisierte Markus Hemberger, seine Gemeinde werde durch das Entfallen der Haltepunkte zwischen Gießen und Marburg „vollständig abgehängt“.

Auch die Vertreter der Gemeinden Weimar und Ebsdorfergrund machten deutlich, dass sie entschieden gegen den Wegfall der fünf Verbindungen für den Südkreis seien. Reinhard Ahrens (Weimar) wollte geprüft sehen, ob eine Herstellung des Stundentaktes nicht auch ohne Streichungen möglich wäre. Diese Prüfung vor einer Beschlussfassung befürworteten auch Manfred Hoim (Landkreis) und Bürgermeister Peter Pfingst (Steffenberg).

Schließlich stimmten 14 der Gemeinde-Vertreter für das Vier-Stufen-Modell, fünf waren dagegen. „Das bedeutet noch nicht, dass wir diese Idee auch durchsetzen können“, erinnerte der RNV-Vorstand und Erste Kreisbeigeordnete Karsten McGovern. „Um eine Änderung durchzusetzen, müssen auch der Landkreis Gießen sowie die Städte Gießen und Marburg dafür sein.“

Und dort sind die Interessen gespalten. Während sich die Gremien der Stadt Marburg, aber auch zum Beispiel die Philipps-Universität, deutlich für das Konzept der Initiative „Main-Weser-Bahn im Takt“ ausgesprochen haben, gab es aus der südlichen Nachbarstadt und dem Landkreis Gießen bislang ablehnende Voten.

Zu Beginn des neuen Jahres will die Fahrplaninitiative nach eigenen Angaben ihre Bemühungen verstärken, auch Stadt und Landkreis Gießen für das Regionalexpress-Konzept auf dem mittelhessischen Abschnitt der Main-Weser-Bahn zu gewinnen. Denn solange die Region nicht mit einer Stimme spricht, könnte es schwer sein, innerhalb des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) eine Änderung durchzusetzen.

Der erste Schritt könnte frühestens zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 verwirklicht werden, so McGovern. Für eine spätere Erweiterung des Angebots gäbe es noch eine weitere Hürde: die Finanzierung. Denn wenn die Verbindung zum Beispiel in den Ostkreis verlängert würde, hieße das auch, zusätzliche Leistungen einzukaufen. Angesichts der aktuellen Spardiskussionen im Öffentlichen Personalverkehr, aber auch bei der Haushaltslage der Kommunen ist das eine Herausforderung für alle Beteiligten.

von Martina Koelschtzky

und Michael Agricola

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