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Mehr als 1 000 Mikrobiologen tagen in Marburg

Wissenschaftliche Tagung Mehr als 1 000 Mikrobiologen tagen in Marburg

Auf der Marburger Mikrobiologie-Tagung wird die „Mikrobe des Jahres 2015“ vorgestellt, und es gibt viele Vorträge sowie Wissenschafts-Kabarett mit Vince Ebert.

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Die Mikrobe des Jahres  2015.

Quelle: VAAM

Marburg. Rund 1200 Teilnehmer hat die 30. Jahrestagung der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM), die von Sonntag bis Mittwoch in Marburg stattfindet.

Es ist eine der größten naturwissenschaftlichen Tagungen in Marburg in diesem Jahr, und im Mittelpunkt steht dabei als Austragungsort vier Tage lang das Marburger Uni-Hörsaalgebäude. Bereits vor 25 Jahren trafen sich die Mitglieder der mikrobiologischen Vereinigung an der Uni Marburg, erläuterte der Organisator, der Marburger Mikrobiologe Professor Erhard Bremer, im Gespräch mit der OP.

Für den Wissenschaftler, der einen Lehrstuhl am Fachbereich Biologie der Philipps-Universität hat, bedeutet es eine große Ehre, anlässlich der 30. Jahrestagung des Verbands so viele Kollegen in Marburg zu empfangen. Er weist aber auch darauf hin, dass Marburg seit vielen Jahren national und international ein Zentrum der mikrobiologischen Forschung ist. So ist hier das Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie angesiedelt und arbeitet mit den mikrobiologischen Gruppen am Fachbereich Biologie eng zusammen.

Symbole haben mit Marburger Forschungserfolg zu tun

Zudem sorgt seit einigen Jahren das Zentrum für synthetische Mikrobiologie mit dem Namen „Synmikro“ für die Wahrnehmung des Standorts Marburg auf der Forschungslandkarte. Dort wird unter anderem an der Veränderung von Mikroorganismen geforscht, so dass man sie besser für die Biotechnologie nutzen kann.

Die synthetische Mikrobiologie ist auch ein Schwerpunkt-Thema auf dem Kongress, ebenso wie die bakterielle Zellbiologie oder das Thema „Mikrobielle Evolution“ .

Wie spannend und vielgestaltig das Thema Mikrobiologie sein kann, zeigt sich schon an den vier runden Symbolen in den Farben Hellgrün, Lila, Rosa und Hellblau, die das Kongressplakat zieren und mit denen es eine besondere Bewandtnis hat, die auch mit einem Marburger Forschungserfolg zu tun hat.

Es handelt sich bei den Symbolen auf dem von Kongress-Sekretärin Patricia Wagner gestalteten Plakat um eingefärbte Exemplare von „Bio-Filmen“, die im Original einen Durchmesser von rund zwei Zentimetern haben. Sie enthalten jeweils einige Millionen von Bakterien des Typs „Bacillus subtilis“. Diese Bakterien leben ursprünglich im Boden und wurden zuerst im Jahr 1899 an der Uni Marburg entdeckt und isoliert.

Auf der Tagung gibt es zwölf Hauptvorträge

„Diese Bakterien produzieren eine Art Zucker-Oberfläche oder Matrix“, erläutert Professor Bremer. Genutzt werden die Bakterien, die das Pflanzen-Wachstum fördern und als natürlicher Dünger verwendet werden, in der Forschung als eine Art Modell-Organismus. Übrigens sind sie im Gegensatz zu den Bakterien des verwandten Stammes „Bacterium anthraxis“, der auch als Biowaffe verwendet wurde, eher harmlos.

Insgesamt gibt es auf der Tagung zwölf Hauptvorträge. Besonders gespannt ist Bremer auf den Vortrag von Professor Johannes Krause, der erklärt, wie man das Genom von ausgestorbenen, krankmachenden Mikroorganismen rückwirkend analysieren kann  und welche Schlussfolgerungen man  aus historischen Epidemien in der Gegenwart ziehen kann.

Der Tübinger Wissenschaftler hat maßgebend an der Genom-Sequenzierung des Neandertalers mitgearbeitet und berichtet unter anderem, wie er sich auf die Spur des Lepra-Erregers begeben hat.  Auf der Tagung wird übrigens auch zum zweiten Mal eine „Mikrobe des Jahres“ vorgestellt.

Mit dieser Aktion wollen die Mikrobiologen öffentlichkeitswirksam auf interessante Mikroorganismen hinweisen. Die Mikrobe des Jahres 2015 ist das Knöllchenbakterium, das den wissenschaftlichen Namen „Rhizobium“ hat, was auch „in den Wurzeln lebend“ bedeutet. Diese Mikrobe erleichtert den Anbau von Gemüse wie Bohnen, Linsen oder Erbsen oder Futtermittel wie Klee. „Die Bakterien liefern diesen Pflanzen das für ihr Wachstum notwendige Ammonium auf natürlichem Weg und ersetzen damit künstlichen Dünger“, heißt es in einer Mitteilung des Mikrobiologen-Verbands.

Einen exklusiven Leckerbissen gibt es noch für alle Teilnehmer des Kongresses in Marburg. Der Wissenschafts-Kabarettist ­Vince Ebert wird für sie einen Auszug aus seinem aktuellen Programm mit dem Titel „Evolution“ präsentieren. Dabei beschäftigt er sich auf unterhaltsame Weise mit nichts weniger als dem Geheimnis des Lebens. „Vor rund 3,5 Milliarden Jahren entstand die erste Lebensform – und natürlich standen von Anfang an Mikroorganismen im Mittelpunkt“, erläutert Ebert. In seinem Vortrag will er naturwissenschaftlich fundiert erklären, welche Bedeutung die „kleinen Lebewesen“ für den Menschen haben.

von Manfred Hitzeroth

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