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Mehr Platz für Radler in Biegenstraße

Verkehrsplanung Mehr Platz für Radler in Biegenstraße

Die Biegenstraße wird ab diesem Jahr für den Radverkehr umgebaut. Eine Konsequenz: Die Park-plätze am Straßenrand müssen anders angeordnet werden. Kritiker fürchten „die Sektorierung durch die Hintertür“.

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In der Biegenstraße wird es ab diesem Jahr Umgestaltungsarbeiten für eine Radverkehrs-Verbesserung geben. Foto: Björn Wisker

Marburg. Auf der kompletten Strecke zwischen Kino und Volkshochschule soll es künftig Radstreifen geben. In den kommenden Monaten beginnen die Umgestaltungsarbeiten, zunächst auf dem Stück vom Gerhard-Jahn-Platz bis zur Savignystraße. Zum einen werden nach Angaben von Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) Straße und Gehwege erneuert, die Radverkehrsstreifen ausgewiesen, Bäume gepflanzt - etwa vor dem Ernst-von-Hülsen-Haus.

Ab 2017, so erläutert Kahle auf OP-Anfrage, werde auch der Biegenstraßen-Abschnitt in Richtung Deutschhausstraße umgebaut. Hauptanliegen ist es laut Magistrat, dem Radverkehr „eine Alternative zu der in Zukunft stärker als bisher frequentierten Johannes-Müller-Straße (Anm. d. Red.: nahe Alter Botanischer Garten) anzubieten“.

Parktaschen am Straßenrand werden verändert

Damit für die Radstreifen auf der Biegenstraße in Koexistenz mit den Autofahrspuren Platz ist, werden die Parktaschen am Straßenrand verändert. Anstatt schräg, sollen die Stellflächen künftig wohl parallel zur Fahrbahn platziert werden. „Das wird die Situation für den Radverkehr deutlich verbessern“, sagt Kahle.

Kritik äußert Joachim Brunnet, CDU-Verkehrspolitiker. Gerade die Biegenstraße werde durch den Nordstadt-Verkehrsversuch in wechselseitiger Abhängigkeit und einer „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit folgenden Sperrung des Pilgrimsteins enorm belastet“.

Die Biegenstraße werde „absichtlich verengt. Die künstlich geschaffene Enge führt zu einem enormen Gefahren- und Unfallpotential für Rad- sowie Autofahrer“, sagt Brunnet. Auf den laufenden und weiterhin kontrovers diskutierten Verkehrsversuch Nordstadt folge nun ein Verkehrsversuch Biegenstraße, „in dessen Schlepptau wiederum der ‚Verkehrsversuch Pilgrimstein‘, der ‚Verkehrsversuch Rudolphsplatz‘ sowie der ‚Verkehrsversuch ‚Elisabethstraße“. Es handele sich um eine „durch die Hintertür eingeführte Sektorierung der Innenstadt“. Die Verkehrspolitik der vergangenen Jahre sei auf eine „reine Verdrängung und Behinderung des Autoverkehrs ausgerichtet“, sagt Brunnet.

BfM: „Unverantwortlich, einneues Fass aufzumachen“

Einen Parkplatz-Wegfall werde es durch die Neu-Anordnung jedoch nicht geben, da die ehemalige Bushaltestelle Volkshochschule für neue Stellflächen vorgesehen sei, sagt Kahle.

Die Biegenstraßen-Umgestaltung basiert auf den Ergebnissen des Verkehrsentwicklungsplans Nordstadt, der von der Parlamentsmehrheit 2002 beschlossen worden ist.

Radfahrer begrüßten die Entwicklung. „Verbindliche Streifen, auf denen Autos nicht fahren und halten dürfen, sind ebenso wichtig wie überfällig. Diesen Trend zu faktischen Radwegen im Straßenverkehr brauchen wir in der Stadt“, sagt Wolfgang Schuch, ADFC-Verkehrsexperte.

Ein dementsprechender Umbau der Biegenstraße zum Schutz von Radfahrern sei richtig. Jedoch sei diese Achse für sie weniger bedeutsam als für Fußgänger, die aufgrund der künftigen Uni-Campusentwicklung zwischen Erlenringmensa, Hörsaalgebäude, Botanischer Garten, Klinikviertel und Pilgrimstein viel zahlreicher in der Umgebung unterwegs sein würden. „Massenweise Verkehr wird es an diesem neuen Knotenpunkt geben. Deshalb müsste es eigentlich so sein, dass in dem ganzen Bereich Autos hinter den querenden Fußgängern und Radfahrern zurückstehen, also nur Schritttempo fahren dürfen“, sagt Schuch.

Die „Bürger für Marburg“ lehnen den Biegenstraßen-Plan indes ab. Der Straßenquerschnitt gebe das nicht her und die Straße dürfe ohnehin „auf keinen Fall isoliert betrachtet werden“, sagt Andrea Suntheim-Pichler, Stadtverordnete. Unter Berücksichtigung des nicht abgeschlossenen und kontrovers diskutierten Nordstadt-Verkehrsversuchs, sei es „unverantwortlich, ein neues Fass aufzumachen“. Die ganze Sache solle per „Reset zurückgesetzt und alles neu überdacht“ werden. In Bezug auf eine Verbesserung für den Radverkehr sei es grundsätzlich sinnvoller, den Pilgrimstein für Autos zu sperren und nur eine Südanfahrt zum Parkhaus zu ermöglichen.

In der Biegenstraße sei nur der Parkplatzplan auf der Fläche der ehemaligen Vhs-Bushaltestelle „wünschenswert“.

Das Stadtforum Radverkehrsplan (samt Ausblick auf kommende Projekte) beginnt heute um 17 Uhr im Historischen Rathaussaal.

von Björn Wisker

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