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U-Untersuchungen werden erneuert

Mehr Papier, wenige Verbesserungen

Ab September sollen die neuen Regelungen für die Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern greifen. Welche Änderungen gibt es und was sagen Experten dazu? Ein Überblick.
Eine Kinderärztin untersucht während der Pflichtuntersuchung (U8) ein vierjähriges Mädchen. Ab dem 1. September 2016 treten ein paar Neuerungen bei den U-Untersuchungen in Kraft. Foto: Patrick Pleul

Eine Kinderärztin untersucht während der Pflichtuntersuchung (U8) ein vierjähriges Mädchen. Ab dem 1. September 2016 treten ein paar Neuerungen bei den U-Untersuchungen in Kraft.

© Patrick Pleul

Marburg. „Wir haben uns lange eine neue Reform gewünscht“, sagt der Marburger Kinderarzt Stephan Heinrich Nolte. Nun ist das Untersuchungsheft, das viele als „Gelbes Heft“ kennen, vollständig überarbeitet und um einige Seiten erweitert worden. Darin werden die Vorsorgeuntersuchungen und deren Ergebnisse von der Geburt eines Kindes bis zu seinem sechsten Lebensjahr vermerkt.

Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe (CDU) plant auch einige Leistungsänderungen. So soll unter anderem die Impfschutz-Beratung mit in das Programm der U-Untersuchungen aufgenommen werden.

Babys, die vor Inkrafttreten der neuen Regelungen, also vor dem ersten September geboren werden, sollen eines der neuen Hefte bekommen können. Eine verpflichtende Umstellung bestehe jedoch nicht, teilte Dr. Nolte mit. Alle
Kinder, die vor 2016 zur Welt gekommen sind, werden demnach ihr „altes Heft“ behalten können.

Das sind die Neuerungen

Eigentlich sollten die neuen Regeln bereits im Juli in Kraft treten. Aufgrund von Datenschutzbedenken wurde das Papier dann aber nochmal überarbeitet, erklärt Nolte. Der Mediziner selbst hat das etwa 100 Seiten starke, reformierte Heft noch nicht zu Gesicht bekommen. Den Ärzten sei bisher nur eine PDF-Datei mit den vorläufigen Informationen zugeschickt worden.

Auf medizinische Leistungen, die bei den bisherigen Untersuchungen übernommen wurden, müssen Eltern und Kinder jedenfalls nicht verzichten, weiß Nolte.

Es handele sich viel mehr um eine Erweiterung des bestehenden Angebots. So steht bei der Neuregelung beispielsweise die Untersuchungen der Augen und Ohren deutlicher im Fokus. Dazu gehört unter anderem ein Hörtest für Vierjährige.
Außerdem werde es für die Kinder eine gesonderte Karte geben, welche die Teilnahme an den Untersuchungen bescheinigt, sagte Nolte. Dadurch soll vermieden werden, dass private oder vertrauliche Informationen – wie beispielsweise ärztliche Befunde – beim Vorzeigen des Hefts preisgegeben werden müssen.

Neu im Fokus steht bei der Untersuchung auch die Interaktion zwischen Eltern und Kind – „das war bisher vollkommen ausgeklammert“, erklärt Nolte. Ebenfalls werde in den neuen Richtlinien ein Mukoviszidose-Screening bei Neugeborenen angeboten.

Kritik: Mediziner in Sachen Kindeswohl nicht ausgebildet

Diese Neuerungen bedeuten natürlich auch mehr Aufwand für die Ärzte. Jedoch spiegele sich der erhöhte zeitliche Aufwand nicht in ihrer Vergütung wider, erklärt der Marburger Kinderarzt. Was bringt die Neuregelung der Untersuchungen? Nolte hat dazu eine klare Meinung: Eine wirkliche Verbesserung beinhalte das neue „Gelbe Heft“ nicht.

Lediglich der Umfang und damit auch der Papierverbrauch habe sich erhöht. Beispielsweise seien die verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen von Schulkindern noch immer nicht mit in das Dokument eingearbeitet worden. Momentan
enden die verpflichtenden Untersuchungen mit dem sechsten Lebensjahr.

Seine kritische Haltung untermauert der Mediziner mit weiteren Beispielen aus der Neuregelung. So werde das Aufgabengebiet der Kinderärzte in einer Passage um ein wesentliches Feld erweitert: Die Mediziner sollen bei ihren Untersuchungen zukünftig auch auf mögliche Anzeichen von Kindesmisshandlungen hinweisen. Dieser Aspekt ließe sich nicht  einfach aus der Sozialpolitik in das Gesundheitswesen übertragen – zumal die meisten Ärzte in Sachen Kindeswohl und -gefährdung gar nicht richtig ausgebildet seien, kritisiert der Kinderarzt.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Ausarbeitung des Heftes: Die Neuregelung sei federführend von einem Bundesausschuss entwickelt worden, wobei die Ärzte jedoch nur in beratender Funktion einbezogen wurden.

von Laura Wege


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