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Mehr Angebote für Begegnungen in Polen

15 Jahre Partnerschaft Mehr Angebote für Begegnungen in Polen

Eine kleine Delegation des hiesigen Landkreises erneuerte auf Einladung des polnischen Landkreises Koscierzyna in der gleichnamigen Stadt die bereits seit 1999 eingegangene Freundschaft.

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In Polen standen viele informative Gespräche an. Hier sprechen Ralf Laumer (von links), Kirsten Fründt und der Kreistags-Vorsitzende Detlef Ruffert mit dem Chef der Feuerwehr von Koscierzyna, Tomasz Klinkosz (Zweiter von links).

Quelle: Landkreis

Marburg. Landrätin Kirsten Fründt und der Kreistagsvorsitzende Detlef Ruffert dokumentierten mit ihrer Unterschrift unter den Partnerschaftsvertrag den Willen und den Wunsch nach weiteren Begegnungen von Menschen aus den beiden Landkreisen. Neben dem Landkreis unterhalten auch die Kommunen Lahntal, Cölbe, Ebsdorfergrund und Weimar partnerschaftliche Beziehungen zu Kommunen im Landkreis Koscierzyna.

Die polnische Landrätin Alicja Zurawska weilte mit ihrer Delegation bereits im vergangenen Oktober zu den Feierlichkeiten anlässlich der 15-jährigen Partnerschaft in Marburg. Jüngst erfolgte der versprochene Gegenbesuch. Nun ist es kein Geheimnis, dass es aktuell bei verschiedenen bedeutenden politischen Themen zwischen der polnischen Regierung und der Regierung der Bundesrepublik, na sagen wir mal, hakt. „Ein Grund mehr, die positiven Kontakte und entstandenen Freundschaften auf kommunaler Ebene zu pflegen und weiter zu vertiefen“, sagt Landrätin Kirsten Fründt im Gespräch mit der OP. Und sie kann von ihrem Besuch in Polen auch nur berichten, dass das Interesse an einem Austausch und einer Zusammenarbeit auf vielen Ebenen nicht geringer geworden ist.

Das Land über persönlichen Kontakt kennenlernen

Im Gegenteil. „Will man Menschen und Land kennenlernen, geht das nur über den persönlichen Kontakt“, so Fründt. Und sie bestärkt Menschen aus dem Kreis, die sich mit dem Gedanken tragen, nach Koscierzyna zu fahren, darin, dies auch zu tun. Gerade jetzt. „Das, was in der Öffentlichkeit diskutiert und berichtet wird, ist zunächst im Kopf und lässt auch die Frage aufkommen, ob man  noch nach Polen fahren kann oder sollte“, gibt Fründt zu. Aber ihre gerade gemachten Erfahrungen bestärken sie darin, dass die Menschen vor Ort nichts von ihrer Herzlichkeit und ihrem Interesse an Kontakten nach Deutschland verloren haben. Sie sagt aber auch, dass der Einfluss der neuen polnischen Regierung schon vorhanden sei und es nun an den Polen sei, sich damit auseinanderzusetzen.

„Ich denke, es waren doch viele über das Vorgehen der neuen Regierung erschrocken. Deshalb ist es gut, vor Ort zu sein, zu sehen und zu hören wie damit umgegangen wird.“ Und der Austausch fördert auch das Verstehen, warum andere anders handeln. „Beim Thema Flüchtlinge beispielsweise loben die Polen die logistische Leistung Deutschlands, verstehen aber nicht, warum wir das hier so machen. Polen selbst versteht sich auch nicht als Einwanderungsland.“

Erlebnisfahrt für Jugendliche nach Koscierzyna

Auf der Ebene des Austauschs wird es vielversprechend weitergehen. Die Basis dazu bilden die zahlreichen Verbindungen zwischen Schulen, Feuerwehren, Folkloregruppen und verschiedenen Verbänden, Partnerschaftsvereinen und auch einzelnen Bürgern. Aktuell veranstaltet der Landkreis Marburg-Biedenkopf von 8. bis 13. August eine Erlebnisfahrt für 14- bis 18-jährige Jugendliche aus dem Landkreis nach Koscierzyna in Polen. Die Teilnehmer verbringen die Zeit gemeinsam mit polnischen Jugendlichen, um sich mit ihnen über ihren Alltag auszutauschen. Eine Tagesfahrt nach Danzig, der Besuch der wohl einzigartigen Seenlandschaft der Kaschube sowie gemeinsame Projekte und Sport- und Freizeitaktivitäten stehen dabei auf dem Programm.  

Wie sehen die weiteren Planungen aus? „Also, wir planen zum Beispiel den Kontakt von Jugendlichen über gemeinsame Sportveranstaltungen, etwa ein Handball-Camp einmal hier und einmal dort“, sagt Fründt. Und das Klimaschutzthema wird auch beide Seiten gemeinsam beschäftigen. An einer für das nächste Jahr angedachten Klimaschutzkonferenz soll auch eine Delegation aus Südtirol teilnehmen.

„Wie wichtig es den Polen mit der Partnerschaft ist, kann man auch an ganz anderen Dingen ablesen“, meint Fründt. Etwa an dem schönen Gedenkstein, der bereits anlässlich des fünfjährigen Bestehens in Koscierzyna öffentlichkeitswirksam aufgestellt wurde.

von Götz Schaub

 
Standpunkt

Freundschaft schafft Frieden

Ganz ehrlich, was man so von der polnischen Regierung alles so hört, sieht und liest, stimmt einen nicht so zuversichtlich, was das deutsch-polnische Verhältnis angeht. Deshalb ist es schön, dass gewachsene Freundschaften wie die Partnerschaft der Landkreise Koscierzyna und Marburg-Biedenkopf sich davon wenig bis gar nicht beeindrucken lassen. Im Gegenteil. Im Zuge der durch Unterschrift bezeugten symbolischen Erneuerung der 1999 eingegangenen Partnerschaft lassen sich die Kreisspitzen neue Konzepte einfallen, wie etwa junge Leute miteinander in Kontakt kommen. Das ist ein guter Weg, denn Kontakte bringen Freundschaften und Freundschaften bedeuten Frieden.  

von Götz Schaub

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