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Medizinkurse platzen aus allen Nähten

Universität Medizinkurse platzen aus allen Nähten

Am Fachbereich Medizin gibt es in diesem Wintersemester 80 neue Studierende mehr als eigentlich von der Studienkapazität her aufgenommen werden können.

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Professor Eberhard Weihe (rechts) leitet Studierende in einem Präparationskurs des dritten Semesters im Anatomischen Institut der Universität an. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg . Im Dekanat des Fachbereichs Medizin ist jetzt Organisationstalent gefragt: Statt der eigentlich vorgesehenen Zahl von 433 neuen Studierenden haben zum Wintersemester 512 Neuanfänger ihr Medizinstudium aufgenommen. Das sorgt für große Probleme: Es gibt viel zu wenige Plätze in den für das erste Semester obligatorischen Praktika und Seminaren „Naturwissenschaft für Mediziner“ in Biologie, Chemie und Physik und in den Präparationskursen in der Anatomie. Die Folge: Zu Beginn des Semesters waren schon einige Kurse voll und mehrere Praktika geschlossen.

Der Ansturm auf das Medizinstudium in Marburg war jetzt auch Thema in der Fragestunde im Uni-Senat. Ursache der Überfüllung in dem eigentlich durch eine Obergrenze beschränkten Studiengang Humanmedizin ist eine unglückliche Verkettung mehrerer Faktoren, erläuterte der für das Thema Studium zuständige Uni-Vizepräsident Professor Harald Lachnit der OP auf Anfrage. Zum einen habe es noch eine „Welle“ von 48 Studierenden aus den vorherigen Semestern gegeben, die sich per Gericht eingeklagt haben.

Außerdem sei der Fachbereich Medizin bei den Zuteilungen von Studierenden über die Zentrale Vergabestelle von Studienplätzen (ZVS) dieses Mal auch noch „überbucht“ worden. Im Gegensatz zu den Vorjahren hätten in diesem Wintersemester leider deutlich mehr Studierende einen Stu­dienplatz angenommen. So hätten sich 29 Studierende mehr als vorher erwartet eingeschrieben. Damit habe man aber aufseiten der Verantwortlichen nicht rechnen können.

Zudem sei die Obergrenze bereits im Gegensatz zum Wintersemester 2011 sowieso schon auf 433 statt nur 396 Studienanfänger festgeschrieben worden - als vorsorgliche Reaktion auf die Auslegung der Studienplatzkapazität durch das Verwaltungsgericht.

In der Kombination aller Faktoren führte das nun zu einem deutlichen personellen „Überhang“, so dass nicht jeder neue Medizinstudent alle vorgeschriebenen Kurse belegen kann.

Hoffnung auf „einmaligen Kraftakt“

Dass das Medizinstudium in Marburg so beliebt ist, hat also nun auch seine Kehrseite, und es muss seit einigen Wochen bei der Organisation von Seminaren und Kursen improvisiert werden.

„Es gibt unterschiedliche Lösungen: So wurden die Gruppengrößen erhöht, und es gibt Kursangebote an den Wochenenden“, erläutert Lachnit.

Doch irgendwann gebe es auch eine Kapazitätsgrenze in den Seminaren, erklärt Jan Steinmetzer, der als Referent des Medizin-Studiendekans für die Organisation des Studiums mit verantwortlich zeichnet. So mache es alleine aus versicherungstechnischen Gründen keinen Sinn, sehr viel mehr als 15 Studierende in den Praktika oder 20 Studierende pro Seminar zuzulassen. „Bei insgesamt 80 Studierenden mehr stoßen wir in Sachen Personal und Lehrsäle an unsere Grenzen“, betont Steinmetzer.

Deswegen habe man entschieden, dass die Studierenden jeweils ihre Kurse teilweise auch erst im zweiten oder dritten Semester absolvieren könnten. Das sei zwar sowohl aus didaktischen als auch aus organisatorischen Gründen nicht besonders sinnvoll, aber leider nicht anders machbar. „Wir hoffen, dass das ein einmaliger Kraftakt ist“, machte Steinmetzer deutlich.

Für die Studierenden machte Georg Brand von der Fachschaft Medizin auf OP-Anfrage deutlich, dass mit der Überfüllung der Kurse auf jeden Fall für einen Teil der Studierenden eine Mehrbelastung verbunden sei. So herrsche auch bei einigen Kommilitonen Resignation. Jedoch müsse man anerkennen, dass das Studiendekanat sich bemühe, sinnvolle Lösungen zu entwickeln.

von Manfred Hitzeroth

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