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„Medizinfrau“ praktiziert im Hinterland

Serie "50 mit 50" (Teil 34) „Medizinfrau“ praktiziert im Hinterland

Im Bad Endbacher Ortsteil lebt eine waschechte „Medizinfrau“: Karin Becker ging bei den Cree-Indianern in Kanada in die Lehre und arbeitet im Hinterland als Heilpraktikerin.

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Karin Becker wurde 1964 im Nordschwarzwald geboren, kam durch die Liebe in das Hinterland und hat sich der indianischen Heilkunst verschrieben.

Quelle: Helga Peter

Bottenhorn. Seit 2008 praktiziert Karin Becker in Bottenhorn etwas Außergewöhnliches: Sie heilt mit indianischen Kräutern. Gelernt hat sie das bei den Cree-Indianern. Das indianische Volk bezeichnet sich selbst als „Ayisiniwok“ und „Aha payew“ – als die „wahren Menschen“. Von ihnen stammt auch die von Umweltorganisationen verbreitete Weisheit „Erst, wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann“, mit der auf die Umweltproblematik aufmerksam gemacht wurde.

Die Indianer, so berichtet Becker, verbinden das Wissen um die Heilkräuter stets mit Geschichten. Die Geschichte um die „Kalmuswurzel“ kennt Becker aus dem Effeff. So seien während der großen Sintflut der indianischen Überlieferung nach Biber, Otter und die hässliche Wasserratte mit etwas Erde zurückgekommen.

Auf dem Rücken einer Schildkröte sei mit dieser Erde eine neue Heimat entstanden, wonach Nordamerika auch als „Turtle Island“ (Schildkröteninsel) und die Kalmuswurzel als „Rat Root“ (Rattenwurzel) benannt wurde. Einen guten Tipp für die bevorstehenden Festtage hat Karin Becker auch parat: Gegen die Völlerei und das Sodbrennen hilft nämlich die „Kalmuswurzel“. Die Indianer gießen die Heilpflanze zu Tee auf, er schmecke allerdings scheußlich: „Er zieht einem die Schuhe aus.“

Von Kronberg nach Wien und über den großen Teich

Am 9. November 1964 erblickte Karin Becker in Freudenstadt-Lossburg die Welt. Sie wuchs als Einzelkind auf. Eine besonders intensive Verbindung hatte sie zu ihrer Großmutter und ihrer Tante. Ihr „allerbester Freund“ war ihr Vater, der an Krebs starb, als Becker gerade einmal neun Jahre alt war. Sie hatte ihren Vater zu vielen Untersuchungen begleitet, das Krankenhaus allzu oft von innen gesehen. Insgeheim hoffte sie, es müsse auch menschlicher zugehen können.
So war es auch nicht verwunderlich, dass sie der Beruf der Fremdsprachensekretärin nicht mehr ausfüllte.

Zunehmend manifestierte sich bei ihr der Gedanke, sich der alternativen Medizin zu verschreiben. Gesagt, getan: Sie ließ sich in Kronberg/Taunus zur Heilpraktikerin ausbilden. Zwölf Jahre lebte sie in Wien, bevor sie 2008 über den großen Teich zu den Cree-Indianern reiste, um noch mehr über die Kräuterheilkunde zu erfahren. Wenn Becker von ihren Erlebnissen berichtet, leuchten ihre Augen. Ein unvergessliches Erlebnis.

Der Kontakt kam damals über einen Geschäftspartner zustande, dessen Tante eine „Medizinfrau“ war. Niemals zuvor habe Becker so viel gelacht, sie schwärmt geradezu von dem göttlichem Humor der Indianer. Die über Indianerfilme verbreiteten Klischees könne sie seitdem nicht mehr ertragen. „Sie passen nicht zur Kultur der Indianer!“, sagt sie. Die Zeit, die sie mit den Cree verbracht hat, veränderte ihr Leben.

Interesse für Medizin liegt ihr in den Genen

Ihre Aufgabe sieht Becker nun darin, Menschen zu helfen, die chronisch krank sind. Ihre Praxis nennt sie „Medicine Wheel“ (Medizinrad), ein Symbol des Glaubens und eine Lebensphilosophie. Das Medizinrad stehe für die vier Himmelsrichtungen, die vier Lebensabschnitte, aber auch die vier Jahreszeiten.

An Zufall bei ihrer Berufswahl glaubt Becker nicht: Die Medizin muss ihr in den Genen liegen, ist sie sich sicher, denn schon ihr Urgroßvater hat sich mit Homöopathie beschäftigt. Davon zeugt ein Buch aus dem Jahr 1837, das ihr ein Cousin überließ. Beckers Steckenpferd ist auch die klassische Homöopathie, die Bachblüten-Therapie und die Iris-Diagnostik. Abschalten vom stressigen Alltag kann Karin Becker am besten in der Natur. Sie joggt gern. Auch sammelt sie unterwegs Heilpflanzen.

Wer mehr über die Pflanzen wissen will, den verweist sie auf einen Rundgang im Botanischen Garten in Marburg. Dort gibt es einen „Indianerpfad“. Außer dem Joggen steht bei Karin Becker das Reiten hoch im Kurs. Auf dem Rücken der Pferde sind bei ihr Seele, Herz und Körper im Einklang. Der Weg ins Hinterland war für die 50-Jährige quasi vorprogrammiert. Ihr Mann hat seine „Wurzeln“ im Bad Endbacher Ortsteil Bottenhorn, wo es das Paar letztlich hinzog.

von Helga Peter

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