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Mediziner entlarven neue Allergien

Mediziner entlarven neue Allergien

Forscher entdecken mehrere neue Allergien und rätseln über wirksame Therapieansätze: Mehr als 100 Teilnehmer zählte der Experten-Kongress in Marburg. Kritik gab es an manchen Behandlungsmethoden.

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Fachleute aus verschiedenen medizinischen Bereichen diskutierten Neuerungen bei den Therapien von Allergien. Berichte gab es auch über neuartige Allergien. Foto: Ina Tannert

Marburg. Eine der zahlreichen Erkenntnisse, die auf dem Symposium diskutiert wurden und in besonderem Maße das Interesse der Zuhörer weckte, war die Entdeckung einiger neuartiger Allergie-Formen. So habe eine aktuelle Studie ergeben, dass Wissenschaftler eine neuartige allergische Reaktion nach dem Genuss von rotem Fleisch entdeckt haben, erklärte Professor Tilo Biedermann aus Tübingen. Das Interessante dabei sei, dass die Symptome erst nach sieben bis acht Stunden auftreten. Der Großteil der bekannten allergischen Reaktionen entwickelt sich bereits innerhalb einer Stunde nach Kontakt mit dem Allergen.

Ebenfalls ungewöhnlich war die Erkenntnis über eine sonderbare Weizen-Allergieform, die ausschließlich nach körperlicher Anstrengung auftritt. Bei dieser Erkrankung führt der alltägliche Kontakt mit der Weizenart, etwa durch den Verzehr eines Brötchens, zu keinerlei Reaktion. Erst durch stärkere körperliche Betätigung im Anschluss wird die Allergie ausgelöst, betonte Biedermann. Dieses ungewöhnliche Forschungsergebnis interessierte die Zuhörer ganz besonders. „Wir wollen nicht nur behandeln, sondern auch Wissen vermitteln“, betonte Symposiumsleiter Doktor Wolfgang Pfützner, leitender Oberarzt der Marburger Dermatologie und Allergologie des Uniklinikums Gießen-Marburg (UKGM).

Insgesamt zehn Referenten unterschiedlicher Fachdisziplinen berichteten im Kongresszentrum über neueste Erkenntnisse und Empfehlungen aus der Allergie-Forschung. Organisiert hatte das Symposium die Gesellschaft zur Förderung der dermatologischen Forschung und Fortbildung. Über einhundert Zuhörer nahmen an der Veranstaltung teil, verfolgten und diskutierten die Vorträge über den aktuellen Wissensstand von Auslöser, Entwicklung und Therapie der unterschiedlichsten Allergien.

Die Entwicklung allergischer Erkrankungen bei Kindern war ebenfalls Thema der Tagung. Ein großes Problem für Eltern und Ärzte seien die häufig auftretenden Falschdiagnosen bei Kinder-Allergien und Hauterkrankungen, erklärte Referendar Dr. Hagen Ott von der Pädiatrischen Dermatologie/Allergologie des Kinderkrankenhauses Wilhelmstift in Hamburg. Die vermeintlichen Hauptauslöser gerade bei Medikamentenallergien würden noch erforscht und führten nicht selten zu falschen Diagnosen und Therapieformen.

Eine weitere Gefahr gehe bei der Behandlung gewisser, häufig vorkommender Ekzeme von regelrechten medizinischen Scharlatanen aus, die abstruse und unsinnige Therapien und Tests anbieten und durchführen. Deren Aussagen seien schlichtweg falsch. „Manche Therapien grenzen schon an Körperverletzung“, betonte Ott während seines Vortrags.

Über das Thema Nahrungsmittelallergie sprach Doktor Katharina Blümchen von der Klinik für Pädiatrie der Berliner Charité. Sie stellte dabei die Therapiemethoden Eliminationsdiät und Toleranzinduktion einander gegenüber. Nahrungsmittelallergiker haben es im Alltag besonders schwer mit ihrer Erkrankung, je nachdem welcher Stoff die Überreaktion des Körpers auslöst.

Behandlungsmethoden gibt es mehrere, entweder man verzichtet auf den Stoff, der eine allergische Reaktion auslöst wie bei der verbreiteten Eliminationsdiät, bei der bewusst nur allergenarme Nahrungsmittel verzehrt werden, oder man versucht es mit Desensibilisierung. Dabei stand die orale Immuntherapie (OIT) im Mittelpunkt der Betrachtungen. Zu diesem Thema stellte die Referentin Überlegungen zur Wirksamkeit der Desensibilisierung an. Vergangene und aktuelle Studien zu dieser Therapieform scheinen deren Erfolg zu bestätigen, sind jedoch nicht immer langfristig ausgereift und aussagekräftig. Sie kam zu dem Schluss, dass sich die OIT-Methode nach dem heutigen Forschungsstand noch nicht für die ärztliche Alltags-Praxis eignet. Die Erfahrungen auf diesem Gebiet wachsen weiter an und sind äußerst lehrreich für die wissenschaftliche Forschung.

von Ina Tannert

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