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Mauer am Park erhält Stabilisierung

Alter Botanischer Garten Mauer am Park erhält Stabilisierung

Die Arbeiten zur grundlegenden Sanierung der Stützmauer am Alten ­Botanischen Garten ­haben jetzt begonnen und werden rund ein ­halbes Jahr dauern.

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Gerüste für die Sanierung der Stützmauer werden aufgebaut.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Weil die Standfläche der Stützmauer zwischen der Straße Am Pilgrimstein und dem Alten Botanischen Garten immer weicher wurde, bewegte sie sich in den vergangenen Jahren immer mehr nach vorne. Zuletzt war bei routinemäßigen Messungen der Stadt an der ungünstigsten Stelle sogar eine ­Verformung von vier Millimetern in Richtung Park gemessen worden. Aufgrund der rasanten Verformung der Mauer befürchteten die Verantwortlichen der Stadtverwaltung nach einem Gutachten sogar, dass die Mauer potenziell einsturzgefährdet war. Vor rund 100 Jahren habe sich die 1895 errichtete Stützmauer ausweislich alter Fotografien noch schräg zum Hang geneigt, jetzt weise die Neigung in die entgegengesetzte Richtung, sagte der Marburger Baudezernent Dr. Franz Kahle gestern im Gespräch mit der OP bei einem Ortstermin.

Weil sich direkt oberhalb der Mauer auch der Gehweg und die viel genutzte Straße Am Pilgrimstein befindet, die am Fuße der Oberstadt die Elisabethkirche mit dem Rudolphsplatz verbindet, bestand auch aus Gründen der Verkehrssicherung dringender Handlungsbedarf.

Jetzt ist es so weit: Die von dem städtischen Baudirektor Jürgen Rausch bereits im Mai 2014 im Bauausschuss avisierte Mauer-Sanierung (die OP berichtete) hat begonnen.

Möglichst schonendes Verfahren

Zu diesem Zweck wurde der vor wenigen Monaten großzügig verbreiterte Gehweg direkt oberhalb der Mauer komplett gesperrt und ist bis zum geplanten Ende der Bauarbeiten im Herbst dieses Jahres nicht mehr begehbar. Auch der Treppeneingang, der auf Höhe des städtischen Parkhauses in den Botanischen Garten führt, ist so lange nicht begehbar. Weiterhin soll die eine Fahrspur für den Autoverkehr und den Radverkehr aus Richtung Elisabethkirche befahrbar bleiben, nur die Radfahrer aus Richtung Rudolphsplatz werden über die Biegenstraße und die Uferstraße umgeleitet, erläuterte Michael Hagenbring von der Straßenverkehrsbehörde. Der Bürgersteig direkt an der Schlossberg-Seite wurde zudem ein wenig verbreitert. Der künftige Straßenzuschnitt werde wohl noch Thema in den Stadt-Gremien werden, sagte Bürgermeister Kahle.

Die Sanierung soll eine dauerhafte Stabilisierung des Mauerwerks bewirken und eine weitere Verformung der Mauer in Zukunft verhindern. Gewählt worden sei ein möglichst schonendes Verfahren. Teil eins der Bauarbeiten ist eine Verfugung des Mauerwerks. Dafür wurden jetzt bereits Gerüste im Botanischen Garten aufgestellt. Dazu werden die Fugen ausgeräumt und per Trockenspritzverfahren gefüllt. Dabei soll die Substanz der Mauer jedoch nicht grundsätzlich verändert werden, es sollen aber vorhandene Schäden im Mauerwerk und an den Kunststeinbögen mit instandgesetzt werden.

Im zweiten Schritt sollen bereits ab Ende Mai „Injektionslanzen“ zum Einsatz kommen und zwar aus Gründen der Schonung des unter Denkmalschutz stehenden Parks nicht von der Seite des Botanischen Gartens sondern von oben, vom Straßenniveau aus. Zu diesem Zweck werden vom Gehweg aus insgesamt 600 Löcher mit einem Durchmesser von jeweils 15 Zentimetern gebohrt, erläuterten die Diplom-Ingenieure Tim Laun und Uwe Heinze von der mit der Sanierung beauftragten Firma ETN. Dabei wird durch die Mauer eine Wasser-Zement-Mischung in den Mauerkörper injiziert, die maßgeblich zur künftigen Standfestigkeit beitragen soll. Schritt drei der Sanierung ist mithilfe eines Düsenstrahlverfahrens die Schaffung von Zement-Boden-Säulen unterhalb der Mauer. Sie sollen zu einer Bodenverfestigung unter der Mauer führen, die vier Meter tief ins Erdreich hineinragt.

Finanziert wird die Sanierung mit einem Kostenvolumen von 1,5 Millionen Euro je zur Hälfte aus einem Bund-Länder-Programm zur Sanierung der nördlichen Altstadt und aus dem Haushalt der Stadt Marburg.

von Manfred Hitzeroth

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