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„Maßstäbe für Erstversorgung gesetzt“

Cappeler Camp „Maßstäbe für Erstversorgung gesetzt“

Die Entscheidung der Landesregierung, die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge an der Umgehungsstraße zu schließen, ist, so OB Dr. Thomas Spies (SPD), ein „Schlag ins Gesicht“ der mehr als 1000 ehrenamtlichen Betreuer.

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Das Flüchtlingscamp Cappel soll nach dem Willen der Landesregierung geschlossen werden.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. In einem Brief an den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier bittet Spies den Regierungschef, die Entscheidung für die Schließung von Camp Cappel noch einmal zu überprüfen.

Spies hatte zunächst reservierter auf die Entscheidung des Landes reagiert und gesagt, man wolle nun „in aller Ruhe“ diskutieren, wie man das Camp künftig nutzen wolle.

Auf Nachfrage der OP sagte der Oberbürgermeister am Montag, mit dem Abstand von einigen Tagen sei ihm klar geworden, dass das Camp in Marburg in jedem Fall erhalten werden müsse. Angesichts des hohen ehrenamtlichen Engagements von mehr als 1000 ehrenamtlichen Helfern und einem gesellschaftlichen Klima in Marburg, in dem die Marburger Flüchtlinge ganz überwiegend willkommen heißen und viel für ihre Integration tun, „muss man eigentlich jedem Flüchtling wünschen, dass er zuerst in Marburg ankommt“.

Marburg habe Maßstäbe für die Erstversorgung von Flüchtlingen gesetzt, auch im bundesweiten Vergleich. Der Wahlerfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern habe ihn in dieser Haltung bestärkt.

Die Ehrenamtlichen seien „über alle Maßen“ enttäuscht von der Haltung der Landesregierung, bestätigte Spies. Er attestiert den ehrenamtlichen Mitarbeitern, dass durch deren „hohe fachliche Kompetenz“ ein Niveau der Unterstützung und Begleitung geschaffen wurde, „dessen fachliche Qualität einzigartig sein dürfte“.

Ehrenamtliche Mitarbeiter hatten in einem offenen Brief unter anderem gefordert, die Stadt möge den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom Mai umsetzen und sich für die Aufnahme von 200 zusätzlichen, in Griechenland festsitzenden Flüchtlingen in Marburg 
einsetzen.

Spies berichtete, dass er der Landesregierung diese Bitte unterbreitet habe. Offenbar hat aber die Landesregierung diese Bitte abgelehnt. Spies bat Bouffier jedenfalls „erneut“, „sich für eine weitere Öffnung und eine Aufnahme einer größeren Zahl von Flüchtlingen einzusetzen, die derzeit unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen“.

In seinem Schreiben an den Ministerpräsidenten verweist Spies unter anderem an die Arbeit der drei Ombudspersonen, die die Interessen der Flüchtlinge im Camp vertreten „und sich vorbehaltlos für die Belange der Flüchtlinge einsetzten“, um dann spitz festzustellen, „was offensichtlich nicht immer gewünscht war“. Es wäre nach Ansicht der Stadt „wünschenswert und angemessen“ gewesen, das Marburger Modell der Ombudspersonen als festen Bestandteil in allen Erstaufnahmeeinrichtungen in Hessen zu etablieren.

von Till Conrad

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