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Massenimpfung möglich

Windpocken im Flüchtlingslager Massenimpfung möglich

Der Windpocken-Ausbruch im Cappeler Flüchtlings-Camp könnte eine Massen-Impfung in der Unterkunft zur Folge haben. Das geht aus gesetzlichen Regelungen hervor – und aus der Praxis in Nordrhein-Westfalen. 

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Die vorerst letzten Neuankömmlinge? Nach dem Windpocken-Ausbruch in der Flüchtlings-Unterkunft gilt laut Regierungspräsidium Gießen  ab sofort und „bis auf Weiteres“, wie eine Sprecherin sagt, ein Aufnahmestopp.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Der bislang einzige infizierte Asylbewerber ist mittlerweile auf die Krankenstation in Gießen verlegt worden, teilt das dort ansässige Regierungspräsidium (RP) am Donnerstag mit. Es handelt sich nach OP-Informationen um einen 20-Jährigen, der ohne Familie nach Deutschland gekommen ist. „Weitere Verdachtsfälle gibt es bislang nicht“, sagt Gabriele Fischer, RP-Sprecherin auf OP-Anfrage. Eine Ärztin beobachte ob es unter den 330 verbliebenen Bewohnern in den kommenden Tagen weitere Ansteckungen gebe. Solange die Windpocken-Gefahr nicht gebannt ist, gilt ein Aufnahme- und Weiterleitungsstopp für die Unterkunft an der Umgehungsstraße. Die Behörden rechnen mit einer Dauer von mindestens zwei bis drei Wochen.

Das Hessische Sozialministerium empfiehlt in einem 2013 an Gemeinschaftseinrichtungen – zu denen neben Kitas auch Asylbewerberheime zählen – herausgegebenen Leitfaden, dass in Bezug auf Windpocken „bei ungeimpften Personen und Kontakt zu Risikopersonen eine Impfung innerhalb von fünf Tagen nach Exposition (Ausbruch der Krankheit) oder innerhalb von drei Tagen nach Beginn des Exanthems (Hautausschlag) beim Indexfall (erster Fall) zu erwägen“.  Auf eine Kontaktvermeidung zu Risikopersonen sollte „strikt geachtet werden“. Letzteres wollen die Behörden über eine getroffene Quarantäne-Regelung in einem Sonderzelt auf dem Sportplatz sicherstellen (die OP berichtete).

Auch laut Paragraf 62 des Asylverfahrensgesetzes sind „Ausländer, die in einer Aufnahmeeinrichtung oder Gemeinschaftsunterkunft zu wohnen haben, verpflichtet, eine ärztliche Untersuchung auf übertragbare Krankheiten einschließlich einer Röntgenaufnahme der Atmungsorgane zu dulden“.

Mediziner: Impfschutz wirkt nach drei bis sechs Tagen

Das Infektionsschutzgesetz konkretisiert diese Pflicht in Bezug auf Lungentuberkulose (Paragraf 36,Absatz 4).

„Alle ankommenden Flüchtlinge werden in der Erstaufnahme medizinisch untersucht und versorgt. Bei Bedarf, also wenn etwas Akutes festgestellt wird, greift man dann auf eine örtliche Ambulanz zurück“, sagt Markus Büttner, stellvertretender Sprecher des Hessischen Sozialministeriums auf OP-Anfrage. Überprüft werde auch die Existenz der „amtlich empfohlenen Impfungen“, erläutert er. „Da es in Deutschland keine Impfpflicht gibt, ist aber niemand zu einer Immunisierung verpflichtet“, sagt Büttner.  

Im nordrhein-westfälischen Hamm unterzogen sich vor wenigen Tagen rund 400 Flüchtlinge einer spontan organisierten Massen-Impfung, nachdem im dortigen Aufnahmelager Windpocken ausgebrochen waren. Bereits Mitte Juli wurden nach einem Infektions-Ausbruch in Duisburg 600 Asylbewerber sicherheitshalber geimpft.

In Nordrhein-Westfalen gilt dass nach Auftreten eines Windpockenfalls in einer Unterkunft, „die Impfung für alle anderen Bewohner sofort verbindlich ist“, wie ein Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg sagt. Bis vor wenigen Tagen grassierten in neun von 20 Aufnahmelagern in NRW der Virus. Mediziner gehen davon aus, dass nach einer Impfung binnen drei bis sechs Tagen ein effektiver Impfschutz vorliegt.

Dass in der Marburger Erstaufnahme-Einrichtung nach dem Infektions-Ausbuch auch eine Massen-Impfung organisiert wird, will das Sozialministerium nicht ausschließen. „Dass sich Leute dann auf freiwilliger Basis impfen lassen, ist auch hier möglich“, sagt Büttner.

Mediziner wie Professorin Annette Becker raten  zur Überprüfung des eigenen Impfschutzes.

von Björn Wisker

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