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Massen-Infektion bei der Chorprobe

Keuchhusten Massen-Infektion bei der Chorprobe

Erwachsene oder Jugendliche haben das Thema der Kinderkrankheiten zumeist abgehakt - doch Keuchhusten, Masern und Co. können durchaus auch ältere Menschen treffen.

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Quälende Hustenattacken deuten bei Kindern auf eine Keuchhusten-Infektion hin. Bei Erwachsenen sind die Symptome häufig nicht so klar auszumachen.

Quelle: Wigger

Marburg. Dass Sangesbruder Johannes (Name geändert) bei der wöchentlichen Chorprobe immer lauter hustete und zum Schluss bellte wie ein ausgewachsener Labrador-Rüde, wunderte wochenlang niemanden. Jeder wusste, dass Johannes starker Raucher war - klar, dass da beim Singen die Atemwege tendenziell überfordert waren. Oder aber Johannes hatte sich „einfach nur ein bisschen erkältet“ und wurde nun als Kettenqualmer sein Leiden entsprechend schwer wieder los. Was lange niemand ahnte: Der Sänger hatte sich irgendwo mit dem Keuchhusten-Erreger infiziert, und mit jeder Attacke streute er großflächig die Bordetella-Keime in die Runde, bis schließlich rund ein Dutzend Chormitglieder erkrankte.

Ein reales Beispiel aus dem Landkreis, das deutlich macht, wie trügerisch und folgenreich insbesondere bei Erwachsenen die Symptome vermeintlicher Kinderkrankheiten unerkannt bleiben. Allein die Barmer GEK verzeichnete unter ihren Mitgliedern von 2006 bis 2012 einen Anstieg der Keuchhusten-Fallzahlen von 6000 auf 9000 Patienten - immerhin eine Steigerung um 50 Prozent! Bemerkenswert ist dabei: Zunehmend sind auch Erwachsene betroffen, bis zu 70 Prozent aller Infektionen treten bei über 18-Jährigen auf.

Robert-Koch-Institut empfiehlt: Impfen

Niedergelassene Ärzte, Mitarbeiter in Gesundheitsämtern, Ministerien und beim Robert-Koch-Institut - sie alle appellieren immer lauter an die Impfmoral der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger. Wo der Impfpass keinen eindeutigen Aufschluss über den bestehenden Schutz gegen Infektionskrankheiten gibt und unklare Symptome auftreten, hilft ein kleiner Pieks: Mit einem Bluttest kann im Labor einwandfrei geklärt werden, gegen welche Krankheiten der Körper geschützt ist.

Die Ständige Impfkommisssion (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfiehlt bereits seit vier Jahren eine generelle Keuchhusten-Schutzimpfung für Erwachsene: „Da kein Einzelimpfstoff gegen Pertussis erhältlich ist, kann diese Impfung nur in Kombination mit anderen anstehenden Impfungen erfolgen“, heißt es bei der STIKO. Deren Mitarbeiter empfehlen, bei „der nächsten fälligen Impfung gegen Tetanus und Diphtherie, die alle 10 Jahre zur Auffrischung oder im Rahmen der Tetanusvorbeugung nach Verletzungen empfohlen ist, einmalig auch gegen Pertussis zu impfen“. Es gibt daneben auch eine Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Poliomyelitis.

WHO bestätigt Verdacht auf Kinderlähmung

Dr. Paul-Otto Nowak von der Ärztekammer Marburg, der auch als Betriebsarzt tätig ist, berichtet ebenfalls von steigenden Keuchhusten-Fallzahlen. Doch auch Masern seien wieder auf dem Vormarsch, ebenso tauche Polio in Ländern des Nahen Ostens wieder vermehrt auf: „Es ist langfristig immer das Gleiche - die Menschen werden impfmüde, und dann bricht es wieder irgendwo aus.“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte in dieser Woche, dass die lebensgefährliche Kinderlähmung in bislang 10 von 22 aktuellen Verdachtsfällen im Nordosten Syriens bestätigt wurde. Es handele sich um das erste Auftauchen dieser von Polioviren verursachten Krankheit in Syrien seit 14 Jahren, erklärte WHO-Sprecher Oliver Rosenbauer. Die Experten führen den Ausbruch mit auf den Bürgerkrieg zurück. Die Patienten - alle sind Babys oder Kleinkinder bis zwei Jahren - seien „nicht hinreichend geimpft“ worden. Und obwohl in Europa die Kinderlähmung als ausgerottet gelte, könne „das Poliovirus könne hier aber schnell wieder auftreten“, warnte der Präsident des Robert-Koch-Instituts in Berlin, Professor Reinhard Burger.

„Die Welt ist kleiner geworden“, warnt Paul-Otto Nowak: „Durch den internationalen Flugverkehr können Erreger binnen 24 Stunden um den gesamten Globus verbreitet werden.“

von Carsten Beckmann

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