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Marschieren gegen die Gleichgültigkeit

Osterspaziergang Marschieren gegen die Gleichgültigkeit

Trotz Dauerregens beteiligten sich 150 Menschen gestern am Osterspaziergang der Friedensbewegung in Marburg.

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Rund 150 Menschen demonstrierten am Montag bei Dauerregen für Frieden und die Beseitigung von Fluchtursachen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit – das Gegenteil von Leben ist nicht Tod, sondern die Gefühllosigkeit.“ Der Friedensnobelpreisträger von 1986, Elie Wiesel, hat das einmal gesagt, und der DFB-Kreisvorsitzende Pit Metz zitierte den Amerikaner während der Abschlusskundgebung des Osterspaziergangs im Schülerpark. „Gleichgültigkeit ist nicht der Anfang eines Prozesses, es ist das Ende eines Prozesses“, brachte Metz das Zitat zu Ende, um anzumerken: „Und weil uns nicht gleichgültig ist, ob in Bortshausen nach wie vor ein militaristisches Kriegerdenkmal steht, auch darum stehen wir hier.“

Trotz Dauerregens beteiligten sich etwa 150 Menschen am Osterspaziergang der Friedensbewegung in Marburg

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Gut eineinhalb Stunden zuvor hatten sich die Marburger Friedensdemonstranten am Staatsarchiv getroffen – pünktlich zum Beginn des Spaziergangs setzte der große Regen ein.

Die Ostermärsche stehen in diesem Jahr unter dem Motto „Fluchtursachen beseitigen – Menschenrechte umsetzen!“ Wie an vielen anderen Orten auch fordern die Marburger Teilnehmer das Ende der Rüstungsexporte, das Ende des Krieges in Syrien und das Ende aller Auslandseinsätze der Bundeswehr. „Kriege fallen nicht vom Himmel“, sagt der Landesvorsitzendes der Linken, der Stadtverordnete Jan Schalauske, zur Begrüßung und betont den engen Zusammenhang zwischen Kriegen und Fluchtbewegungen. „Es ist gut, dass sich Hunderte, vielleicht Tausende in Marburg für die gute Aufnahme von Flüchtlingen einsetzen – aber besser wäre es noch, wir beseitigten die Ursachen.“

Schwerter zu Pflugscharen  - und Land, das gepfügt werden kann

Das sieht auch Rosemarie Barth von der Christlichen Friedensinitiative Marburg so. Sie ruft zunächst das uralte Motto der christlichen Friedensbewegung in Erinnerung: „Schwerter zu Pflugscharen!“ Der Paradigmenwechsel – aus Werkzeugen zum Töten sollen Werkzeuge zum Leben werden – allein reicht aber nicht aus, sagt Barth. Fluchtursachen zu beseitigen heiße heute Gerechtigkeit herzustellen. „Es braucht auch das Land, auf dem gepflügt werden kann“, sagt sie und erinnert in diesem Zusammenhang an kirchliche Genossenschaftsbanken, die in Kleinstkredite für arme Landbauern investieren – ein Geschäftsmodell, von dem Banken genauso wie Bauern etwas haben. „Es gibt Beispiele, wie wir auch in unserem Bereich etwas verändern können“, fügt Barth an – etwa den Eine-Welt-Laden am Markt, der fair gehandelte Produkte vertreibt.

Peter Donatus, aus Nigeria geflüchteter und in Marburg lebender Umwelt- und Menschenrechtsaktivist, hatte eigentlich persönlich auf die Fluchtursachen Umweltzerstörung und Klimawandel hinweisen wollen. Eine schwere Erkältung zwang ihn zur Absage, aber seine Botschaft kam an: Nicht nur Krieg und Konflikte, sondern auch die Gier der westlichen Wirtschaft nach Rohstoffen zwingen viele Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat.

Neben Fluchtursachen bekämpfen die Friedensaktivisten auch Kriegshetze und Militarismus. Karsten Engewald von der Initiative „Kein Kriegsdenkmal in Bortshausen“ erinnerte am Jägerdenkmal im Schülerpark an ein Denkmal, das seit fast fünf Jahren in Bortshausen steht – als „ahistorische Kriegsheldenverehrung“ bezeichnet dies Engewald, als „in Stein gemeißelte Werbebotschaft, um Kanonenfutter für weitere Kriege zu rekrutieren“. Engewald erinnerte den neuen Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies an seine Zusage, die Entfernung dieses umstrittenen Denkmals der Marburger Jäger voranzutreiben. Nach jahrelangem Hin und Her werde nun möglicherweise im Sommer über die Abrissverfügung der Stadt vor dem Verwaltungsgericht Gießen verhandelt.

von Till Conrad

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