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Marktplatz soll frei von Rechtsextremen bleiben

Marktfrühschoppen Marktplatz soll frei von Rechtsextremen bleiben

Der Vorsitzende des Marktfrühschoppenvereins, Tilman Pfeiffer, will dafür sorgen, dass Burschenschaften am äußersten rechten Rand den Marktfrühschoppen nicht länger als Bühne nutzen.

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Verbindungsstudenten beim Marktfrühschoppen 2014. Der Marktfrühschoppenverein will rechtsextremen Burschenschaften keine Bühne auf dem Marktplatz bieten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Pfeiffer hatte beobachtet, wie mehrere Mitglieder der Marburger Burschenschaft Germania in vollem ­Ornat - schwarze Anzüge, schwarz-weiß-rote Käppis und Bänder - beim Marktfrühschoppen feierten. In ihrem Dunstkreis befanden sich auch Mitglieder der Burschenschaft Danubia München und Dresdensia Rugia Gießen. Beide Burschenschaften werden vom Verfassungsschutz seit Jahren beobachtet. Sie gelten als rechtsextrem - genau wie der Dachverband Deutsche Burschenschaft, deren Vorsitz die Marburger Germanen übernommen haben.

Pfeiffer vermeidet den Begriff „rechtsextrem“, sondern redet lieber vom „äußersten rechten Rand“. Fest steht für ihn, dass Mitglieder der drei genannten Burschenschaften Verantwortung für deren Tun haben, „solange sie Couleur tragen“.

Und dieses Tun lehnt der Vorsitzende des Marktfrühschoppenvereins ab. Er bezieht sich vor allem auf Positionen des Dachverbands, nach denen Mitgliedsburschenschaften nur Deutsche aufnehmen dürfen, und ähnliches.

Auch bei der Gießener Burschenschaft Dresdensia-Rugia heißt es im auf der Homepage veröffentlichten Selbstverständnis: Durch unsere Geschichte sind wir ein Männerbund, den die Verantwortung für unser Vaterland zusammengeführt hat. Mitglied der Burschenschaft Dresdensia-Rugia können daher nur deutsche Studenten werden.“

Bei den Burschenschaften, der Danubia ebenso wie der Dresdensia-Rugia, werden zudem enge Kontakte zur offen antisemitisch auftretenden Wiener Burschenschaft Teutonia nachgesagt.

Großteil der Burschenschaften hat Dachverband verlassen

In der Deutschen Burschenschaft sind von einst deutlich mehr als 100 Burschenschaften nur noch 38 organisiert, weiß Pfeiffer. Ein Großteil der Burschenschaften habe den Dachverband wegen seiner Positionen verlassen. Ein großer Teil von ihnen ist jetzt im konkurrierenden Verband „Neue Deutsche Burschenschaft“ organisiert - einem Verband, der in seinem Leitbild unter anderem formuliert hat: „Für eine zeitgemäße Burschenschaft haben Rasse oder Abstammung des Burschenschafters keine Rolle zu spielen, sondern allein dessen Haltungen und die Bereitschaft, sich für das deutsche Vaterland einzubringen.“

Pfeiffer legt Wert darauf, dass sein eigener Verband, die Burschenschaft Arminia, schon 1972 aus der Deutschen Burschenschaft ausgeschlossen wurde, weil sie einen Kriegsdienstverweigerer aufgenommen habe. In einem jahrelangen Verfahren und innerverbandlicher Diskussionen habe man sich die Mitgliedschaft in der Deutschen Burschenschaft gerichtlich wieder erstritten - um dann Ende der 90er Jahre wieder auszutreten. Mitglieder der Rheinfranken und der Germanen hätten bei der Arminia Hausverbot, „weil die Bundesbrüder mit Migrationshintergrund angemacht haben.“

Pfeiffer will nun selbst aktiv werden, um den Marktfrühschoppen - „ein unpolitisches Fest“ - aus der politischen Auseinandersetzung zu holen. Er will für ein differenziertes Bild des Verbindungsstudententums in Marburg sorgen und sich zugleich von den extrem rechten Verbindungen distanzieren. „Ich sorge dafür, dass sie keine Bühne bekommen auf dem Marktfrühschoppen.“

Geplant: Neuauflage der „Marburger Erklärung“

Der Vorsitzende kündigte an, gemeinsam mit dem früheren Stadtsprecher Erhart Dettmering eine Neuauflage der „Marburger Erklärung“ zu initiieren. Darin hatten sich die meisten der Marburger Korporationen - aber eben nicht alle - zu demokratischen Grundsätzen bekannt. Eine erneute Initiative soll klarmachen, wer hinter demokratischen Grundsätzen steht und wer nicht.

Pfeiffer plant außerdem für den Herbst eine Podiumsdiskussion zum Thema. Unter anderem sollen Experten für Rechtsextremismus und für Verbindungswesen auf dem Podium sitzen. Sollten trotz aller Bemühungen beim nächsten Marktfrühschoppen Mitglieder von Burschenschaften aus dem rechten Rand am Marktfrühschoppen „repräsentativ auftreten“, will Pfeiffer auch öffentlich sagen, dass sie unerwünscht seien. „Eine Handhabe für einen Platzverweis haben wir aber nicht, da wir nicht das Hausrecht ausüben.“

von Till Conrad

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