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Marburgs Rotarier stellen ihre Stiftung vor

Langraf Philipp von Hessen Stiftung Marburgs Rotarier stellen ihre Stiftung vor

Mit einer eigenen Stiftung „Landgraf Philipp von Hessen“ will der Rotary-­Club Marburg seine mildtätige Arbeit ­ausbauen.

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Friedrich Bohl beschäftigte sich in seiner Grundsatzrede mit dem Stiftungsgedanken.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Im historischen Rathaussaal stellte sich die Stiftung ein knappes Jahr nach ihrer Gründung erstmals der Öffentlichkeit vor.

Die Rotary-Stiftung „Landgraf Philipp von Hessen“ wurde vom Rotary Club Marburg initiiert und im Oktober 2012 als Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet. Ihr Ziel ist es, im Zusammenwirken mit dem Rotary Club Marburg soziale Projekte im In- und Ausland zu unterstützen, kulturelle Aktivitäten zu fördern, den internationalen Jugendaustausch voranzubringen sowie Studienprogramm für Schüler und Studierende und Programme von Rotary International zu finanzieren.

Wie hoch das Stiftungskapital ist, wollte Präsident Michael Preusse nicht genau beziffern. Sie gehört seinen Angaben zufolge aber zu jenem knappen Drittel der bundesweit etwa 20000 Stiftungen, die ein Stiftungskapital von weniger als 100000 Euro haben.

Professor Dr. Bernhard Maisch skizzierte als Vorsitzender des Stiftungsbeirats die Entstehungsgeschichte der Stiftung: Einer der „Väter“ sei als Ideengeber Rechtsanwalt Preusse, der jetzige Stiftungsvorsitzende, ein anderer das Rotarier-Mitglied Professor Dr. Reinfried Pohl dank einer großzügigen Zuwendung. Inzwischen sei es gelungen, das Stiftungsvermögen auf das Zweieinhalbfache der ursprünglichen Summe zu vermehren. Preusse selbst nahm in seiner Rede Bezug auf die Gründung der rotarischen Bewegung: Im Chicago des Jahres 1905, einem Ort voller Kriminalität und Korruption, gründet der Rechtsanwalt Paul Harris den ersten Rotary Club als Wertegemeinschaft, wie er sie als Kind auf dem Land erlebt hatte, wo jeder entsprechend seinen Fähigkeiten andere nach ­Möglichkeit unterstützte. Der rotarische Gedanke war geboren. In Marburg dienen Rotarier diesem Gedanken seit fast 60 Jahren, fügte Preusse an. Durch die Stiftung könne der ­rotarische Gedanke nun noch mehr verankert werden. Es gelte, vorhandene Förderprojekte zu stärken und neue zu definieren.

Der frühere Kanzleramtsminister Friedrich Bohl, heute Vorsitzender der von Behring-Röntgen-Stiftung, wies in seiner Festrede auf ein Problem hin, das allen Stiftungen in Deutschland gemein ist: Das Stiftungskapital darf laut Stiftungsrecht nicht angegriffen werden, die Stiftung ist „für die Ewigkeit“ gedacht. Die Tätigkeit der Stiftung ist zur Gänze aus den Zinserträgen zu finanzieren. Das ist in einer Niedrigzinsperiode wie im Moment schwieriger. Bohl berichtete, das die von Behring Röntgen-Stiftung, die mit einem Stiftungskapital von 100 Millionen Euro ausgestattet ist, zu Beginn ihrer Tätigkeit noch drei Millionen Euro im Jahr ausschütten konnte, gegenwärtig seien es nur noch zwei Millionen Euro. Schlimmer noch: Um Stiftungen „in ihrer Substanz“ zu erhalten, müsse das Stiftungskapital um die Inflationsrate aufgestockt werden - gleichzeitig begrenzt der Gesetzgeber aber die Möglichkeit, Zinserträge in die Rücklage zu überführen, auf ein Drittel. Damit sei die Substanz derzeit kaum zu erhalten.

Der Stiftungsgedanke hat dennoch Zukunft, prognostizierte Bohl. In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Zahl der Stiftungen in Deutschland verdoppelt. Stiftungen seien unverzichtbarer Bestandteil bürgerschaftlichen Engagements, ihre drei Grundgedanken „Nachhaltigkeit“, „Eigenverantwortung“ und „Subsidiarität“ unverzichtbar.

von Till Conrad

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