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Marburgerin feiert 110 Geburtstag

Katie Bodenbender Marburgerin feiert 110 Geburtstag

Katie Bodenbender hatte viel Spaß an ihrem Geburtstag. Sie hat gesungen, es gab Zitronenkuchen, der ist ihr am liebsten und sie wurde Mitglied in einem Verein: „The 110 Club“.

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Katie Bodenbender, die als Katharina Zschocke im Jahr 1905 in Marburg Weidenhausen zur Welt kam, am Tag ihres 110. Geburtstages.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Nur wenige Menschen werden so alt. Die 111-jährige Margarete Dannheimer aus Mittelfranken gilt derzeit als die älteste noch lebende Deutsche. Am 19. April ist Katie Bodenbender, gebürtige Marburgerin 110 Jahre alt geworden. Ihre Nichte Ursula Brunet meldete sich Mitte Mai aus Zürich bei der Oberhessischen Presse, um die Geschichte ihrer Tante zu erzählen.

In Moline im östlichen US-Bundesstaat Illinois können wir telefonisch die Tochter von Katie, Katherine Bodenbender erreichen. Sie pflegt ihre Mutter und freut sich über den Anruf. „Meine Mutter und ich sprechen so viel über Deutschland und Marburg. Hätten sie ein paar Minuten früher angerufen, dann hätten wir mit ihnen ein deutsches Volkslied oder Kirchenlied gesungen. Jetzt schläft sie gerade“, sagt Katherine Bodenbender in fließendem Deutsch, obwohl sie selbst nie in Deutschland gelebt hat. Die Sommerferien hat sie allerdings als Kind und Jugendliche oft bei ihrer Tante Maria Brunet in Marburg verbracht. Die Tante war zum 105 Geburtstag noch in Moline, um mit ihrer Schwester zu feiern. Im Jahr 2012 starb sie. Sie wurde ebenfalls weit über 90 Jahre alt und wohnte bis zuletzt in der Cappelerstraße 75.

Erste Schwimmversuche in der Lahn

Musik und Glaube, dass sind Leidenschaft und Kraftquelle im Leben von Katie Bodenbender – alias Katharina Zschoke. 1905 wurde sie als erste Tochter von sechs Kindern von Otto und Christine Zschocke im Stadtteil Weidenhausen geboren. Im Gegensatz zu ihren Schwestern Maria Brunet und Anna Prior und ihrem Bruder Kurt Zschocke, die in der Gegend blieben, zog es sie in die Ferne. Doch sie hat die Heimat nie vergessen.

( Im Jahr 1930 ging Katie mit ihrem Mann Heinrich Bodenbender in die USA. Das Ehepaar lebte dort seinen Traum mit einem eigenen Spezialitätengeschäft)

„Sie war eine leidenschaftliche Schwimmerin bis über ihr 90. Lebensjahr hinaus und hat oft davon erzählt, wie sie in der Lahn schwimmen gelernt hat“, sagt Katherine Bodenbender. Außerdem berichtet Katie auch heute noch von der schönen Zeit, als sie in der Weidenhäuser Straße mit ihrer Familie Musik gemacht hat und viele Nachbarn kamen, um sich die Hausmusik anzuhören.
Katharina Zschoke lebte ihren Traum und folgte 1930 als 25-Jährige ihrem Verlobten Heinrich Bodenbender aus Niederweimar nach Moline. Dieser hatte dort bei „Deere and Company“ – heute weltweit einer der größten Anbieter von landwirtschaftlichen Maschinen – Arbeit in der Gießerei gefunden.

Deutsche Spezialitäten in Katy´s Market

Katie, wie sie sich jetzt nannte, nahm ihr Glück in die Hand und hatte schnell eine Anstellung als Köchin im Haushalt des Präsidenten von „Deere and Company“, wo Heinrich später als Butler arbeitete.
Im Jahr 1933 kauften Katie und Heinrich ein Lebensmittelgeschäft, nannten es „Katy’s Market“ und vergrößerten es später zu einem Spezialitäten-Geschäft mit einer großen Auswahl deutscher und später internationaler Produkte. Sie steckten viel Zeit hinein, damit sie ihren drei Söhnen und ihrer Tochter ein Universitätsstudium ermöglichen konnten.

„Meine Eltern liebten ihre Kinder über alles, und wir standen für sie immer an erster Stelle“, sagt Katherine Bodenbender. Aber Katie genoss auch die Arbeit als Geschäftsfrau, ganz besonders den Kontakt zu ihren Kunden, die oft zu Freunden der Familie wurden. „Bei uns war das Haus immer geöffnet. Es gab Kaffee und Kuchen für Stammkunden“.
1977 starb Katies Mann Heinrich. Aber erst im Alter von 80 Jahren zog sie sich selbst aus dem Geschäft zurück. Ein Geschäft, dass es heute noch gibt und das direkt an das Haus der Bodenbenders angeschlossen ist.

Enge Verbundenheit zur alten Heimat

Während unseres Telefonats geht Katherine Bodenbender, promovierte Krankenschwester (in den USA ist das ein Beruf mit Hochschulabschluss) in den Laden, den jetzt ihr Bruder Reinhardt betreibt. „Reinhardt, do you remember the name of the small town near Marburg, where Anna, Ma´s sister had her house?“, fragt Sie ihren Bruder. „Cölbe“ antwortet Reinhard auf die Frage, wo Tante Anna Prior bis zu ihrem Tod im Landkreis lebte.

Seit mehr als 20 Jahren war Katie nun nicht mehr in Marburg. „Sie würde so gerne nochmal dorthin. Sie erzählt so viel von Marburg. Es war wie ein erstes Leben für Sie, aus dem Sie noch heute unglaublich viel Kraft zieht“, sagt ihre Tochter Katherine.

Katies Nichte, Ursula Brunet, hat oft ihre Mutter Maria gefragt, was das Geheimnis der Tante in Amerika ist, mit so viel Lebensfreude so alt zu werden. „Dann hat sie immer nur gelacht. ,Es ist ihr fester Glaube an Jesus Christus und die zwei Äpfel und die Orange, die sie täglich gegessen hat‘“, hat die Mutter dann gemutmaßt.
Ursula Brunet hat aber über die Jahre ihre eigene Theorie entwickelt: „Ich denke, es ist ihr Optimismus und ihr starker Willen die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

von Tim Gabel

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